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Letzte Aktualisierung: 15.01.2021

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Palliativpharmazie: Gemeinsam für mehr Lebensqualität

von Ilse Romahn

(05.11.2020) Erkranken Menschen schwer und lebensbegrenzend, verschieben sich die Perspektiven. Dann stehen nicht mehr die Heilung oder die Verlängerung des Lebens im Vordergrund. Im Rahmen einer palliativen Versorgung, an der interdisziplinär viele Professionen beteiligt sind, geht es vielmehr darum, die Lebensqualität zu verbessern und Schmerzen sowie andere Krankheitssymptome in den letzten Tagen und Wochen einzudämmen.

Auch die Angehörigen von Palliativpatienten können in die Betreuung einbezogen werden.
Foto: ABDA
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Doch die belastenden Krankheitssymptome fallen sehr unterschiedlich aus. Eine palliativpharmazeutische Therapie bedeutet auch, dass die Medikation patientenindividuell zugeschnitten und auch immer wieder an den Bedarf des Schwerstkranken angepasst werden muss. Dass die Apotheken vor Ort gerade in der Betreuung und Versorgung von Patienten mit unheilbaren Erkrankungen eine große Rolle spielen, weiß Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Immer im Blick der Arzneimittelexperten: die Lebensqualität, die Selbstbestimmung und die Wünsche des Betroffenen.

Mit Fachwissen und Empathie
Palliativen Beistand kann jede Apotheke leisten. In Hessen haben bereits zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker ihr Fachwissen in umfassenden Zertifikat-Fortbildungen vertieft und ergänzt. Doch in der Betreuung geht es nicht allein um eine palliativpharmazeutische Expertise und ein gutes Medikationsmanagement, sondern auch um Kontakt und Austausch mit den Palliativmedizinern und Palliativteams, das Wissen um die Besonderheiten in der Therapie und Pflege. Gefragt ist außerdem ein gutes Fingerspitzengefühl im Umgang mit Schwerstkranken. In vielen Fällen muss beispielsweise die Erwartungshaltung des Patienten an die Medikation einfühlsam korrigiert werden, je nach Krankheitsstadium ist eine Beschwerdefreiheit nicht mehr möglich. Ein wichtiger Aspekt, damit sich der Betroffene auf die lindernd wirkende Medikation einlassen kann.

„Ich umhülle Dich“
Mit „palliativ“, abgeleitet vom Lateinischen „pallium“ (Mantel), sind alle Aspekte der Versorgung und Begleitung des Patienten gemeint – von der medizinischen und pharmazeutischen Betreuung, der ambulanten palliativmedizinischen Betreuung mit den speziellen Teams oder aber die Suche nach einem passenden Pflegedienst bis zur psychologischen und seelsorgerischen Unterstützung. In der palliativpharmazeutischen Betreuung sind die Apotheker für die Versorgung des Schwerstkranken mit Arzneimitteln zuständig, erklären die richtige Handhabung und Anwendung, unterstützen sie in der Therapie und schlagen, im Schulterschluss mit anderen Heilberuflern und wenn Risiken erkennbar sind, alternative Lösungen vor, um die verbleibenden Tage des Betroffenen so lebenswert wie möglich zu gestalten. Auch Angehörige werden in diese umfassende Betreuung einbezogen, damit Schwersterkranke auf ihrem Weg nicht alleine sind.

Apotheke vor Ort: Rund um die Uhr erreichbar
Ob am Wochenende, an Feiertagen oder in der Nacht: Eine ausreichende Versorgung mit Medikamenten ist bei Schwerstkranken besonders wichtig. Hier sind auch die Angehörigen gefragt. Sie sollten zum Beispiel darauf achten, dass die notwendigen Medikamente ausreichend vorrätig sind. Im Fall der Fälle ist immer eine Apotheke vor Ort erreichbar – an 365 Tagen und rund um die Uhr. Der Notdienstfinder im Internet hilft Angehörigen, schnell eine diensthabende Apotheke in der Umgebung zu finden. Die Informationen können auch telefonisch erfragt werden (0800 / 00 22 833, kostenfrei aus dem Festnetz oder unter der Telefonnummer 22 8 33, Handy max. 69 ct./min.).

Der Landesapothekerkammer Hessen gehören rund 6.300 Apothekerinnen und Apotheker an. Der Heilberuf des Apothekers unterliegt einem gesetzlichen Auftrag. Zu den Aufgaben der Landesapothekerkammer gehören die Förderung der Fort- und Weiterbildung und die Überwachung der Einhaltung der Berufspflichten durch ihre Mitglieder. Die Landesapothekerkammer stellt ebenso eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung in ganz Hessen mit Medikamenten sicher.

www.apothekerkammer.de