Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 25.01.2021

Werbung
Werbung

Ein Jahr mit außergewöhnlichen Herausforderungen endet: Arbeitslosigkeit geht nochmals leicht zurück

von Ilse Romahn

(06.01.2021) Trotz der anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie ist die Gesamtzahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen in Frankfurt am Main auch zum Jahresabschluss und somit den vierten Monat in Folge wieder etwas zurückgegangen.

Im Jahresverlauf meldeten die Unternehmen 25 Prozent weniger freie Stellen als im Jahr 2019. Auch die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wurde durch das Virus gebremst.  

Im Dezember 2020 waren in Frankfurt am Main 29.461 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 292 Menschen weniger (-1,0 Prozent) als im November. Fünf Monate lang war die Arbeitslosigkeit angestiegen, am deutlichsten in der Anfangszeit während des ersten durch die Corona-Pandemie bedingten Lockdowns. Der Spitzenwert des Jahres wurde im Juli mit 31.563 erreicht. Seit September ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen wieder etwas zurückgegangen und unter die 30.000er Marke gefallen. Gegenüber Dezember 2019 waren aktuell 8.688 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Dies entspricht einem Anstieg um 41,8 Prozent. 

Wie die Pandemie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Gesamtjahr beeinflusst hat, zeigen die Jahresdurchschnittswerte: Während im Jahr 2019 im Schnitt 20.486 Menschen arbeitslos gemeldet waren, lag der Jahresdurchschnitt 2020 bei 28.019 Menschen.
Die Arbeitslosenquote ging im Dezember nochmals um 0,1 Prozentpunkte zurück und liegt nun bei 7,0 Prozent. Vor einem Jahr hatte die Quote nach einem Anstieg gegenüber November bei genau 5,0 Prozent gelegen. 

„Seit einem dreiviertel Jahr hat die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben und somit auch den Frankfurter Arbeitsmarkt auf den Kopf gestellt“, fasst Björn Krienke, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main, die Ereignisse des Jahres 2020 zusammen. „Seitdem hat es deutliche Abweichungen zum durchweg positiven Trend der letzten Jahre gegeben: Es kam zu Verunsicherungen und Verzögerungen bei Einstellungsverfahren in Arbeit und Ausbildung, die Stellenmeldungen der Unternehmen gingen zurück, die Arbeitslosigkeit stieg an und auch der bis dahin kontinuierliche Beschäftigungsanstieg in Frankfurt ist gebremst worden. Die erneute Zuspitzung der Infektionslage und der seit der Vorweihnachtszeit andauernde zweite Lockdown haben viele Wirtschaftsbranchen wiederholt hart getroffen, darunter besonders Gastronomie, Hotellerie und große Teile des Einzelhandels. Nach wie vor hilft der Einsatz des Kurzarbeitergeldes in vielen Fällen, dass Unternehmen nicht in die Insolvenz gehen müssen und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Vor diesem Hintergrund zeigt der erneute Anstieg der Anzeigen in Kurzarbeit von November und Dezember, dass das Instrument auch in der aktuellen Situation wirkt und in vielen Fällen Arbeitslosigkeit weiterhin vermieden werden konnte und kann. Auch ein erneuter Anstieg der Arbeitslosigkeit ist zum Jahresende hin ausgeblieben, sodass wir im Rahmen der angespannten Gesamtsituation auch mit guten Nachrichten in das neue Jahr starten können.“    

Der erneute leichte Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat zeigte sich mit Ausnahme der über 50-Jährigen bei allen Personengruppen - Frauen, Männern, den unter 25-Jährigen und den Menschen ohne deutschen Pass. Den prozentual höchsten Rückgang gab es bei den jungen Menschen unter 25 Jahren (-3,3 Prozent oder -83 junge Menschen).

In den beiden Rechtskreisen war die Entwicklung im Dezember unterschiedlich
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), für den die Agentur für Arbeit Frankfurt in der Stadt zuständig ist, erhöhte sich die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen seit November leicht um 167 (+1,3 Prozent) auf 13.005 Menschen. Das waren 5.470 mehr (+72,6 Prozent) als vor einem Jahr.

In der Grundsicherung (SGB II), für die das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist, waren im Dezember 16.456 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 459 weniger als im Vormonat (-2,7 Prozent) und 3.218 Menschen mehr (+24,3 Prozent) als vor einem Jahr.

Auch in der Grundsicherung waren im Jahr 2020 durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie insgesamt mehr Familien und Haushalte auf finanzielle Leistungen angewiesen als im Vorjahr. Seit September ist die Zahl der sogenannten Bedarfsgemeinschaften wieder rückläufig, ein Trend, der sich auch im Dezember fortsetzte.

