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Letzte Aktualisierung: 23.07.2021

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Mehr als 200 Schülerbriefe an und über Sophie Scholl

Deutsche Post unterstützt Briefaktion „100 Jahre Sophie Scholl in Schülerbriefen“

von Ilse Romahn

(25.05.2021) Anlässlich des 100. Geburtstages von Sophie Scholl haben Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim (GSS) Briefe an und über Sophie Scholl geschrieben. Insgesamt wurden in mehreren Klassenstufen aller Schulzweige mehr als 200 Briefe an und über die Namensgeberin der Schule verfasst, von denen knapp 100 zur Teilnahme am Wettbewerb eingereicht wurden.

Die Preisträger der Briefaktion „100 Jahre Sophie Scholl in Schülerbriefen“ stehen fest: Schulleiter Thomas Stricker prämierte die besten Arbeiten.
Foto: Deutsche Post DHL
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Die 20 besten dieser Briefe wurden von einer vierköpfigen Jury ausgewählt und heute im Forum der Schule prämiert. Der Anlass: Am 9. Mai wäre die Widerstandskämpferin gegen das Nazi-Regime 100 Jahre alt geworden. Zu diesem besonderen Jubiläum hat die GSS den Briefwettbewerb initiiert, um einerseits ihre Namensgeberin besonders zu würdigen und andererseits für die Kulturtechnik „Briefeschreiben“ zu werben. Das Projekt „100 Jahre Sophie Scholl in Schülerbriefen“ dauerte anderthalb Monate und wurde von der Deutschen Post unterstützt.

Briefeschreiberin Sophie Scholl
„Der Anlass war selbstverständlich der 100. Geburtstag von Sophie Scholl, an den wir mit diesem Wettbewerb erinnern und die Person Sophie Scholl und ihr besonderes Vermächtnis unseren Schülern auf diese Weise nahebringen möchten“, sagt Thomas Stricker, Leiter der Geschwister-Scholl-Schule. „Sophie Scholl steht als Namensgeberin unserer Schule in besonderer Weise für unsere Werte, wie ein demokratisches Miteinander, Zivilcourage und gegenseitigen Respekt. Diese Werte kommunizieren wir kontinuierlich über verschiedene Kanäle und Medien. Diesmal widmen wir uns dem Medium ‚Brief‘, das auch Sophie Scholl so häufig genutzt hat, um mit ihrer Familie und ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Daher sind wir sehr froh, dass die Kooperation mit der Deutschen Post zustande gekommen ist und wir die Briefidee gemeinsam realisieren konnten“, so Stricker.

Vorbild Sophie Scholl
In den Monaten Februar und März haben sich Schülerinnen und Schüler vor allem im Deutsch-, Geschichts- und Politikunterricht intensiv mit dem 100. Geburtstag von Sophie Scholl auseinandergesetzt und Briefe an und über Sophie Scholl verfasst. „Selbstverständlich war und ist der 100-jährige Geburtstag von Sophie Scholl ein wichtiges Thema an unserer Schule. Der Briefwettbewerb hat es uns ermöglicht, gewissermaßen ergänzend, auf eine besondere Facette von Sophie Scholl einzugehen: nämlich die der Briefeschreiberin Sophie Scholl. Aus den Briefen spricht eine tiefe Bewunderung für Sophie Scholl, viele Schülerinnen und Schüler beschreiben sie als ihr Vorbild. Man erkennt aus einigen Briefen die umfangreiche Beschäftigung mit ihrem Werdegang. Besonders interessiert hat die Briefeschreiberinnen und Briefeschreiber, wie sich Sophie Scholl vom BDM-Mitglied zur Widerstandskämpferin entwickelt hat. Ein weiterer Schwerpunkt der eingereichten Briefe liegt bei der Frage, ob die Verfasserinnen und Verfasser in einer ähnlichen Situation heute so handeln würden wie Sophie Scholl damals gehandelt hat, zum Beispiel auf das private Glück für die größere Sache zu verzichten. In den Briefen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte wird verstärkt zum Ausdruck gebracht, für welch hohes Gut die Mitglieder der ‚Weißen Rose‘ gestritten haben, das sie nun in Deutschland realisiert sehen: eine kritische Meinung öffentlich äußern zu können. Insgesamt zeugen die Briefe von einer intensiven Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit ihren eigenen Werten und Zukunftsvorstellungen sowie der Frage, ob und wie sie sich gegen politische Missstände einzusetzen bereit sind. Insofern hat der Briefwettbewerb vieles in Bewegung gebracht“, erklärt Gerhild Hoppe-Renner, Leiterin des sprachlich-literarisch-künstlerischen Fachbereiches an der GSS.

Auch bei der Deutschen Post freut man sich über die Kooperation mit der Schule und die gelungene Briefaktion: „Solche Initiativen unterstützen wir gerne und aus Überzeugung. Denn der Brief ist Inbegriff schriftlicher Kommunikation. Briefe verbinden Menschen miteinander und stehen deshalb geradezu sinnbildlich für unser Unternehmen. Für Sophie Scholl war die Korrespondenz per Brief häufig die einzige Möglichkeit, Kontakt zu halten und in Verbindung zu bleiben. Aktuell ermöglichen Briefe, dass man auch in Corona-Zeiten seine Lieben schützen und trotzdem mit ihnen in Kontakt bleiben kann“, sagt Friedhelm Schlitt, Regionaler Politikbeauftragter der Deutschen Post.

Zu Sophie Scholl (1921–1943) wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg am Kocher geboren, studierte Biologie und Philosophie in München. Sophie Scholl gehörte der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ an. Im Februar 1943 wurde sie zusammen mit ihrem Bruder Hans und dessen Kommilitonen Christoph Probst von den Nationalsozialisten verhaftet, in einem Schauprozess verurteilt und am 22. Februar hingerichtet. Sophie Scholl war nicht nur eine bekannte Widerstandskämpferin, sondern auch eine eifrige Briefeschreiberin. Ihre bewegenden Briefe an ihren Freund Fritz Hartnagel beispielsweise, geschrieben unter schwierigsten Bedingungen, zählen laut der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu den „ungewöhnlichsten, ergreifendsten Zeugnissen, die aus jener Zeit der finsteren Barbarei auf uns gekommen sind“.