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Letzte Aktualisierung: 15.10.2021

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Landwirte verlangen Planungssicherheit

Getreideernte 2021 unterdurchschnittlich

von Karl-Heinz Stier

(22.09.2021) Die Corona Epidemie hat verhindert, dass das Erntefest auf dem Rossmarkt, Hauptwache und Zeil als landwirtschaftliche Produktenschau in Frankfurt („Hessens größter Bauernhof“) stattfinden konnte. Dennoch hat der Frankfurter Landwirtschaftliche Verein als Veranstalter, der 352 Mitglieder in Frankfurt und umliegenden Einzugsgemeinden umfasst, jetzt im Herbst die Gelegenheit genutzt, über die aktuelle Agrar-Situation in Frankfurt und Umland zu berichten.

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Rede und Antwort standen (v.l.nr.): Amtsleiter Dr. Klaus Erdle, Geschäftsführer des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins Roger Cromm, Vorsitzender Michael Schneller und Hofgutbesitzer Mario Walther
Foto: Karl-Heinz Stier
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134 Rinder, Bullen und Kühe hält er in mehreren Stellen und auf angrenzendem Freigelände
Foto: Karl-Heinz Stier
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Im Hofladen verkauft die Familie Eigenerzeugnisse und Waren von befreundeten Betrieben und Partnern.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Vorsitzender Michael Schneller wies darauf hin, dass es nach 3 Dürrejahren dieses Jahr genug Regen gegeben habe. Aber das Erntejahr 2021 war bei der Getreideernte zu sonnenarm, zu kühl, zu nass – diesmal hätte es „einen ganz normalen Sommer“ gegeben. Im Frühsommer  habe  die Wärme gefehlt, um die  Getreidekörner groß und die Ernte ergiebig werden zu lassen. Die Auswirkungen zeigten sich durchweg in unterdurchschnittlichen Ernteergebnissen - die Erwartungen an die Ernte-Erträge hätten sich nicht erfüllt. Mit einer Gesamtmenge von 1,8 Mio Tonnen Getreide haben die hessischen Landwirte 2021 den Durchschnitt der letzten 5 Jahre nicht erreicht. Sie liege rund 4 % unter dem 5-jährigen Mittel.

Überdurchschnittliche Ergebnisse erwarte man in der Region bei der Zuckerrüben-Ernte. Das Ertragsniveau habe von der guten Niederschlagsverteilung profitiert. Allerdings werden die Zuckergehalte der Vorjahre nicht erreicht. Allenfalls durchschnittlich ist die diesjährige Kartoffelernte. Es war zu nass, sodass die Knollenfäule vermehrt auftrete. Beim Grünland sieht es anders aus. In diesem Jahr konnten 3-4 Ernten eingefahren werden, deutlich mehr als in den vorangegangenen Dürrejahren. Die Futterversorgung der hessischen Tierhaltungsbetriebe sei gesichert.

Die größten Sorgen bereiten der Landwirtschaft der andauernde Siedlungsdruck und der damit verbundene Flächenverbrauch. In Hessen werde alle 3 Sekunden ein Quadratmeter Fläche der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Statistische gesehen – so Schneller - habe deutschlandweit jeder Einwohner nur noch eine Fläche von 1 900 qm  für die Produktion von Nahrung zur Verfügung. Demgegenüber ist die zur Verfügung stehende Wohnfläche je Einwohner von 1991 bis 2020 von 34,9 qm auf 47,4 qm im Jahre 2020 angestiegen. „In den vergangenen Jahrzehnten hat die Landwirtschaft den Verlust Gelände durch höhere Flächenleistung kompensiert. Sie wird in Zukunft angesichts der veränderten gesellschaftlichen Anforderungen nicht mehr möglich sein“.

Was die Landwirten störe, sei der oft fehlende Sachverstand in vielen Diskussionen .Exemplarisch wurden die Anforderungen der Düngeverordnung genannt, die in den kommenden Jahren noch weiter verschärft werden sollen. Dies könne mittelfristig zur Einstellung von Premiumweizen in der hiesigen Region führen.

Der stellvertretende Amtsleiter des Amtes für den ländlichen Raum in Bad Homburg, Dr. Klaus Erdle, forderte angesichts der derzeitigen politischen Diskussion eine Planungssicherheit für die Landwirte, wie und was man investieren soll und kann. Als negatives Beispiel führte er an, dass z.B. Stallneubauten nach fünf Jahren wieder abzureißen sind, weil neue Ideen Platz greifen würden. „Wir sind vielleicht bei manchen landwirtschaftlichen Praktiken Täter, aber wir sind bei ständig politischen Veränderungen auch Opfer“. Gleichzeitig schlug er der Stadt Frankfurt vor, ein Leitbild Freiraum zu entwickeln.

Was das Verhältnis Intensiv-Landwirt und Biolandwirt angehe, so sei hier eine Annährung der Bewirtschaftungs-Aktionen festzustellen. Man könne nicht von heute auf morgen Pflanzenschutzmittel reduzieren, man müsse sich darüber Gedanken machen, wann man und welche chemischen Mittel beim Pflanzenschutz einsetzen könne.

Die Pressekonferenz fand diesmal auf dem Gelände des Hofgutes Erlenhof im Erlenbacher Steinweg 52 in Frankfurt statt, einem mittelgroßen Familienbetrieb. Besitzer Mario Walther gehört zu den 63 Frankfurter  Landwirten, ist vor 20 Jahren ausgesiedelt, hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 145 Hektar, baut Kartoffeln, Weizen und Zuckerrüben an und bewirtschaftet eine Streuobstwiese. Außerdem besitzt er 134 Rinder, Kühe und Bullen, die tagsüber auf Freigelände grasen und 36 Mastschweine. Angegliedert an sein Hofgut hat er einen größeren Hofladen, in dem er als Direktvermarkter eigene Produkte und solche von Partnerbetrieben anbietet und verkauft. Inzwischen hat er eine Vergrößerung vorgenommen..