Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 15.10.2021

Werbung
Werbung

Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe

Präsentiert in der Volksbühne am Großen Hirschgraben

von Ilse Romahn

(11.10.2021) Premiere von "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe" von Peter Hacks in der Volksbühne am Großen Hirschgraben ist am Samstag, 16. Oktober, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am 17. und 22. Oktober sowie am 10., 11. und 28. November. Mit Susanne Schäfer. Regie führt Hannes Hametner.

»Die Liebe, Stein, ist ein Messer, das zweie halten; sowie ich ja sagte, hielt Goethe das Heft in der Hand und ich die Klinge.«

Zur Inszenierung: 1786 verläßt Goethe nach zehn Jahren fluchtartig und kommentarlos den Weimarer Hof Richtung Italien und gibt damit Grund zu zahlreichen Spekulationen. Besonders seine Verbindung zu Charlotte von Stein rückt in das Interesse der Weimarer Öffentlichkeit. Auch ihr Ehemann Herr von Stein fordert von seiner Frau Rechenschaft über die überraschende Abreise Goethes und der verborgenen Gründe, die seiner Frau zugeschrieben werden.

Bühne frei: denn jetzt redet Charlotte von Stein.

Der Monolog des Dramatikers Peter Hacks, den er 1975 schrieb und der ein Jahr später gleichzeitig in Berlin und Dresden zwei Uraufführungen erlebte, gehörte in den den 70/80er Jahren zu den meist gespielten Stücken auf deutschsprachigen Bühnen in Ost und West. Die Kritiken überschlugen sich mit Formulierungen wie „brilliant, blendend, vollendet“ und Marcel Reich-Ranicki nahm das Stück in seinen Kanon der besten deutschsprachigen Werke auf. Die Figur der Frau von Stein zog zahlreiche der besten Schauspielerinnen in den Bann, die sich damit in die Herzen des Publikums spielten.

Im Zeitalter des #meToo - Gewitters befördert eine Wiederlektüre des fünfaktiken Dramas eine erstaunlich starke Frauenfigur zu Tage, die intellektuelle Schärfe mit Sinnlichkeit vereint und die einer Sprache mächtig ist, die ihr zwar ein Mann in den Mund gelegt hat, darum aber nicht minder die Geschichte einer Emanzipation erzählt. Und dies in mehrfacher Hinsicht. Die Emanzipation der Frau von ihrem Ehemann, vom Zwang der sozialen Zugehörigkeit und nicht zuletzt vom Genie-Kult um einen Herrn von Goethe. Was heute als Enthüllungsjournalismus in der Klatschpresse für Höchstauflagen sorgen würde, wirft im Drama, als sprachliche Bonmots aneinandergereiht, ein taghelles Licht auf den deutschen Klassiker, das ihn unerwartet in Szene setzt - und dabei eine Frau in neues Licht rückt, die von sich behauptet, dieses Genie erst geschaffen zu haben. Goethe erstrahlt als ein Produkt ihrer Raffinesse und gegenseitiger Liebe, die verborgen am Weimarer Hof zehn Jahre gewährt haben soll.

Es ist ein Fressen für eine Schauspielerin, die den Herrn von Goethe vorgesetzt bekommt und ihn vertilgen will. Es spricht für die Klugheit des Autors, dass Ihr, der Charlotte von Stein, dieser Bissen dann doch wohl im Halse stecken bleiben will… Der Vorhang zu - und alle Fragen offen?

Die gebürtige Frankfurter Schauspielerin Susanne Schäfer spielt diesen Monolog nun in unmittelbarer Nachbarschaft des Romantikmuseums und des Goethe - Hauses. Starke Frauenfiguren waren schon seit ihrer Zeit am Hamburger Schauspielhaus ihre Sache. Mit dem Regisseur Hannes Hametner setzt sie mit dieser Inszenierung die Zusammenarbeit an großen Frauenfiguren, darunter die Troerkönigin Hekabe und Cookie Close von Noah Haidle, fort. Dem Frankfurter Publikum ist sie durch ihre Auftritte in Film und Fernsehen sowie als Ensemblemitglied der Volksbühne am Großen Hirschgraben aus vielen Rollen bekannt.

Tickets unter (0180)6050400 und www.volksbuehne.net