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Letzte Aktualisierung: 06.12.2019

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Historische Schätze neu entdeckt

Archäologisches Museum mit zwei Veröffentlichungen

von Karl-Heinz Stier

(29.11.2019) Zwei neue Bücher gleichzeitig hat das Archäologische Museum in Frankfurt auf den Markt gebracht. Zum einen das Werk „Der Tassilo-Liutpirc-Kelch im Stift Kremsmünster“ in Oberösterreich und die zweite Auflage von „Römer in Frankfurt“.

Bildergalerie
Der Tassilo-Luitpirc-Kelch vor dem Stift Kremsmünster
Foto: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz V. Isenhardt
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Sein Buchtitel
Foto: Karl-Heinz Stier
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Bei dem ersteren Oeuvre mit seinen fast 500 Seiten geht es um ein kostbares Gefäß des frühen Mittelalters, ein überreich verzierter und prunkvoller beschrifteter Abendmahlskelch, der von Baiernherzog Tassilo III. und seiner Gemahlin, der Langobarden-Prinzessin Liutpirc, gestiftet wurde. Das vor etwa 1250 Jahren geschaffene singuläre Kunstwerk, das im Stift  Kremsmünster aufbewahrt wird, gilt als Symbol des alten Baierns und Zeugnis einer künstlerischen Verschmelzung mediterraner und irisch-angelsächsischer Kunst.

Bisher wusste man wenig über die Herstellung, Authentizität und ursprüngliche Funktion des Kelches. Mittlerweile hat in einem fünfjährigen Forschungsobjekt das Archäologische Museum Frankfurt, das Stift Kremsmünster und das Germanische Zentralmuseum in Mainz den altehrwürdigen Kelch eingehend und detailliert untersucht. So beleuchten u.a. Historiker das historische Umfeld des Kelches und seine Stifter. Leiter des gesamten  Forschungsprojektes ist der ehemalige Frankfurter Museumsdirektor Prof. Dr. Egon Wamers (bis Juli 2017).

Die zweite Beziehung zu Frankfurt ist, dass im Sommer 794 auf der großen Synode in der Kaiserpfalz Franconofurd Herzog Tassilo, der letzte Regent aus dem bairischen Geschlecht der Agilolfinger, in einem Schauprozess von seinem jüngeren Vetter, dem Frankenkönig Karl (später dem Großen) abgesetzt und aller Ämter enthoben wurde. Zugleich verzichtete er auf seinen Eigenbesitz und auf alle Rechtsansprüche für sich und seine Söhne und Töchter.

Die wesentlichen Ergebnisse der Forschung:
Der heutige Zustand des Kelches sowie seine Verzierung sind weitgehend original und authentisch. Er wurde aus bergfrischem, aber nicht lokalisiertem Kupfer getrieben sowie silberplattiert nielliert und flächig vergoldet. Nach den noch erhaltenen Bild– und Schriftzeugnissen ist seine Existenz im Stift Kremsmünster erstmals sicher für 1325 nachgewiesen. Er ist ein Werk der Hofwerkstätten des Herzog Tassilos „in der insularen Kunstprovinz im  Salzburger Raum“.

Den überwiegenden Teil der Finanzierung trägt das Archäologische Museum Frankfurt und die Stadt Frankfurt über das Kulturdezernat von Dr. Ina Hartwig. Am Druck des Bandes beteiligte sich das Stift Kremsmünster mit einem Zuschuss.

Das zweite Buch ist der Band „Römer in Frankfurt“. Es ist die zweite erweiterte Auflage, bedingt durch die große Nachfrage bereits nach zwei Jahren des Erscheinens. Sie weist auf das große Interesse der Öffentlichkeit für diese Epoche der Frankfurter Stadtgeschichte hin. Zusätzlich enthält die neue Auflage einen Exkurs zu den jüngsten Archäologischen Entdeckungen, die bei Ausgrabungen des Frankfurter Denkmalamtes in Heddernheim und Praunheim zutage kamen und präsentiert darüber hinaus ein neues Leitbild der ersten römischen Bebauung auf dem Domhügel in der Frankfurter Altstadt.

Peter Fasold, der Autor des Buches, langjähriger Kustos der Römischen Abteilung und ehemaliger stellvertretender Leiter des Museums, widmete sich der Erforschung der Römerzeit im Frankfurter Raum. Zu seinen Publikationen gehören insbesondere Abhandlungen zur antiken Stadt Nida und ihren Bestattungsplätzen und zu den aufsehenerregenden Funden in Höchst und Zeilsheim .