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Letzte Aktualisierung: 20.01.2022

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Digitalisierung des fotografischen Nachlasses von Milli Bau im Weltkulturen Museum

Ermöglicht durch das Kulturdezernat

von Ilse Romahn

(29.11.2021) Dank des Digitalisierungsbudgets für die städtischen Kultureinrichtungen sieht sich das Weltkulturen Museum in der erfreulichen Lage, 5000 fotografische Objekte - dieser Umstand umfasst alle Dias der Sammlung Milli Bau - reinigen und digitalisieren zu können.

Innerhalb der Sammlung Visuelle Anthropologie des Weltkulturen Museums sticht der fotografische Nachlass einer besonderen Frau heraus: Milli Bau, 1906 in Darmstadt geboren, lebt ab 1932 mit ihrem Mann, dem Siemensdirektor Waldemar Bau in Hamburg. Nach dem Krieg wird Bau Feuilleton-Chefin bei der Hamburger Zeitung Welt. Ihre erste große Reise führt die Journalistin und Fotografin nach Südamerika. Eine Expedition in das Quellgebiet des Amazonas, die sie schriftlich dokumentiert und später publiziert. 1956 bricht sie alleine mit einem VW-Bus auf, um dreieinhalb Jahre lang die Länder der Seidenstraße zu erkunden. Sie reist vom Mittelmeerraum über die Arabische Halbinsel bis nach China. Ständiger Begleiter ist ihre Rolleiflex-Kamera, die ihre Erlebnisse und Eindrücke in Form von Schnappschüssen, dokumentarischen Aufnahmen bis hin zu ästhetischen Reisefotografien, festhält. Es bleibt nicht bei dieser einen Reise. Insgesamt kann Milli Bau über 40 Reisejahre berichten. Aber immer wieder ist es Asien, das sie reizt.

Später lebt Bau sieben Jahre lang als Korrespondentin in Teheran. Nach einem Unfall kehrt sie in ihre Heimatstadt Darmstadt zurück. Dort eröffnet sie ein Asien-Archiv und fördert den Kulturaustausch mit der Region Jakutien in Russland. 1996 erhält sie die Goldene Verdienstplakette der Stadt Darmstadt für völkerverständigendes Engagement in aller Welt. Sie stirbt 2005 im Alter von 99 Jahren. Im selben Jahr übergibt die Stadt Darmstadt den fotografischen Nachlass Milli Baus in einer Eigentumsübertragung an das Weltkulturen Museum.

Seitdem wurden zahlreiche Fotografien, Negative und Dias bearbeitet und inventarisiert, jedoch nur ein kleiner Teil der Sammlung digitalisiert. Besonders die gerahmten Mittelformat-Dias stehen auf Grund ihrer starken Verschmutzung und ihrer speziellen Größe nur bedingt digital zur Verfügung. Doch gerade die Überführung vom Analogen zum Digitalen erlaubt eine intensivere Nutzung, Bearbeitung, Wiedergabe und Verteilung.

„Einmal mehr zeigt sich, welch wichtige Unterstützung wir unseren Häusern mit Hilfe des Digitalisierungsbudgets zukommen lassen. Der fotografische Nachlass von Milli Bau ist ein echtes Juwel, ein einzigartiges Stück Zeitgeschichte, das bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss,“ erklärt die Dezernentin für Kultur und Wissenschaft Ina Hartwig, die sich weiter für das Budget in Höhe von jährlich 300.000 Euro einsetzen will. „Wie das Weltkulturen Museum arbeiten auch unsere übrigen städtischen Kultureinrichtungen daran, ihre Sammlungen schrittweise zu digitalisieren. Diesen aufwändigen Prozess möchte ich weiter unterstützen, um unsere Sammlungsbestände zu öffnen und zeitgemäße Formen der kulturellen Teilhabe zu fördern.“

Wie bereits im Februar dieses Jahres von Kulturdezernentin Hartwig präsentiert, hat sich das Kulturdezernat im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie zum Ziel gesetzt, die strukturellen Rahmenbedingungen in den städtischen Häusern nachhaltig zu verbessern und sie unter anderem auch durch wirtschaftlichen Mitteleinsatz zu fördern. Die Digitalisierungsstrategie kann unter kulturffm-digitalstrategie eingesehen werden.

Die Direktorin des Weltkulturen Museums, Eva Raabe, erklärt dazu: „Das Museum besitzt umfangreiche wertvolle Bildbestände aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die einen tiefen Einblick sowohl in die Ethnologie als auch das aktuelle Zeitgeschehen zwischen 1950 und 2000 gewähren. Wie das Beispiel der Milli-Bau-Sammlung zeigt, sind gerade die in dieser Zeit üblichen analogen Bildträger nur schwer zu erhalten und zugänglich zu machen. Ohne Förderung aus dem Digitalisierungsbudget wäre uns die dafür notwendige kontinuierliche Digitalisierung unserer Archivbestände nicht möglich.“

Milli Baus Nachlass bildet ein umfangreiches Bildwerk über die Regionen entlang der Seidenstraße. Fast 20 Jahre Kultur- und Zeitgeschichte können aus den Motiven abgelesen werden, die politische, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen aufzeigen. Ein interessantes Werk, einer reisenden Schriftstellerin, die allen gesellschaftlich vorherrschenden Weiblichkeitsentwürfen dieser Zeit zum Trotz in die große Welt aufbrach.

Die nun durch die Förderung des Kulturdezernats möglich gemachte Digitalisierung ihres Werkes erhält die Sammlung und das Andenken an Milli Bau als eine außergewöhnliche Frauenpersönlichkeit weit über Frankfurt hinaus. (ffm)