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Letzte Aktualisierung: 24.04.2024

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Vom Klassenzimmer in den Gerichtssaal

"Tag des Rechtsstaats" in der Paulskirche vorgestellt

von Norbert Dörholt

(07.02.2023) Das hessische Ministerium der Justiz, das hessische Kultusministerium und das hessische Ministerium des Innern und für Sport haben gemeinsam ein neues Format entwickelt, das Schülern eindrucksvoll die Bedeutung des Rechtsstaates und seiner Institutionen näherbringen soll. Am Montag wurde die hessenweite Veranstaltungsreihe „Tag des Rechtsstaates“ in der „Wiege der deutschen Demokratie“, der Paulskirche in Frankfurt, im Rahmen der Auftaktveranstaltung vorgestellt.

Staatssekretärin Tanja Eichner, Kultusminister Alexander Lorz, Frankfurts Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, Ministerpräsident Boris Rhein, Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Justizminister Roman Poseck und Innenminister Peter Beuth (v.l.n.r.)
Foto: HMdJ
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Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein hob in seinem Grußwort die Bedeutung des Rechtsstaates hervor und begrüßte die zahlreichen Ehrengäste aus Politik, Justiz und Polizei sowie die Schulklassen. Besonderem Interesse galt dem interaktiven Format „Nachgefragt!“. Hier stellten sich Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Justizminister Roman Poseck, Innenminister Peter Beuth und Kultusminister Alexander Lorz den Fragen der Schüler. Musikalisch umrahmt wurde das Programm vom Justizchor und Landespolizeiorchester.

Ministerpräsident Rhein sagte in der Paulskirche: „Der Rechtsstaat ist eine der tragenden Säulen unserer Demokratie. Er sorgt dafür, dass alle Bürger eines Landes die gleichen Rechte haben und dass diese Grundrechte eingehalten werden, auch vom Staat. Ohne den Rechtsstaat gibt es keine Freiheit und Selbstbestimmung, keine Sicherheit und keine soziale Gerechtigkeit. Eine starke Demokratie braucht einen starken Rechtsstaat. Und welcher Ort könnte eine starke Demokratie besser veranschaulichen als die Frankfurter Paulskirche? Sie gilt als ‚Wiege der deutschen Demokratie‘, denn dort schuf die Nationalversammlung 1848, also vor 175 Jahren, die erste demokratische Verfassung für Deutschland. Die Paulskirche ist ein Ort, der dafür steht, dass unsere demokratischen Werte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern jeden Tag aufs Neue erarbeitet und gelebt werden müssen.“ Und ergänzte, dass Schüler die Funktionsweise und „das Geschenk“ des Rechtsstaates und der Demokratie nur verteidigen könnten, wenn sie es verstünden. Die Veranstaltungsreihe leiste dazu einen wichtigen Beitrag. 

Justizminister Roman Poseck erklärte im Rahmen der Auftaktveranstaltung in der Paulskirche: „Mit der Veranstaltungsreihe ‚Tag des Rechtsstaates‘ setzen wir in Hessen ein Zeichen für einen starken Rechtsstaat. Wir leben in einer Demokratie und in einem leistungsfähigen Rechtsstaat. Das haben wir insbesondere den Bediensteten der Justiz zu verdanken, die Bürger vor Willkür und Missbrauch schützen und dafür sorgen, geltendes Recht durchzusetzen. In unserer Gesellschaft kommt es aber auch vor, dass der Rechtsstaat durch Hass und Hetze verunglimpft und durch Gewalt gegen Amtsträger sowie Rettungskräfte angegriffen wird. Es ist von besonderer Bedeutung, bereits den Schülern die Wichtigkeit eines funktionierenden Rechtsstaates zu vermitteln. Das gelingt am besten vor Ort mit ‚echten‘ Richtern, Staatsanwälten und Rechtspflegern sowie Justizwachtmeistern. Die hessische Justiz öffnet daher zahlreiche Amtsgerichte für Schulklassen. Hier können sich die Schüler beispielsweise über Berufe in der Justiz informieren, lernen wie Handy- und Drogenspürhunde in der Justizvollzugsanstalt eingesetzt werden und sie sind selbst Beteiligte einer simulierten Gerichtsverhandlung. So machen wir die Justiz erlebbar und nahbar.“

