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Letzte Aktualisierung: 20.05.2022

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Große Nachfrage nach Fortbildungen zu Medizinischem Cannabis

Gesundheitsdezernent Majer erwartet frischen Wind durch Legalisierung

von Ilse Romahn

(09.05.2022) Wie läuft die Verschreibung von Medizinischem Cannabis in der Arztpraxis? Welche Medikamente stehen zur Verfügung? Wie werden sie zubereitet und dosiert? Für welche Patientinnen und Patienten kommen sie infrage? Wie groß ist das Risiko für Ärztinnen und Ärzte, von Krankenkassen in Regress genommen zu werden?

Fünf Jahre nach der gesetzlichen Zulassung von Cannabis als Arzneimittel auf Kassenrezept sind viele Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker noch immer unsicher und zurückhaltend, Medizinisches Cannabis zu verschreiben. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach den Online-Fortbildungen, die das Drogenreferat Frankfurt über das Projekt Medizinisches Cannabis halbjährlich für Ärztinnen und Ärzte sowie Pharmazeutinnen und Pharmazeuten anbietet.
 
„Im Moment stehen etwa 30 Personen auf der Warteliste für eine Fortbildung“, sagt Philipp Hiller, der als Mitarbeiter des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung in Hamburg und des Drogenreferats Frankfurt gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeitenden das Projekt Medizinisches Cannabis in Frankfurt umsetzt. Die Anfragen kommen längst nicht mehr nur aus Frankfurt: Deutschlandweit fragen Interessierte nach den praxisnahen Informations- und Fortbildungsangeboten, die von den Teilnehmenden bei der Evaluationsbefragung sehr positiv bewertet werden.
 
Frankfurter Netzwerk von Ärztinnen und Ärzten als Diskussionsplattform
Gleiches gilt für die Netzwerktreffen von Ärztinnen und Ärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern aus Frankfurt und Umgebung, zu denen Hiller sowie seine Kolleginnen und Kollegen im Zwei-Monats-Rhythmus einladen: zum Erfahrungsaustausch und als Diskussionsplattform für alle Fragen rund um Verschreibung, rechtliche Vorgaben oder die Versorgungssituation von Patientinnen und Patienten. Grundlage der Fortbildungen und des Netzwerks waren umfangreiche Befragungen von Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten als auch Studien zur Versorgungssituation, die ebenfalls Bestandteile des Frankfurter Projekts sind.
 
„Der Informationsbedarf ist groß – auch aus dem kranken- und altenpflegerischen Bereich“, bestätigt die Leiterin des Drogenreferats Regina Ernst. Im Juni wird es deshalb erstmals auch eine Online-Fortbildung speziell für Altenpflegekräfte zum Thema Medizinisches Cannabis geben. Anmeldungen sind möglich unter dem Link medcan-altenhilfe.zis-hamburg.de.
 
Auch der regelmäßig erscheinende Newsletter zu Medizinischem Cannabis sowie die Informationen auf der Projektwebsite wenden sich längst an einen erweiterten Kreis von Berufs- und Betroffenengruppen. Weitere Informationen finden sich unter medizinisches-cannabis-frankfurt.de/patientinnen/newsletter.
 
Hoffnung auf Legalisierung von Cannabis
Trotz des zunehmenden Interesses aus den verschiedensten medizinischen Fachkreisen ist die reale Versorgungssituation von Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen auch in Frankfurt noch unbefriedigend, beklagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer. Er hofft, dass die von der Bundesregierung geplante Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum auch Bewegung beim Thema Medizinisches Cannabis bringt: „Wenn der Ruch des Illegalen entfällt, werden sicher mehr schwerkranke Menschen, für die Cannabis ein wirksames Medikament sein könnte, verstärkt bei ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten nachfragen.“ Für Majer ist entscheidend, dass sich Medizinerinnen und Mediziner nicht vom Thema Medizinisches Cannabis zurückziehen, wenn es Marihuana legal zu kaufen gibt. „Es handelt sich in der Regel um schwerkranke Menschen. Sie dürfen keinesfalls auf eine Selbstmedikation zurückgeworfen werden.“

Weitere Informationen gibt es unter medizinisches-cannabis-frankfurt.de.(ffm)