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Letzte Aktualisierung: 24.09.2021

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Lachen und danach Besuch der Kleinmarkthalle

von Helmut Poppe

(28.07.2021) Frankfurt am Main ist seit den Gründungen der Satiremagazine Pardon und Titanic die Hauptstadt der Satire. Das Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst setzt diesen Anspruch fort.

Foto: Caricatura Museum
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Da bietet sich doch glatt ein Doppel-Feature an: Vorher oder vielleicht besser danach in die Kleinmarkthalle zu Essen und Trinken - vorzugweise auf der Terrasse.

Mit mehr als 7.000 Originalen der Zeichner der „Neuen Frankfurter Schule“ sowie rund 4.000 Zeichnungen weiterer Karikaturisten weist es den mutmaßlich höchsten Humorgehalt der Museumslandschaft auf.

Den Grundstock der Sammlung des Caricatura Museums bilden die Zeichnungen von F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth und Hans Traxler. Zusammen mit F.K. Waechter und den Autoren Bernd Eilert, Eckard Henscheid und Pit Knorr bilden sie die Neue Frankfurter Schule (NFS). Die deutsche Gegenwartskomik wurde bis heute entscheidend von  dieser Gruppe geprägt. Nicht zuletzt durch die Gründung des Satiremagazins Titanic 1972 haben Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Peter Knorr, Hans Traxler und Chlodwig Poth Frankfurt zur „Hauptstadt der Satire“ gemacht. Ende der neunziger Jahre hatte sich der Gedanke einer dauerhaften Würdigung der satirischen Zeichnungen am Ort ihrer Entstehung festgesetzt und es kam zu einem Treffen des damaligen Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff mit Titanic-Zeichnern und -Autoren sowie Achim Frenz, der mit dem Aufbau eines Museums für Komische Kunst beauftragt wurde. Achim Frenz hatte sich  schon in Kassel unter dem Label Caricatura um die komische Zeichnerei gekümmert und leitet heute das Museum. Die „Caricatura“ war bis 2008 im Historischen Museum Frankfurt untergebracht und legte dort einen fulminanten Start hin: Es wurden bis zu drei Ausstellungen pro Jahr präsentiert.

Am 1. Oktober 2008 konnte das Historische Museum das Caricatura Museum Frankfurt am Weckmarkt eröffnen – im Leinwandhaus, das 1892 das erste eigene Gebäude des Historischen Museums gewesen war. Im ersten Obergeschoss des Caricatura Museums befindet sich die Dauerausstellung mit den Werken der fünf Zeichner der Neuen Frankfurter Schule: F.W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F.K. Waechter ist jeweils ein Kabinett gewidmet. Zwei Mal im Jahr wird die Hängung der Dauerausstellung gewechselt, aus konservatorischen Gründen und um möglichst viele Zeichnungen aus dem Sammlungsbestand zu zeigen.

Im Erdgeschoss zeigt das Caricatura Museum Frankfurt wechselnde Ausstellungen namhafter Vertreter der Komischen Kunst: Es wurden internationale Künstler wie Jean-Marc Reiser, Tomi Ungerer und Kamagurka präsentiert; es gab Einzelausstellungen der Vertreter der NFS, den Meistern der Komischen Malerei Sowa, Hurzlmeier und Kahl wurde eine Schau gewidmet und mit Marie Marcks und Franziska Becker wurden zwei der erfolgreichsten Karikaturistinnen Deutschlands gezeigt. Absolute Publikumsmagnete waren die Jubiläumsschauen des Satiremagazins Titanic 2009 und jüngst 2019, die Ausstellung des österreichischen Künstlers Gerhard Haderer 2011 und 2018 mit neuem Besucherrekord „OTTO. Die Ausstellung“.

So viel zum Innenleben. Vor dem Haus grüßt der Elch aus Bronze, erschaffen von Hans Traxler. Er ist das Maskottchen des Caricatura Museums Frankfurt. Das Motiv stammt aus dem berühmten Zweizeiler von F.W. Bernstein: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche“. Mittlerweile blickt das Caricatura Museum auf dreizehn Jahre äußerst erfolgreiche Arbeit zurück. Seit April 2019 ist das Caricatura Museum vom Historischen Museum organisatorisch getrennt und befindet sich derzeit unter der Obhut des Kulturamts. 2020 wurde dem Caricatura Museum Frankfurt gemeinsam mit der Caricatura Galerie für Komische Kunst Kassel der Hessische Kulturpreis für das Engagement rund um das Genre der Karikatur verliehen. Dieser ist mit 45.000 Euro der höchst-dotierte Kulturpreis in der Bundesrepublik Deutschland.

Ein neu geschaffener Ankaufsetat ermöglichte Anfang 2021 erstmals die Erweiterung der Sammlung. Das Museum erwarb 400 Zeichnungen des Zeichnerduos Greser & Lenz, die in der Tradition der Frankfurter Schule stehen.

Caricatura Museum Frankfurt, Weckmarkt 17, Frankfurt am Main  www.caricatura-museum.de