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Letzte Aktualisierung: 22.09.2021

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Theodor-W.-Adorno Preis an Klaus Theweleit verliehen

von Ilse Romahn

(13.09.2021) In einem feierlichen Festakt hat Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig in der Paulskirche den alle drei Jahre vergebenen Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main an den Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Prof. Klaus Theweleit verliehen. Die Literaturkritikerin und Publizistin Sigrid Löffler hielt die Laudatio. Zahlreiche Gäste wohnten der Verleihung bei.

Kulturdezernentin Ina Hartwig gratuliert Klaus Theweleit.
Foto: Stadt Frankfurt, Foto: Maik Reuß
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Oberbürgermeister Peter Feldmann sagt zur Anerkennung des Preises an Klaus Theweleit: „Die Auszeichnung für Klaus Theweleit freut mich persönlich sehr, weil seine Schriften – insbesondere ‚Männerphantasien‘ – mich sehr beeindruckt haben. Er rekonstruiert darin einen Tätertypus, der die Weimarer Republik zu Fall gebracht und der Nazi-Diktatur zum Aufstieg verholfen haben. Damit hat er eine in die Gegenwart weisende Analyse von Mechanismen der Ausgrenzung und männlicher Gewalt geliefert, die uns bis heute ein Exempel liefert, wo die Gefahren für Demokratie und Humanität lauern. Klaus Theweleit ist ein würdiger Träger des Theodor-W.-Adorno Preises der Stadt Frankfurt am Main."
 
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Hartwig freut sich außerordentlich über die Preisverleihung an Klaus Theweleit: „Klaus Theweleit steht für Klaus Theweleit, auf diese Tautologie kommt man zwangsläufig, wenn man sich mit Denken und Werk dieses bedeutenden und einflussreichen Schriftstellers und Kulturwissenschaftlers beschäftigt; eines geistvollen und inspirierenden Intellektuellen, ja eines Influencers avant la lettre. Seine Analysen männlicher Gewaltphantasien und ihrer ganz realen Destruktivität sind so markant und singulär, dass sie aus den heutigen Kulturwissenschaften nicht mehr wegzudenken sind. Theweleits Schriften amalgamieren den literarischen mit dem wissenschaftlichen Diskurs zu einer hochproduktiven, originellen Einheit, deren Interdisziplinarität zum Inbegriff zeitgemäßer Geisteswissenschaften geworden ist.“
 
Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt zum Gedenken an den Philosophen Theodor W. Adorno vergeben und dient der Förderung und Anerkennung hervorragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film. Theodor W. Adorno wirkte viele Jahre an der Universität Frankfurt und dem Institut für Sozialforschung und war einer der namhaftesten Vertreter der Frankfurter Schule. Seine Schriften, darunter „Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben“, „Negative Dialektik“ und die gemeinsam mit Max Horkheimer im Exil verfasste „Dialektik der Aufklärung“ zählen zu den einflussreichsten philosophischen und kulturtheoretischen Werken des 20. Jahrhunderts.

Vorherige Preisträger waren unter anderen Judith Butler (2012), Georges Didi-Huberman (2015) und Margarete von Trotta (2018). Der erste Preisträger war im Jahr 1977 der Soziologe Norbert Elias. (ffm)