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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Erfolgreiche achtmonatige Testphase

25 000 Personen haben an autonomer Busfahrt teilgenommen

von Karl-Heinz Stier

(04.06.2020) Eine erste Bilanz über den Einsatz von autonomen Fahrzeugen im Straßenverkehr zogen jetzt die beteiligten Verbände und Verbünde anlässlich der 700 Meter langen Testphase des Pilotprojekts EASY im Frankfurter Mainkai vom „Am Leonhardstor“ bis zum Eisernen Steg.

Bildergalerie
So sieht ein autonomer Bus EASY aus. Er fasst 6 Personen und zur Aufsicht einen Operator.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Einzelheiten über den Testablauf und die Zukunftsperspektiven gaben (v.l.n.r.) : Michael Rüffer VGF Geschäftsführer, Tom Reinhold von der traffiQ, RMV-Geschäftsführer Knut Ringat und Martin Blach, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kloster Eberbach.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Und so sieht der EASY von vorne aus.
Foto: Karl-Heinz Stier
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„Mehr als 25 000 Personen haben seit dem vergangenen September unsere autonomen Fahrzeuge ausprobiert. Es erstrecke sich zusammengenommen über 6 600 Kilometer“, sagte der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) Prof. Knut Ringat und fuhr fort: „Es gibt weltweit kein anderes Testfeld, in dem in so kurzer Zeit so viele Fahrgäste befördert wurden - das macht uns stolz“.

Die zwei Testfahrzeuge, die am Frankfurter Mainufer zum Einsatz kamen, boten jeweils 6 Sitzplätze. Sie fahren völlig selbstständig mit einer Geschwindigkeit bis zu 15 Kilometern. Ein Operator, der im Notfall jederzeit eingreifen kann, war immer an Bord.

„Die meisten Menschen sind aus Neugier zugestiegen“, sagte Tom Reinhold, Geschäftsführer der städtischen Nahverkehrsgesellschaft traffiQ. „Laut einer Umfrage berichteten 93 Prozent, dass sie während der Fahrt sich sehr sicher gefühlt haben. 94 Prozent würden sogar ohne Operator mitfahren.“

Und die dritte beteiligte  Gesellschaft ist die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), deren Geschäftsführer Michael Rüffer bekannte: „Wir sind, was die technische Seite angeht, in der Lage, auch in Zukunft in Frankfurt autonome Fahrzeuge zu betreiben. Wir konnten hier zeigen, welche Innovationskraft im öffentlichen Verkehr steckt und welche Entwicklungschancen sich für uns auftun. Wir sind jedenfalls auf dem richtigen Weg“.

Um eigene Erfahrungen mit dem Betrieb autonomer Fahrzeuge sammeln zu können, verfügt der RMV über vier Fahrzeuge - jeweils zwei der Hersteller EASYMile und Navja. Ein Fahrzeug kostet nach Angaben von Knut Ringat  -  gebraucht - etwa 100 000 Euro. Der Geschäftsführer des RMV gab gleichzeitig bekannt, dass der Frankfurter Versuch der Beginn eines neuen Kapitels sein werde. Und dieses Kapitel spiele auf dem Areal des Klosters Eberbach in Eltville.

In einem sechsmonatigen Versuch solle herausgefunden werden, ob autonome Fahrzeuge auch für die touristische Nutzung interessant sein können. Wie Martin Blach, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kloster Eberbach, mitteilte, besuchen pro Jahr 350 000 Menschen das Kloster und seine Veranstaltungen. Die Strecke werde in nächster Zeit ausgemessen. Sie ist ein Kilometer lang und nicht wie in Frankfurt durchgehend eben. „Wir sind stolz, dass der RMV und die VGF uns mit ins Boot genommen haben“. VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer schloss nicht aus, dass vielleicht die Busse auch schneller und möglicherweise ohne Operator fahren könnten.

Ringat will auch Testversuche im ländlichen Raum starten, wo es noch keinen öffentlichen Verkehr gibt – also in kleineren und mittleren Städten. Auch mit einem „Verkehr auf Abruf“ als Ergänzung liebäugelte der RMV-Geschäftsführer. Insgesamt rechnet er mit einer Bewährungszeit des Verkehrssystems von 15 bis 20 Jahren.