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Letzte Aktualisierung: 28.02.2020

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Krifteler Galerie: Kirsten Wötzold

Vorboten des Frühlings

von Adolf Albus

(06.02.2020) Schon am Eingang ist alles anders. Ein freundlicher junger Mann - der Sohn der Künstlerin - verteilt Flyer mit den genau bezeichneten und aufgelisteten Exponaten seiner Mutter Kirsten Wötzold. Da kann jeder schon einmal einen Eindruck bekommen, was ihn im Krifteler Rathaus erwartet.

Foto: van de Loo
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Vielleicht geschah die Abbildung der Gemälde es ja auch aus weiser Voraussicht. Es ist bei der Vernissage am 29. Januar nämlich voll in der Halle. Da kann man kaum einen Blick auf die Werke erhaschen. „Das ist ja wie bei der van Gogh-Ausstellung letzte Woche“, weiß Dr. Frank Fichert, Vorsitzender des Kulturforums Kriftel, in seiner Ansprache zu berichten. Es herrscht in der Tat großer Andrang, viele Kunstinteressierte sind erschienen, um die rund 80 Kunstwerke auf sich wirken zu lassen.

 

Farbige Vielfalt

Es seien so viele Bilder wie noch nie, sodass  zusätzliche Stellwände herbeigeschafft werden mussten, so Bürgermeister Christian Seitz in seinem launigen Grußwort. Angesichts der vielen Farben sei jetzt schon der Frühling in den grauen Amtsalltag eingezogen. Und farbig sind sie tatsächlich, die Werke der am 7. August geborenen Künstlerin. „Sternzeichen Löwe“, erklärt sie, deswegen laute auch der Titel der Ausstellung „Eine Löwin mit Herz“. So heißt auch ihr Lieblingsbild. Es hängt selbstverständlich im Mittelpunkt der Ausstellung.

Kirsten Wötzold, die 1966 in Höchst das Licht der Welt erblickte, ist in Kriftel aufgewachsen und nach einigen Wohnortwechseln seit 1998 wieder dort. „Malen war schon in meiner Kindheit mein ständiger Begleiter“, erzählt sie. Schon in der Grundschule habe sie gerne gemalt und die Bilder ihrer Freundinnen beurteilt.

 

3D-Effekte

So richtig losgelegt hat sie aber erst 2015. „Ab dann erlernte ich verschiedene Techniken, zuerst die Acryltechnik und vor zwei Jahren ist die Ölmalerei hinzugekommen.“ Im heimischen „Atelier“ probiert sie gern Neues aus, dazu gehören Blei- und Buntstiftzeichnungen, Kohlearbeiten oder Pastellzeichnungen. Manchmal baut sie 3D-Effekte mit ein wie eine Spielzeuggondel im Gemälde „Winterfreuden“. Auch Seide, Chiffon oder Raster werden als Verfremdungseffekte gerne genutzt. Daran bleibt der Blick hängen, das fällt auf und gefällt den größtenteils weiblichen Besuchern: „Die Bilder sind cool“, „man fühlt die richtig“, „das strahlt Wärme aus“, lauten die begeisterten Kommentare. Diese positive Resonanz tut der Künstlerin bei der Premiere sichtlich gut.

 

Mut zum Malen

„Ich male, was in meinem Kopf und meinem Herzen ist“, betont Kirsten Wötzold. Dazu brauche sie kein künstlerisches Vorbild. Vermeer gefalle ihr, Monet ebenso, aber sie sei nun mal leidenschaftliche Autodidaktin und gehe mit offenen Augen durch die Welt. „Das Thema Herz gehört zu mir und in jedem meiner Bilder steckt sicher ein Teil davon“,  fasst sie ihre künstlerische Motivation zusammen. Frei nach dem Motto „Jeder ist ein Künstler“  zitiert sie in ihrer Rede den großen Picasso mit einem Ausspruch: „Wenn ich wüsste was Kunst ist, würde ich es für mich behalten.“

„Man muss den Mut haben, einfach mal anzufangen“, rät Wötzold den heimlichen Künstlern, die sich nicht trauen auszustellen. Und vielleicht eine resolute Schwester wie die ihre: „Wann stellst du endlich aus“, habe sie immer und immer wieder genervt, bis es nun endlich soweit gekommen sei. Jetzt freue sie sich, mit ihrer Kunst und ihrer ersten Ausstellung im Rathaus so positiv angenommen worden zu sein. Es sei immer ihr Traum gewesen, einmal in ihrer Heimatgemeinde auszustellen. Dieser gehe nun in Erfüllung. Dabei vergisst sie als Löwin mit Herz auch nicht Anke Heerda und Tanja Seitz zu erwähnen, die sie bei der Vorbereitung der Ausstellung tatkräftig unterstützt haben.

 

Innere Bilder

In den vergangenen Jahren habe sie um die 150 Kunstwerke in verschieden Techniken gestaltet. 80 davon hängen jetzt in den Rathausfluren. Vielfältig und facettenreich sind sie, wie sich jeder bei einem Rundgang überzeugen kann. Teilweise habe sie ein obsessives Verhältnis zu Leinwand und Farbe entwickelt. Im Entstehungsprozess arbeite sie auch schon einmal die Nacht durch, gesteht die Künstlerin im Gespräch.  

Sie male gerne Porträts, erläutert sie, Menschen zeichne und male sie naturalistisch in Bleistift wie beispielsweise Ihre Kinder Sarah und Michael. Auch Tiere porträtiere sie gern, sei es in Acryl oder in Öl. Viele Motive nimmt sie aus fernen Ländern wie Afrika, Kuba oder Mauritius auf, aber auch das Meer, Gärten und Schottland sind dabei. Raffiniert präsentiert sich der „Kleine Buddha“, der - aus verschiedenen Farbfeldern komponiert - erst aus der Distanz als solcher zu erkennen ist.

Das kleinste Format misst 13 mal 18, das größte 120 mal 60 Zentimeter. Ein bunter Reigen, der dem Auge gut tut und die Betrachter inspiriert. Auf der Vernissage steht auf jedem der Stehtische im Foyer auf einer Ministaffelei ihr Bild der Löwin. Ob sie denn schon einmal in Afrika gewesen sei, drängt sich die Frage auf. Die Antwort kommt postwendend und lautet ganz einfach „Nein“. Karl May sei schließlich auch nie in den Ländern gewesen, über die er geschrieben habe. Was zähle, sei die innere Imagination eines Künstlers. Alexander van de Loo

Die Ausstellung ist bis zum 19. Februar zu den Sprechzeiten der Gemeindeverwaltung Kriftel anzuschauen.