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Letzte Aktualisierung: 26.10.2020

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Schaulust im 18. Jahrhundert

Niederländische Zeichenkunst im Städel in Frankfurt

von Karl-Heinz Stier

(30.09.2020) Mit annähernd 600 Blättern verfügt das Städel Museum über eine umfangreiche Sammlung niederländischer Zeichnungen des 18. Jahrhunderts außerhalb der Niederlande und Belgiens. Diesen Bestand widmet das Städel von heute bis 10. Januar 2021 eine eigene Ausstellung.

Bildergalerie
Ausstellungsansicht "Schaulust. Niederländische Zeichenkunst des 18. Jahrhunderts"
Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz
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Johannes Huibert Prins (1757–1806), Ansicht einer niederländischen Stadt, 1790 - Wasser- und Deckfarben, auf Velinpapier, 405 × 539 mm - Städel Museum, Frankfurt am Main
Foto: Städel Museum
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Ausstellungsansicht "Schaulust. Niederländische Zeichenkunst des 18. Jahrhunderts"
Foto: Städel Museum - Norbert Miguletz
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Präsentiert werden 81 repräsentative Zeichnungen von heute kaum mehr bekannten, in ihrer Zeit aber oft sehr erfolgreichen Künstlern.

Die häufig bildmäßig vollendeten, oft auch farbigen Handzeichnungen bedienten die Schaulust der aufgeklärten Bürger*innen des 18. Jahrhunderts und ihr Bedürfnis nach Austausch und Information. Die ausgewählten Werke verdeutlichen eindrucksvoll die Aufwertung und Emanzipation der Zeichnungen in den Niederlanden zu jener Zeit ebenso wie die immer wieder gesuchte Auseinandersetzung mit der Kunst des 17. Jahrhunderts, des sogenannten niederländischen „Goldenen Zeitalters“.

„Wir verbinden die niederländische Kunst des 18.Jahrhunderts heute zwar nicht mit bekannten Meisterwerken und berühmten Künstlernamen, dennoch erlebte sie in ihrer Zeit eine reiche Blüte und wurde auch außerhalb des Landes aufmerksam beobachtet und gesammelt“, so Städel Direktor Philipp Demandt. Auch der Stifter des Städel Museums, Johann Friedrich Städel (1728-1816) und der mit ihm befreundete Johann Georg Grambs waren Sammler niederländischer Zeichnungen.

Die Ausstellung gliedert sich in fünf thematische Kapitel. Den Anfang machen Werke wie Studienblätter und Zeichnungen sowie ausgesuchte Vorzeichnungen für großformatige barocke Wand- und Deckendekorationen. Der bekannteste Dekorationsmaler der Zeit Jacob de Wit (1695-1754) zeigt den „Deckenentwurf: Flora und Zephyr“ (um 1725). Das Motiv würde für das Haus eines frisch verheirateten Ehepaares passen. Nymphen und Putten tragen Blumen zur Göttin Flora empor, die ihren noch weiter oben heranschwebenden Gatte Zephyr, der Südwind, erwartet.

Das zweite Kapitel der Ausstellung stellt bedeutungsvolle Orte in den Niederlanden dar. Man vergewisserte sich auf eine neue Art der Heimat und ihrer Geschichte. Zum führenden Künstler wurde hier Cornelis Pronk (1691-1759). Das Städel Museum besitzt von ihm eine großformatige Zeichnung des niederländischen Parlamentes, das gleichzeitig die Residenz des Statthalters der Niederlande war: der Binnenhof in Den Haag.

In einem weiteren Kapital ist der veränderte Umgang mit dem Thema Landschaft zu erkennen, eine Rückbesinnung auf die eigene Geschichte und Kunstgeschichte. Das Landleben und die malerischen Bauernhäuser wie in „Landschaft mit Berg im Schnee (Der Winter)“von Jacob Cats (1741-1799 sind von den Vorbildern des „Goldenen Zeitalters" beeinflusst.

Ein letztes  Kapitel „Blumen, Früchte und Tiere“ befasst sich mit der sinnlichen Freude an der Vielfalt der Farbe und Textur. Beispiel: Das auf Pergament ausgeführte „Blumengebinde“ (1700) von Herman Henstenburgh (1667-1726). Es steht für die Verbindung von dekorativer Wirkung und sinnlich-gegenständlicher Darstellung.

Die niederländischen Zeichnungen des 18. Jahrhunderts wurden wissenschaftlich aufgearbeitet von Annetti Sandfort. Sie hat auch den Katalog verfasst von 264 Seiten zum Buchhandelspreis von 44.90 Euro. Er ist im Sandstein-Verlag Dresden erschienen.

Weitere Infos unter www.staedelmuseum.de