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Letzte Aktualisierung: 30.09.2020

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Kult: Diese Trends sind einfach zeitlos

von Bernd Bauschmann

(07.08.2020) Trends sind immer brandneu? Nein, nicht zwingend. Sie sind nur aktuell angesagt – allerdings kann dieses Angesagt auch bedeuten, dass sie das schon sehr lange sind. Und wo manche Trendprodukte es tatsächlich nur auf sehr kurze Halbwertszeiten bringen, etwa jene rotierenden Spaßmacher namens Fidget Spinner, sind andere schon Jahrzehnte dabei, ohne jemals stark an Beliebtheit verloren zu haben.

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Was ein Produkt kultig macht, sind viele Faktoren. Der jedoch vielleicht wichtigste: Seine Features erweisen sich niemals als völlig inkompatibel mit dem jeweiligen Zeitgeist.
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Dabei stammen diese Stücke aus verschiedenen Bereichen – sowohl Mode wie auch Technik und Beauty. Und wenn etwas so lange überdauert hat, ist es absolut angebracht, vier von ihnen eine kleine Hommage zuteilwerden zu lassen. Vorhang auf:

Die klassische G-Shock Uhr von Casio (seit 1983)

Wir leben in einer Zeit, in der Digital-Gigant Apple binnen kürzester Zeit auch zum größten Uhrenhersteller der Welt wurde – seiner Smart Watches wegen. Durchaus imposant, allerdings müssen diese Alleskönner unter den Uhren tatsächlich noch unter Beweis stellen, dass sie auch den „Test of Time“ überstehen.

Ein anderer Zeitmesser fürs Handgelenk hat den Beweis bereits zig-tausendfach erbracht: Casios klassische G-Shock. Zwar wird damit heute eine ganze Sparte robuster und funktioneller Uhren bezeichnet, im engeren Sinn dieses Artikels sind damit jedoch nur jene eckigen Modelle gemeint, die von der Ur-G-Shock abstammen.

Dieses Modell wurde 1983 lanciert. Zwei Jahre lang hatte Casio-Ingenieur Kikuo Ibe versucht, eine nach realistischen Maßstäben „unzerstörbare“ Digitaluhr zu erschaffen – zu einer Zeit, in der Digitaluhren für den Massenmarkt seit gerade knapp zehn Jahren erhältlich waren. Dazu kreierte er das „Triple 10“-Motto:

  1. 10 Bar Wasserdichtigkeit (~100m Tiefe)
  2. 10 Jahre Batterielebensdauer
  3. 10 Meter Fallhöhe ohne Beschädigung

Heraus kam eine Uhr, deren digitaler Rechenkern von Polyurethan umschlossen wurde, das wiederum in einem Edelstahlgehäuse steckte, welches seinerseits von einer Gummi-Umhüllung geschützt wurde. Diese war zudem so konstruiert, dass das Uhrenglas von zwei „Höckern“ geschützt wurde. Das Armband wurde so gestaltet, dass es unmöglich war, dass die Uhr mit der freiliegenden Metallabdeckung der Rückseite aufschlagen konnte. Das Modell DW-5000C war geboren – und es war nicht nur zehn, sondern 20 Bar wasserdicht.

Und obwohl Casio seitdem unzählige weitere G-Shocks in unterschiedlichsten Formen und mit viel mehr Funktionen lancierte, blieb immer eine Uhr im Repertoire, deren Look und Funktionen denen der DW-5000C bis auf kleinste Details ähneln. Heute fungiert die GW-M5610 als Flaggschiff: Optisch von der DW-5000C kaum zu unterscheiden, jedoch nicht nur mit Solarzellen ausgestattet, sondern auch Funkempfänger – ansonsten jedoch immer noch maximal robust.

Der Adidas Superstar Sneaker (seit 1969)

Auch Sneaker sind ein Segment, in dem zahllose Modelle einen kometenhaften Aufstieg zum Kultobjekt erleben. Allerdings gibt es nur sehr wenige Schuhe, die es in der so schnelllebigen Modewelt schafften, immer irgendwie am Puls der Zeit zu liegen – selbst die noch älteren „Chuck Tylor Allstars“ von Converse schafften das nicht ganz.

Seit jedoch Adidas 1969/1970 sein Modell Superstar auf den Markt brachte, gehörte der Schuh zu praktisch jeder Modephase, zu jeder jugendlichen Subkultur. Erdacht worden war er als Basketballschuh. In dieser Rolle schaffte er es binnen weniger Jahre, zu „dem“ Schuh der Profispieler zu werden. Mit ein Grund dafür war die Konstruktion: Das Obermaterial aus robustem Leder, der Zehenbereich jedoch mit Gummimaterial umschlossen. Das gab nicht nur einen einzigartigen Look, sondern auch ein gutes Laufgefühl.

Und wie so häufig schaffte auch der Superstar den Weg „from the Court to the Streets“. Als in den späten 70ern und frühen 80ern die Hip-Hop-Szene entstand, wurde der Schuh zur inoffiziellen Uniform– nicht zuletzt deshalb, weil Hip-Hop und Basketball viele subkulturelle Wurzeln teilten.

Die Rap Megastars der ersten Stunde, Run-DMC, machten den Superstar gar zu ihrem Markenzeichen, widmeten ihm 1986 sogar den Track „My Adidas“. Und auch heute, immerhin ein halbes Jahrhundert später, gehört er zu den wichtigsten Modellen in Adidas‘ Portfolio. Und nicht nur das: Der Geburtstag wird vielfältig gefeiert, indem diverse neue, teils limitierte Modelle auf den Markt gebracht werden. Und ähnlich wie bei der G-Shock gilt auch hier: Sie alle orientieren sich trotz Detailänderungen im höchsten Maß am Ursprungsmodell.

