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Letzte Aktualisierung: 03.04.2020

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Hohe Auszeichnungen für Corvers-Kauter

Das Weingut an die Spitze des Rheingaus katapultiert

von Karl-Heinz Stier

(20.03.2020) Es war für das Weingut ein überaus erfolgreiches Jahr, vielleicht möglicherweise sogar das erfolgreichste seiner Geschichte.

Bildergalerie
Die vier hohen Auszeichnungen für das Weingut Corvers-Kauter
Foto: Karl-Heinz Stier
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Die Zentrale des Weingutes an der Rheingauer Straße 129
Foto: Weingut Corvers
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Die "Weinmacher" Vater und Sohn (Dr. Matthias Covers und Sohn Philipp)
Foto: Weingut Corvers
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Eine von der „ Berg“-Lagen des Weingutes
Foto: Weingut Corvers
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Der Gartenausschank des Weingutes in Oestrich-Winkel
Foto: Weingut Corvers
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Kaum ein bekannter Weinführer, der 2019 die Winzerfamilie Corvers-Kauter in seine Belobigungen nicht aufgenommen hat - ob der Weinguide Gault & Millau, der das Weingut als „Aufsteiger des Jahres“ kürte, der Weinführer Eichelmann, der ihm die Auszeichnung für die beste Süßweinkollektion verlieh, VINUM, das Magazin für Weinkultur, das das Gut in die 4-Trauben-Liga hoch stufte oder Falstaff, das österreichische Wein– und Gourmetmagazin, das es als „Winzer des Jahres“ nominierte.

Die Weinkritiker waren von der Stilistik begeistert. Im Gault & Millau erhielt das Weingut 11 von 12 Weine 90 Punkte und mehr. Im VINUM waren es 14 von 18 Punkten. Im Eichelmann 13 von 16.  Ab 90 Punkte gelten Weine in der Beurteilung der Weinkritik als hervorragend.

Die Lobpreisungen kommen ja nicht von ungefähr, schließlich ist das Weingut Corvers-Kauter ein herausragendes Beispiel für die Weiterentwicklung, die der Rheingau an den Tag legt. „Wir freuen uns unglaublich über die Auszeichnungen. Wir haben an einigen Stellschrauben gedreht, um das Weingut weiter nach vorne zu bringen. Es scheint, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben“, so der Winzer und Oenologe Dr. Matthias Corvers im Interview in Oestrich-Winkel. Hinter den „Stellschrauben“ oder der „gnadenlosen Gradlinigkeit“, wie der renommierte Winzer seine Arbeit auch beschreibt, stehe für ihn bei allen absehbaren und unabsehbaren Veränderungen, die der Weinbau zeitlich erlebt, stets die Qualität im Vordergrund.

 Als feststellbare Resultate seien seine Weine „differenzierter und besser“ geworden. Die Ursache dafür liege in einer behutsamen Vergärung, ein Weingeschmack, der durch seinen Bodenstruktur geprägt wird (Terroir), die Umstellung auf Bio–Zertifizierung und andere umweltschonende Aktionen, neue Investitionen wie 2015 die Anschaffung einer Korbpresse, wie sie auch in der Champagne eingesetzt werden („Damit werden die Trauben langsamer und schonender gepresst“) und die Einrichtung eines Holzfasskellers, der insbesondere dem Ausbau des Weißweins vorbehalten ist und ihm noch mehr Würze und Tiefgang verleiht.

Auch befassen sich die Mitarbeiter des Weingutes mit Pflanzungen der Rebfläche, der Laubarbeit, dem Ausdünnen und der Begrünung. Schließlich sei auch der Zugang von 15 Hektar Reben des Weingutes Langwerth von Simmern mit seinen bekannten Weinbergs-Lagen Rauenthaler Baiken oder Erbacher Marcobrunnen von Bedeutung gewesen. Als Pachtflächen ergänzen sie die eigenen „Berg“lagen in Rüdesheim wie Berg Schlossberg, Berg Rottland, Berg Roseneck sowie den Höllenberg in Assmannshausen. Neben den hochgelobten Rieslingen finden besonders die nach burgundischen Methoden vinifizierten Pinot Noirs Anerkennung.

Wenn auch der Riesling mit 80 Prozent Anbaufläche nach wie vor die Hauptrolle spielt und der Spätburgunder als Pinot Noir Richtung eleganter wirkt (15 Prozent), so flirtet Dr. Corvers auch mit dem Silvaner („Er ist eine Alternative zum Riesling“), von dem er auch noch eine Anbaufläche von einem Hektar gepachtet hat. Diese Rebsorte sei vor 250 Jahren auch schon mal im Rheingau heimisch geworden, aber dann immer stärker in den Hintergrund gerückt. In Österreich wurde er vor 250 Jahren als Österreichischer Riesling angepflanzt.

Zu Dr. Covers  Anbauphilosophie gehört es, der „Rebsorte die letzten Geheimnisse abzugucken, und mehr daran zu denken, was mit ihr passieren könnte - wie zum Beispiel die Auswirkungen der extremen Witterungen auf die Trauben.

Seine Kunden sind vorwiegend Privatpersonen und der deutsche Fachhandel. Schaut man in die Preislisten so liegen die Preise für Flaschenweise zwischen 9 Euro (Gutsweine) und rund 200 Euro (Trockenbeerenauslese). Der Hauptabsatz liege zwischen 9 und 15 Euro. „Uns ist es wichtig, dass die Kunden die Unterschiede zwischen den Qualitätsstufen deutlich schmecken. Dafür ernten wir jeden Weinberg auch  mehrere Male“, unterstrich Dr. Corvers.

Doch wie schafft er das alles mit seinen 32 Hektar Anbaufläche? Wichtig ist für ihn, wie das Weingut fortgeführt wird. Und da hat er mit seinem Sohn Philipp großes Glück, der einmal bei der Weinerzeugung in seine Fußstapfen treten wird. Er studierte Weinbau und Oenologie in Geisenheim und macht nach dem Bachelor in diesem Jahr mit seinen 23 Jahren seinen Master. Außerdem sammelte er Erfahrungen in Neuseeland und dem Burgund und arbeitet mit seinem Vater daran, die Qualität der eigenen Weine weiter zu steigern.  Seine Schwester Patricia studiert Eventmanagement und unterstützt ihre Mutter Brigitte bei der Gastronomie in der Rheingaustraße 129.

Was Winzer Dr. Covers besonders freut, ist nicht nur, dass sich der Umsatz nunmehr  bei doppelter Anbaufläche auch verdoppelt hat, sondern sich mittlerweile die Exportzahlen von 30 auf 35 Prozent erhöht haben, aber auch die Absicht, höchste Qualität in die Flasche zu bringen. „Die vier hohen Auszeichnungen sind für uns ein großer Antrieb noch besser zu werden. Dabei ist stets zu bedenken, dass Weinkultur und Genusskultur immer zusammen gehören“, betonte das Vater-Sohn-Duo.