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Letzte Aktualisierung: 15.10.2021

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Konjunktur: Stimmung erreicht Vorkrisenniveau

von Ilse Romahn

(12.10.2021) Mit einem Geschäftsklimaindex von 116 Punkten verbessert sich die Gesamtstimmung unter den Unternehmen im Bezirk der IHK Frankfurt am Main deutlich.

„Die regionale Konjunktur erreicht damit das Vorkrisenniveau. Die optimistischen Erwartungen zeigen zudem, dass die Wirtschaft auf eine dauerhafte Rückkehr zu weitgehender Normalität setzt“, sagt Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt am Main, anlässlich der Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. Mittlerweile schätzen 82 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend ein und nur noch 18 Prozent als schlecht. Der positive Trend der Vorumfrage im Frühsommer 2021 wird damit fortgesetzt. Auch die Einschätzung der künftigen Entwicklung reiht sich hier ein: Nur noch 15 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung der Lage. In der Vorumfrage waren es noch 21 Prozent, vor einem Jahr sogar mehr als jedes vierte Unternehmen.

Das Branchenbild zeigt weiterhin große Unterschiede in der Stimmungslage. So ist zum Beispiel die Stimmung in der Industrie – trotz zunehmender Versorgungsengpässe durch gestörte Lieferketten – sowie bei den Banken, Versicherern und Finanzdienstleistern erneut sehr gut, während sie im Gastgewerbe und im Einzelhandel weiterhin schlecht ist. Parallel hat sich die Stimmung aber auch in den durch die Pandemie besonders betroffenen Branchen, ausgehend von einem niedrigen Niveau, deutlich aufgehellt. Die positive Entwicklung wird damit erfreulicherweise nicht mehr nur von einzelnen, sondern von allen Branchen getragen. Dies spiegelt sich auch in den Angaben zur aktuellen Finanzlage wider. Während im Frühsommer noch 21 Prozent der Betriebe von Liquiditätsengpässen berichteten, sind es nun mit 14 Prozent spürbar weniger.

Beflügelt von der wachstumsorientierten Stimmung erhöht sich die Bereitschaft, Investitionen zu tätigen. Allzu große Investitionsschübe sind mit einem Investitionssaldo von sechs Punkten in nächster Zeit aber nicht zu erwarten. Er erreicht damit aber erstmals wieder das Vorkrisenniveau. Die Betriebe wollen auch vermehrt neue Mitarbeiter einstellen. Mit einem Beschäftigungssaldo von zwölf Punkten wird das Vor-Corona-Niveau (sieben Punkte) sogar übertroffen. Mit der Normalisierung der wirtschaftlichen Tätigkeit gewinnt auch das Thema „Fachkräftemangel“ wieder an Bedeutung. Dieser wird nun bereits wieder von 45 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt (Vorumfrage: 34 Prozent).

Befragt nach den größten Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung nennen die Unternehmen erneut vor allem die unsicheren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (53 Prozent). In diesem Zusammenhang listen die Unternehmen eine ganze Fülle an Themen auf. Sehr häufig werden Rohstoffknappheit und Versorgungsengpässe von Vorprodukten – Stichwort Halbleiter – sowie eine Preissteigerung bei ebendiesen genannt. Hinzu kommen steigende Energiekosten und eine allgemein weiter anziehende Inflationsrate. Auch die Corona-Beschränkungen sowie die Dauerbrenner Bürokratie und Digitalisierung sind weiterhin ein großes Thema. Im Hinblick auf die Bundestagswahlen sehen die Unternehmen vor allem die Risiken einer höheren Steuer- und Abgabenlast. „Die neue Bundesregierung sollte in Zeiten der wirtschaftlichen Erholung nicht auf die Wachstumsbremse treten. Höhere Steuern und Abgaben wären ein falsches Signal und besonders jetzt sehr schädlich. Was wir jetzt brauchen, ist ein Investitionsschub mit allen dafür notwendigen Erleichterungen im Unternehmensalltag. Perspektivisch sollten auch die Corona-Beschränkungen weiter aufgehoben werden, wie es in anderen europäischen Ländern bereits der Fall ist“, so Caspar abschließend.

Zum Hintergrund: Die IHK Frankfurt am Main befragt dreimal jährlich rund 3.000 Mitgliedsunternehmen im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis sowie in der Stadt Frankfurt am Main zur aktuellen Lage und ihren Erwartungen hinsichtlich der konjunkturellen Entwicklung. Die aktuelle Umfrage wurde im Zeitraum vom 31. August 2021 bis zum 4. Oktober 2021 durchgeführt. Weitere Ergebnisse, auch aus den einzelnen Branchen, werden im Konjunkturbericht der IHK Frankfurt am Main erläutert, der Ende Oktober veröffentlicht wird.