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Letzte Aktualisierung: 28.10.2020

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Theatersommer der Burgfestspiele Bad Vilbel

von Ilse Romahn

(16.09.2020) "Dieses Jahr ist ein ganz besonderes Jahr, das einiges an Überlegung gekostet hat", eröffnete Dr. Stöhr die Schlussbilanz 2020 der Burgfestspiele Bad Vilbel. Es war eine spannende Frage, wie der Sommer verlaufen wird in der Burg, nachdem es noch im Mai eine Komplettabsage für alle Veranstaltungen gab.

Ladies Night-Ensemble
Foto: Eugen Sommer
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Dennoch hofften Intendant Claus-Günther Kunzmann und alle Beteiligten auf Möglichkeiten im Laufe der Sommermonate. Denn Bad Vilbel ist eine Stadt, die der Kultur einen hohen Stellenwert einräumt. 

Am 18. Juni, so erzählt Claus-Günther Kunzmann, sei er mit dem Bürgermeister nach Wiesbaden gefahren, um die Hessentagsfahne an die Stadt Fulda weiterzureichen. Ein eher trauriger Anlass nach der Absage des Hessentags, aber am gleichen Tag verkündete das Corona-Kabinett in Wiesbaden die Lockerungen für Veranstaltungen dergestalt, dass 250 Leute zugelassen werden konnten, wenn auch unter strengen Auflagen weiterhin. Auf dem Rückweg bereits diskutierten Thomas Stöhr und Claus-Günther Kunzmann über die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben könnten für einen Spielplan in der Burg. 

Einigkeit herrschte darüber, dass es keinen Not- oder Ersatzplan mit eingekauften Veranstaltungen geben sollte, vielmehr sollte ein Angebot gemacht werden, das den Burgfestspielen angemessen sei. Die Fragen lauteten: Welche Bestuhlung ist möglich? Welche Stücke sind machbar? Wie viel Zeit braucht es für die Information an das Publikum?

Das war ein ziemlicher Ritt, lacht Claus Kunzmann erlöst und ist dankbar, dass die beiden Regisseure Christian H. Voss und Ulrich Cyran sehr rasch einverstanden waren, diesen Ritt mitzumachen, innerhalb von wenigen Tagen eine Strichfassung zu erstellen, Bühnenbild und Ensemble zu überlegen und am 3.7. mit den Proben zu beginnen.

Ein Vorteil war auch, die Kurzarbeit für das Ensemble beantragt zu haben, so standen die DarstellerInnen bereit, um sehr schnell nach Bad Vilbel zu kommen. Alle waren begeistert davon, ihren Beruf ausüben zu können, nachdem es monatelang ganz anders ausgesehen hatte. 

Während der Tage vom 18. Juni bis zur ersten Premiere hatte der Intendant vor allem den Rahmen der Burgfestspiele im Auge, es war wichtig, einen Abend der Unterhaltung und des Ausstiegs aus dem Alltag zu bieten, wie es die Burgfestspiele seit jeher anstreben. Das bedeutete auch, die Gastronomie einzubinden. Ein Hygienekonzept musste umgesetzt werden, das Schlangenbildung beim Einlass und an den Ständen verhinderte und manche technische Lösung wie die Ampelschaltung vor den Waschräumen führte zu anerkennendem Lächeln der Besucher. 

Am Ende, mit einigen Nachbesserungen während der Spielzeit, konnten 200 BesucherInnen in der Burg die jeweilige Vorstellung besuchen – im Gegensatz zu den sonst 730 möglichen Plätzen. 

Abschließend sprach Herr Kunzmann davon, dass viele Erfahrungen gesammelt wurden, die für die Durchführung von Veranstaltungen in den nächsten Monaten von großem Vorteil waren. Wie es gehen kann, wenn die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie noch weiterhin bestehen oder wieder hochgefahren werden müssen, haben die Burgfestspiele in diesem Sommer erprobt. 

Bürgermeister Dr. Stöhr dankt allen Mitwirkenden dafür, dem Intendanten und dem Team, die ungewöhnliche Herausforderung des diesjährigen Theaterbetriebs so tatkräftig angenommen zu haben. 

Erwartungsvoll schauen Intendant und Bürgermeister auf das kommende Jahr. Dann findet der Spielplan von 2020 eben im Jahr 2021 statt. Die Burgfestspiele sind bereit. 

Zahlen
"Wenn wir sonst in den letzten Jahre stolz sechsstellige Zahlen nennen konnten, was die Anzahl der Besucher betrifft, so sind wir froh und dankbar, in diesem denkwürdigen Theatersommer überhaupt 9000 (exakt: 8.999) Karten an die geneigten BesucherInnen gebracht zu haben."

27 Mal wurde Ladies Night gespielt, 21 Mal die Inszenierung „Mondlicht und Magnolien“ gezeigt.
Am 18.9. kommt das nachgeschobene Konzert der Barrelhouse Band, danach werden Tribüne und Sonnenschirme in der Burg und dem Festspielgelände abgebaut. 

Es gab viel Unterstützung seitens des Landes Hessen und der Sponsoren wie der Partnerfirmen, die Verständnis dafür haben, dass bis zum März bereits viel für die eigentliche Spielzeit vorbereitet worden ist, vor allem an den Bühnenbildern und den Konzeptionen der Regie wie der Ausstattung.
Auch Nichtstun, so fügt Kunzmann hinzu, koste Geld. 

Momentan lässt sich grob sagen, dass mit allen Zuschüssen und den Einnahmen im Kartenbüro ca. 300.000 Euro zusammenzuzählen sind, es einen Zuschussbedarf von ca. 200 000 Euro geben wird. Das sind vorläufige Überschlagsrechnungen, denn es ist sehr schwierig, eine exakte Trennung zwischen dem Betrieb des geplanten Spielplans 2020, der Verschiebung nach 2021 und der durchgeführten beiden Inszenierungen von Ende Juli bis Mitte September sauber hinzubekommen.

Ruth Schröfel Dramaturgie, Burgfestspiele Bad Vilbel