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Letzte Aktualisierung: 27.02.2021

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Frankfurter Magistrat beschließt Digitalisierungsstrategie

Stadtrat Schneider: Wichtiger Schritt auf dem Weg zur ‚Smart City‘

von Ilse Romahn

(15.02.2021) Mit dem Beschluss einer umfassenden Digitalisierungsstrategie hat der Magistrat am 12. Februar die Weichen für die Entwicklung der Stadt Frankfurt am Main zur „Smart City“ gestellt.

Das von Stadtrat Jan Schneider vorgelegte Konzept, das jetzt der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung und Beschlussfassung zugeht, bildet den Rahmen für die Digitalisierungs-Aktivitäten der Stadtverwaltung und für die Zusammenarbeit mit externen Partnerinnen und Partnern. Ziel ist es, durch den Einsatz von intelligenten technischen Lösungen die Lebensqualität in Frankfurt nachhaltig zu verbessern.

„Der Beschluss ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur intelligent vernetzten Stadt“, sagte Schneider. „Digitalisierung ist ein Thema, das alle Bereiche des täglichen Lebens – von der Verkehrssteuerung über die Energieversorgung bis hin zur Wohnungswirtschaft – durchdringt und bei der alle Beteiligten ihren Beitrag leisten müssen. Deshalb ist die Vernetzung der verschiedenen Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Wichtig ist, dass wir das Digitale immer mitdenken. Bei allen Vorhaben muss die Stadt prüfen, ob es für den Aufgabenbereich digitale Lösungen gibt oder einen Partner, der schon etwas in die Richtung macht.“

Das Konzept enthält nicht nur Vorschläge für den organisatorischen Rahmen, sondern auch konkrete Projekte, von denen einige bereits in der Umsetzung sind. „Mir geht es darum zu zeigen, welche Vorteile die Digitalisierung für Bürgerinnen und Bürger und für die Wirtschaft hat“, sagte Schneider. Priorität bei der Umsetzung haben technische Querschnittsprojekte wie eine urbane Datenplattform, die Entwicklung eines Pilotquartiers Smart City und der Aufbau eines Netzes von Sensoren zum Datenaustausch. Sie sind die Basis für zahlreiche Anwendungen. Dabei kann bereits auf Vorarbeiten zurückgegriffen werden: Der Energieversorger Mainova zum Beispiel baut ein flächendeckendes Netz mit LoRaWAN-Technologie (Long Range Wide Area Network) seit gut einem Jahr auf; im Frühjahr 2021 soll es fertig sein.

„Dieses Netz ist Grundlage für verschiedene Anwendungsfälle: Wasser- und Wärmezähler lassen sich aus der Ferne auslesen, Bäume werden in Abhängigkeit von der Feuchtigkeit des Bodens bewässert, Parkplätze übers Smartphone reserviert und Abfalltonnen abgeholt, sobald sie voll sind“, erläuterte Schneider. „Die Beispiele zeigen, dass die ‚Smart City‘ Einsparungen bei Betriebskosten und Ressourcen und eine Entlastung der Umwelt bringt. Das bedeutet mehr Komfort für den Alltag der Bevölkerung, aber auch eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts.“

Für die Umsetzung der Strategie sind zusätzliche Mittel und Personal nötig. Die externen Dienstleister, die bei der Erstellung des Konzeptes mitgewirkt haben, empfehlen auf der Basis der Erfahrung anderer Städte, zehn Stellen für die Stabsstelle Digitalisierung und drei Millionen Euro jährlich als Anschubfinanzierung für Projekte bereitzustellen. „Aber wegen der angespannten finanziellen Lage habe ich zunächst nur fünf Stellen und einmalig zwei Millionen Euro beantragt“, sagte Schneider. Für die Umsetzung einzelner Projekte sollen zudem nach Möglichkeit Fördermittel von EU, Bund und Land Hessen beantragt werden.

Die Digitalisierungsstrategie wurde in einem umfangreichen Beteiligungsprozess erarbeitet. So konnten im Juni 2019 zunächst die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Online-Beteiligung mitteilen, in welchen Themenbereichen sie sich besonders positive Auswirkungen der Digitalisierung erhoffen. Auch die verschiedenen Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft wurden in unterschiedlichsten Formaten von Experteninterviews über Runde Tische zu verschiedenen Themenbereichen bis hin zu einer zentralen Veranstaltung mit rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv eingebunden. Diese Beteiligungsformate haben sich bewährt und sollen auch bei der Umsetzung der Digitalisierungsstrategie fortgeführt werden. (ffm)