„Auch zum Jahresende ist die Zahl der Menschen, die auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind, weiter zurückgegangen“, berichtet Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters Frankfurt am Main. „Bei den Bedarfsgemeinschaften, also Gemeinschaften oder Familien, die in einem gemeinsamen Hausstand leben, waren im Dezember rund 70 Haushalte weniger auf finanzielle Hilfen des Jobcenters Frankfurt am Main angewiesen. Die Arbeitslosenzahl in der Grundsicherung ging um etwa 460 Menschen zurück. Dennoch haben die Menschen in der Corona-Pandemie im Jahr 2020 mehr als doppelt so viele Anträge (ca. 17.000) auf Hilfeleistungen SGB II gestellt wie im Vorjahr 2019 (ca. 7.500).“ 

25 Prozent weniger Stellenmeldungen als im Vorjahr
Im Dezember meldeten die Unternehmen 1.630 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. Das waren wieder 115 Stellen mehr (+7,6 Prozent) als im November und 329 Stellen weniger (-16,8 Prozent) als vor einem Jahr. Die meisten Stellenzugänge gab es für Berufe im Dialogmarketing, Berufe des Objekt-, Werte- und Personenschutzes, Berufe in der Informatik, für medizinische Fachangestellte, für Büro- und Sekretariatskräfte sowie für Berufe der kaufmännischen und technischen Betriebswirtschaft. Den starken Einfluss der Corona-Pandemie auf die Stellenentwicklung des Jahres 2020 macht der Vorjahresvergleich sichtbar: Von Januar bis einschließlich Dezember 2020 meldeten die Unternehmen der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main insgesamt 16.916 offene Stellen. Das waren 25 Prozent weniger als im Jahr 2019 (- 5.625 Stellen).  Mit insgesamt 6.165 offenen Stellen war der Stellenbestand im Dezember etwas höher als im Vormonat (+ 81 Stellen oder +1,3 Prozent) und deutlich niedriger als vor einem Jahr (-3.492 Stellen oder -36,2 Prozent).

Aktueller Stand zum Thema Kurzarbeit in Frankfurt am Main
Seit Ausbruch der Corona-Pandemie konnten viele Betriebe mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes ihre Belegschaft halten und so den Verlust von Arbeitsplätzen vermeiden. Nach zuvor monatlich rückläufigen Zahlen, gingen im November erstmals wieder mehr Anzeigen für Kurzarbeit ein. Dieser Trend hat sich auch im Dezember in etwa auf dem Niveau des Vormonats fortgesetzt. Insgesamt zeigten nach vorläufigen Erhebungen 625 Betriebe im Dezember und 678 Betriebe im November neu Kurzarbeit an.  Damit bewegt sich die Zahl weiterhin über dem Niveau von Juni 2020, als 380 Betriebe Kurzarbeit anzeigten. Vierstellige Spitzenwerte hatte es in der Anfangszeit der Corona-Pandemie von Mitte März bis Mai gegeben. Insgesamt prüfte die Arbeitsagentur Frankfurt von Mitte März bis Dezember 11.991 Unternehmensanzeigen mit möglicher Kurzarbeit für 217.366 Personen.  

Wie viele Betriebe tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann rückwirkend nach drei Monaten ausgewiesen werden, da die Betriebe so lange Zeit haben, ihre Abrechnungslisten einzureichen. Aktuelle Hochrechnungen für tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegen nun für die Monate März bis August vor.

Die Entwicklung der letzten drei Monate
Demnach waren im Juni 5.715 Betriebe mit 116.167 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, im Juli 4.786 Betriebe mit 101.531 Beschäftigten und im Monat August 4.350 Betriebe mit 91.753 Beschäftigten betroffen.

In welchen Wirtschaftsbereichen Kurzarbeit realisiert wurde, kann jetzt für den Monat Juni ausgewiesen werden. Gemessen an der Anzahl der Betriebe waren die Anteile realisierter Kurzarbeit in folgenden Branchen exemplarisch am größten:
Gastronomie - 969 Betriebe für 9.358 Beschäftigte
Einzelhandel - 522 Betriebe für 4.415 Beschäftigte
Verkehr und Lagerei – 558 Betriebe für 48.182 Beschäftigte
Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen – 852 Unternehmen für 11.083 Beschäftigte.  

Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (Stichtag 31.06.2020)
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am Arbeitsort Frankfurt am Main hat sich zum Stichtag 30. Juni 2020 auf einem hohen Niveau gehalten. Insgesamt gingen 602.197 Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Stadt nach. Nach den zuletzt für März 2020 erhobenen Daten zeigte sich im Juni 2020 erstmals, dass die Corona-Pandemie auch die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gebremst hat. Nachdem die Beschäftigung im jeweiligen Vorjahresvergleich zuvor kontinuierlich angestiegen war, verharrte sie nun mit einem leichten Minus auf dem Niveau des Vorjahres.    

„Dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung trotz der pandemiebedingten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt im Juni ein hohes Niveau halten konnte, verdanken wir in erster Linie dem Instrument der Kurzarbeit“, kommentiert Björn Krienke. „Gegenüber dem Vorjahr waren 231 Menschen weniger sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein minimaler Rückgang, der sich nicht in einer prozentualen Veränderung niederschlägt.“

www.arbeitsagentur.de/frankfurt-am-main