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Letzte Aktualisierung: 19.07.2019

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Nadelöhr Grundstücke

Im Rhein-Main-Gebiet wird neues Bauland gesucht

von Karl-Heinz Stier

(09.06.2017) Es sind die alten Klagelieder der Immobilienbranche und Wohnungsunternehmen: es werden zu wenige baureife Grundstücke ausgewiesen und angeboten und die Planungsprozesse dauern zu lange. Die beiden Themen standen im Mittelpunkt des 2. Kongresses "Frankfurt-RheinMain baut!", an dem im Congress Park Hanau 200 Fachbesucher und Kommunalpolitiker zum Meinungsaustausch zusammen gekommen waren.

Teilnehmer der Pressekonferenz: Dr. Tausendpfund (VdW Südwest), Gerald Lipka (Freie Immobilien- und Wohnungsunternehmen), Ludger Stüve (Regionalverband) und Mike Josef (Planungsdezernent Frankfurt)
Foto: Karl-Heinz Stier
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"Dies  ist zur 7eit das entscheidende Nadelöhr. Nur beschleunigte Genehmigungsverfahren und die Bereitstellung von mehr Grundstücken durch die Kommunen kann  dem Wohnungsbau mehr Schwung verliehen werden“  – so das einmütige Postulat der  in einem „Immobilien-Marktplatz“ zusammen gefassten Organisationen  wie  der Regionalverband Frankfurt RheinMain, der Landesverband freier Immobilien – und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland und der Verband  der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, die als Veranstalter auftraten.

FrankfurtRheinMain ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands. Die Investitionen in der Bauwirtschaft sind erheblich. Immer mehr Menschen drängen in den Ballungsraum. Doch das Angebot an Wohnraum wächst nicht schnell genug.

Ludger Stüve, Direktor  des Planungsverbandes FrankfurtRheinMain, überraschte mit der Feststellung, dass seit den neunziger Jahren in seinem Verband nur 9500 Wohnungen pro Jahr gebaut wurden (bis 2015), die Hälfte davon in Frankfurt. Heute stünden 2100 Hektar zur Verfügung. „Die Crux ist, dass nach wie vor genügend Bauland vorhanden ist, aber  nicht ausreichend entwickelt wird. Das können wir uns nicht leisten“.

Gerald Lipka vom Landesverband Freier Immobilien– und Wohnungsunternehmen wies darauf hin, dass ein Planungsprozess bis zum fertigen Bauland in der Regel zehn Jahre dauere. „Das ist zu lange“. Zwar werde das Projekt „Bauland-Offensive-Hessen“ schneller baureife Grundstücke aktivieren,  es komme aber wesentlich darauf an, alle Anbietergruppen (Gemeint sind freie Wohnungsunternehmen) „ fair zu berücksichtigen.

Auf die Möglichkeit des verdichteten Bauens wies  Dr. Axel Tausendpfund, Verbandsdirektor des VdW Südwest hin. Hier böten sich zahlreiche Chancen an, rasch zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Auch blieben Möglichkeiten ungenutzt, wenn das Sankt-Florians-Prinzip vorherrsche, wonach zwar der Wohnungsbau befürwortet werde, „nur nicht in meiner Umgebung“.

Die langen Planungsprozesse führte der Planungsdezernent der Stadt Frankfurt Mike Josef auf viele Restriktionen in der Baulandentwicklung früherer Jahren  und auf die damit verbundenen Auseinandersetzungen zwischen ökonomischen sowie  sozialen und ökologischen Meinungsverschiedenheiten zurück. Bei Beginn einer Wohnbebauung müsse zuvor über die damit verbundene Infrastruktur entschieden werden. „Wir dürfen uns nicht in fruchtlosen Auseinandersetzungen auszehren, sondern immer im Blick haben, „wie der Ballungsraum Rhein-Main von morgen aussehen wird“.