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Letzte Aktualisierung: 01.04.2020

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Informationstafel für Frankfurter Widerstandskämpferin Lore Wolf

von Ilse Romahn

(13.03.2020) Kulturdezernentin Ina Hartwig hat eine Informationstafel in der Gerlachstraße 24 der Öffentlichkeit übergeben, die künftig an Lore Wolf (1900-1996) erinnern soll.

Die Widerstandskämpferin wurde an ihrem 120. Geburtstag an ihrem einstigen Wohnhaus geehrt. Hier wohnte sie zehn Jahre lang zwischen 1924 und 1934, bevor sie später in die Paul-Schwerin-Straße zog. Die Initiative ging von der Senioreninitiative Höchst aus. „Die Notwendigkeit der Arbeit und des Engagements von Lore Wolf besteht auch fast ein Vierteljahrhundert nach ihrem Tod unverändert fort. Heute sind wir gefragt, die Werte der Demokratie zu verteidigen. Wir sind aufgefordert, eine klare Haltung für die Demokratie und für Pluralismus zu zeigen, und uns gleichzeitig gegen Rechtsextremismus, gegen Antisemitismus, gegen Homophobie und gegen jede weitere Form der Diskriminierung zu positionieren“, sagt Hartwig.

Neben der Kulturdezernentin sprach Waltraud Beck von der Senioreninitiative Höchst, Annette Täubrich, eine Nichte von Wolf, verlas das Grußwort von Anja Bandas, der Enkelin der geehrten Widerstandskämpferin. Die Vertreterin des Ortsbeirats Susanne Serke und Bruni Freyeisen als Vertreterin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Naturfreunde und des Studienkreises Deutscher Widerstand sprachen ebenfalls zum Publikum.

Schon sehr früh engagierte sich Wolf politisch. So trat sie mit 15 Jahren in die Gewerkschaft ein und schloss sich 1919 der Sozialistischen Arbeiterjugend an. Ihre Kontakte zu Sozialdemokraten jener Zeit prägten und bestärkten sie, allen voran der Sozialdemokrat Karl Kirchner, Ehemann von Johanna Kirchner, und Bruno Asch, der spätere Bürgermeister von Höchst. Für beide arbeitete Wolf als Sekretärin.

Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage verlies Wolf zusammen mit ihrer Familie 1929 Deutschland und wanderte erst nach Amerika und später in die Sowjetunion aus, wo sie die Nachrichten aus der Heimat über den Machtantritt der Nationalsozialisten erreichten.

Bei einem Besuch ihrer Eltern in Frankfurt wurden Wolf Pass und Rückfahrschein abgenommen. Wie auf der Tafel zu lesen, wurde Wolf als Kommunistin und Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Hilfe“ ab 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt. Mit Flugblättern und Schriften engagierte sie sich gegen das verbrecherische System. 1934 floh sie in das damals als Mandatsgebiet des Völkerbundes autonome Saargebiet, 1935 weiter nach Frankreich und in die Schweiz. Im Exil unterstützte Wolf emigrierte NS-Verfolgte sowie deren Angehörige und schloss Freundschaft mit der Schriftstellerin Anna Seghers. 1940 wurde Wolf in Paris verraten und zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 erfolgte die Befreiung aus dem KZ Fuhlsbüttel. Für ihren Widerstand ehrte die Stadt Frankfurt am Main Wolf 1991 mit der Johanna-Kirchner-Medaille. (ffm)