Der Duft Old Spice (seit 1937)

Wie viele Düfte sich jederzeit auf dem Markt befinden, dürften selbst Experten nur schätzen können. Viele von ihnen bringen es auf eine hohe Lebensdauer. Allerdings dürfte es nur wenige andere Düfte geben, die es auf eine global so hohe/lange Verbreitung bringen wie Old Spice.

Dabei hat dieser Duft, dessen Zielgruppe seit Jahrzehnten Männer sind, die stärkste Gradwanderung erlebt. Denn in seinen Anfangstagen war Old Spice tatsächlich ein Frauenparfüm. 1937 wurde es als „Early American Old Spice“, durch die Shulton Company lanciert – eine ganze Serie bestehend unter anderem aus Duftwasser, Seife und Badesalz. Nachdem das erfolgreich gewesen war, schob Shulton ein Jahr später eine Männerserie nach.

Bloß: Nach heutigem Wissensstand war die olfaktorisch nur in Nuancen verändert, um etwas maskuliner zu riechen. Stärker war eher die Verpackungsänderung. Die setzte nun auf Segelschiffe, statt florale Muster. Der Erfolg stellte sich prompt ein: Die Männerlinie verkaufte sich noch wesentlich besser.

An diesem Punkt war Old Spice ein hocherfolgreicher Duft. Ob er aber zu einem globalen Kult geworden wäre, ist fraglich. Der Hauptgrund dafür war der Zweite Weltkrieg: Shulton wurde damals Auftragnehmer des US-Militärs. Dadurch wurden Old-Spice-Flaschen als Rasierwasser standardmäßig in den Körperpflegesets der Soldaten ausgegeben. Auf diese Weise wurde Old Spice in vielen Ländern zum „Smell of Freedom“, da die US-Soldaten danach rochen.

Dass Old Spice (seit 1990 im Besitz von Procter & Gamble) in den 2010ern dann auch noch eine hocherfolgreiche, virale Werbekampagne lancierte („The Man your Man could smell like“), gab dem Duft einen zusätzlichen Schub.

Die 501 Jeans von Levi’s (seit 1873)

Wir kommen zum mit Abstand ältesten Vertreter dieses Artikels. Und eigentlich einem Stück, dessen Erfindung nicht nur ein Modell, sondern eine ganze Gattung begründete: 1873 bekam der seit 20 Jahren in San Francisco residierende und dort Arbeitskleidung verkaufende Einwanderer Levi Strauss zusammen mit seinem Partner Jacob Davis das US-Patent 139.121 zugesprochen. Eine Hose aus grobem Stoff, als „Waist Overalls“ bezeichnet – also sinngemäß übersetzt eine nur bis zu den Hüften reichende (Latz-)Hose, die über normalen Hosen getragen werden sollte. Die Zielgruppe: Goldschürfer, Eisenbahner und andere hart körperlich arbeitende Menschen. Konkret ging es in dem Patent um die Methode, Taschen und Co. durch Nieten zu verstärken, um Ausreißen zu verhindern.  

Damit hatten Strauss und Davis prinzipiell die Jeans erfunden. Wer nun allerdings glaubt, dass das bereits eine 501 nach heutigem Verständnis war, der irrt. Denn die Hose war braun. Erst 1880 folgte ein blaues Modell. Dessen 1886 lancierter Nachfolger hatte bereits alle wichtigen Details, wobei die Stücke noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts nur eine Gesäßtasche hatten:

  • Nieten für die Taschen und eine im Schritt, die das untere Ende der Knopfleiste verstärkte;
  • Ein geknöpfter Hosenschlitz;
  • Eine kleine Tasche oberhalb der rechten Beintasche für Taschenuhren;
  • Ziernähte.

Für lange Zeit hatten die Hosen zudem hinten einen Riegel zur Weitenverstellung, keine Gürtelschlaufen (erst ab 1922), dafür aber zusätzliche Knöpfe zum Anknöpfen von Hosenträgern.

1890 kam dann der wichtigste Schritt: Levi’s vergab erstmals Nummern für seine Modelle – wobei unbekannt ist, warum die eigentlich erste Hose als 501 bezeichnet wurde. Levi’s selbst erklärt heute, dass das Erdbeben 1906 in San Francisco zu viele Unterlagen vernichtete, sodass der Grund nicht mehr nachvollziehbar sei.Zwar muss unterstrichen werden, dass die 501 seitdem einige Wandlungen mitmachte. So passte sich die Schnittweite immer wieder modischen Trends an; die Hosenträgerknöpfe und der Verstellriegel verschwanden, jedoch blieb die Hose im Kern gleich.

Übrigens:

  • Erst 1954 wurde die erste Levi’s mit Reißverschluss lanciert;
  • Erst 1960 wurden die Hosen auch offiziell nicht mehr als Overalls, sondern Jeans bezeichnet;

Und erst ein Jahr darauf lagen in den Regalen die ersten (optional) vorgewaschenen 501er. Zuvor mussten die Stücke grundsätzlich eine Nummer größer gekauft werden, da sie während der ersten Waschgänge einliefen – was noch Jahrzehnte später in einem berühmt gewordenen Spot thematisiert wurde.