„Der Rechtsstaat setzt den Rahmen für unser friedliches Zusammenleben", sagte Innenminiser Peter Beuth.  Jeder ist vor dem Gesetz gleich, jeder hat Rechte und auch Pflichten. Die Polizei sorgt in einem Rechtsstaat dafür, dass die geltenden Regeln eingehalten – und wenn nötig – durchgesetzt werden. Mehr als 15.500 Polizeibeamte leisten in Hessen dazu tagtäglich ihren Beitrag. Das sind so viele Polizisten wie nie zuvor und es werden Jahr für Jahr mehr. Wie die Polizisten das machen, was zur Polizeiarbeit dazu gehört und vor allem, welche Rolle bei all dem der Rechtsstaat spielt, bekommen die rund 1.000 Schüler in den sieben hessischen Polizeipräsidien praxisnah dargestellt. Ob das Sichern von digitalen und analogen Spuren oder die Festnahme und Vernehmung von mutmaßlichen Tätern; die Schüler werden interaktiv alle Facetten und Aufgaben des Polizeiberufes hautnah kennenlernen und selbst erleben. Das ist Rechtsstaat und Polizeiarbeit zum Anfassen.“

Kultusminister Alexander Lorz führte aus: „Zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen gehört, die Schüler zu befähigen, in Anerkennung der Werteordnung des Grundgesetzes und der Verfassung des Landes Hessen die Grundrechte für sich und andere wirksam werden zu lassen, eigene Rechte zu wahren und die Rechte anderer auch gegen sich selbst gelten zu lassen. Sie sollen staatsbürgerliche Verantwortung übernehmen und sowohl durch individuelles Handeln als auch durch die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen mit anderen zur demokratischen Gestaltung des Staates und einer gerechten und freien Gesellschaft beitragen. Schüler sollen erkennen, dass die demokratische Rechtsordnung das friedliche Zusammenleben von Menschen regelt und garantiert sowie die Menschenrechte und den innergesellschaftlichen Frieden sichert. Ein Verständnis des Rechtsstaates setzt auch die Kenntnis seiner Organe beziehungsweise Gewalten voraus. Neben dem Parlament sind Polizei und Justiz zentrale Elemente des Rechtsstaates, denn sie bringen diesen zur Geltung.“

„Der Rechtsstaat ist das Rückgrat unserer Demokratie. Ihn zu stärken und zu schützen ist deshalb unsere zentrale Aufgabe", sagte Landtagspräsidentin Astrid Wallmann. "Das gilt ganz besonders in diesen bewegten Zeiten. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die politische Bildung. Nur wer die Kernprinzipien unserer Verfassung kennt, versteht auch unseren Rechtsstaat und unsere Demokratie. Als Parlamentspräsidentin ist es mir sehr wichtig, dass wir uns ebenen- und parteiübergreifend intensiv darum bemühen, junge Menschen mit politischer Bildung zu erreichen. Dass die heutige Auftaktveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche stattfand, halte ich für ein wichtiges Zeichen. Denn die Paulskirche symbolisiert wie kaum ein anderer Ort in Deutschland die Tradition einer demokratischen und freiheitlichen Verfassung.“

Nach der Auftaktveranstaltung in der Paulskirche nehmen die Schülergruppen an den Programmen des Amtsgerichts und des Polizeipräsidiums in Frankfurt teil. Beide Behörden haben für die Schulklassen individuelle Programme entwickelt. Von Februar bis Juli 2023 öffnen an ausgewählten Terminen sieben hessische Amtsgerichte und alle sieben Polizeipräsidien ihre Türen, um rund 2.000 hessischen Schülern den Rechtsstaat näher zu bringen.