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Letzte Aktualisierung: 18.02.2020

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Potenzialstudie über eine Straßenbahn von Frankfurt nach Bad Vilbel

von Ilse Romahn

(21.01.2020) Ist der Bau einer Straßenbahn von Frankfurt nach Bad Vilbel sinnvoll und machbar? Oberbürgermeister Peter Feldmann und der Bad Vilbeler Bürgermeister Thomas Stöhr haben am Montag, 20. Januar, vereinbart, das Potenzial für diese Verbindung untersuchen zu lassen.

Unterzeichnung Potenzialstudie: (l-r) Sebastian Wysoki, Thomas Stöhr, Peter Feldmann, Klaus Oesterling
Foto: Stadt Frankfurt / Rainer Rüffer
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„Erstmals seit über 100 Jahren“, sagte Feldmann, „wird ein Ausbau der Frankfurter Straßenbahn über die Stadtgrenzen hinaus angestrebt. Das ist ein Meilenstein der interkommunalen Zusammenarbeit.“ Sein Bad Vilbeler Kollege Stöhr ergänzt: „Die Einwohnerzahlen gerade im Kern des Rhein-Main-Gebietes nehmen stetig zu – wenn wir nicht wollen, dass die Menschen ihre Mobilitätsbedürfnisse nur mit dem Auto befriedigen, müssen wir ihnen Alternativen bieten, die nicht an den Stadtgrenzen Halt machen.“

Frankfurt am Main und Bad Vilbel werden gemeinsam die Potenzialstudie in Auftrag geben. „Die zu untersuchende Straßenbahnverbindung zweigt nördlich der Friedberger Warte in Frankfurt an der Haltestelle Bodenweg von der bestehenden Straßenbahnlinie 18 ab und verläuft weiter im Bereich der Friedberger Landstraße. Ab der Stadtgrenze zu Bad Vilbel gibt es zwei Trassenvarianten: Eine verläuft direkt entlang der Frankfurter Straße. Die andere folgt dem heutigen Verlauf der Buslinie 30 über die Alte Frankfurter Straße. Beide Varianten führen ab dem Heilsberg wieder gemeinsam auf der Frankfurter Straße bis zum Südbahnhof in Bad Vilbel“, beschreibt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling den Plan.

„Die Studie soll darlegen, ob für diese Verbindung die notwendige Nachfrage besteht. Gegenstand der Analyse soll aber auch der Trassenverlauf und dessen technische, verkehrliche und städtebauliche Machbarkeit sein. Bestandteil des Auftrags an den Gutachter sind außerdem eine Weiterführung bis zum Bad Vilbeler Nordbahnhof sowie die Möglichkeiten, im Bereich der Unfallklinik in Frankfurt) und der Musterhaus-Siedlung in Bad Vilbel P+R-Plätze einzurichten“, erläutert Bad Vilbels Erster Stadtrat Sebastian Wysocki.

Heute verkehrt auf dieser Verbindung die Buslinie 30 (Bad Vilbel Bahnhof – Friedberger Warte – Konstablerwache – Sachsenhausen Hainer Weg). Sie wird zwischen Bad Vilbel und Friedberger Warte täglich von bis zu 5000 Fahrgästen genutzt. Sie stellt damit neben der S-Bahn-Linie S6, die zurzeit ausgebaut wird, schon heute eine wichtige Nahverkehrsverbindung zwischen den beiden Nachbarstädten dar. „Die Umstellung einer mit Dieselbussen betriebenen Linie auf die elektrische Straßenbahn hat klare ökologische Vorteile und ist für die Fahrgäste attraktiv – sie wäre sicher ein Beitrag, den Modal split zugunsten des Nahverkehrs zu verbessern“, sind Wysocki und Oesterling überzeugt.

Für Feldmann und Stöhr spielt die ökologische Bewältigung des Verkehrs im Ballungsraum Rhein-Main bei ihren Überlegungen eine wichtige Rolle: „Eine Straßenbahnverbindung von Bad Vilbel über die Unfallklinik, das Frankfurter Nordend bis in die Innenstadt und gegebenfalls nach Sachsenhausen wäre ein zukunftsweisendes Angebot für die vielen Pendlerinnen und Pendler, die heute täglich über die Friedberger Landstraße aus dem Nordosten und Osten nach Frankfurt fahren. Wir brauchen nicht darauf hinzuweisen, dass dieses e-mobile Angebot auch die Luftreinhalteziele der Stadt Frankfurt enorm unterstützen würde.“

Beide Partner sind zuversichtlich, ein positives Ergebnis zu erreichen, so dass Frankfurt und Bad Vilbel ein neues Kapitel der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit aufschlagen können. In diesem Fall erwarten sie auch die Unterstützung der Hessischen Landesregierung, die immer wieder betont, den Ausbau des Schienennetzes vorantreiben zu wollen.

„Die Kosten der Studie werden zu 50 Prozent von traffiQ, der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft der Stadt Frankfurt am Main, sowie zu je 25 Prozent von der Stadt Bad Vilbel und der Lokalen Nahverkehrsorganisation des Wetteraukreises, dem Zweckverband Oberhessischer Versorgungsbetriebe (ZOV), getragen“, erklärt traffiQ-Geschäftsführer Tom Reinhold abschließend. Das Ergebnis der Studie soll möglichst bis zum Sommer 2020 vorliegen. (ffm)