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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Brunnensaison startet mit saniertem Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg

von Ilse Romahn

(03.06.2020) Mit dem Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg läuteten Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig am Juni die Brunnensaison 2020 ein und beendeten damit auch die Sanierungsarbeiten an dem Frankfurter Wahrzeichen.

Peter Feldmann, Barbara Deppert-Lippitz und Ina Hartwig bei der Eröffnung der Brunnensaison am Gerechtigkeitsbrunnen
Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß
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Der Brunnen erhielt nicht nur ein neues Ziergitter, auch die sanierte Justitia kehrte auf den Römerberg zurück.

„Die Frankfurterinnen und Frankfurter haben ihre Justitia vermisst, umso größer ist meine Freude, dass sie jetzt, endlich, wieder da ist. Sie ist weit über die Grenzen unserer Heimatstadt hinaus bekannt und ein wirklich sehr beliebtes Fotomotiv. Die Justitia gehört einfach auf unseren Römerberg“, sagte Oberbürgermeister Feldmann. „Weltweit ist der Gerechtigkeitsbrunnen einer der wenigen Brunnen, die der Göttin der Gerechtigkeit geweiht sind. Ein bemerkenswertes Detail der Frankfurter Justitia ist das Fehlen der sonst üblichen Augenbinde.“ Im vergangenen Jahr wurden die Rohre in der Figur durch Säure beschädigt und mussten saniert werden.

Kulturdezernentin Hartwig ergänzt: „Zusammen mit der Justitia ist auch das kunstvolle schmiedeeiserne Ziergitter wieder in voller Pracht zu sehen. Damit sind alle Arbeiten rund um den Brunnen abgeschlossen, die in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt der Stadt durchgeführt wurden. Ich danke dem Verein ‚Freunde Frankfurts‘ sehr herzlich für die Unterstützung bei der Sanierung unseres Wahrzeichens. Seit mehr als 90 Jahren setzen sie sich für das kulturelle Erbe in unserer Stadt ein und wir sind dankbar, dass sie damit zum Erhalt bedeutsamer Baudenkmäler in der Stadt beitragen.“

„Mit unserer Initiative zur Restaurierung des Justitia-Brunnens und mit der Übernahme der dadurch entstehenden Kosten wollten die Freunde Frankfurts ein bedeutendes, gefährdetes Kunstwerk retten – und gleichzeitig daran erinnern, dass der Brunnen den Bürgern seit über 400 Jahren Gerechtigkeit verspricht“, erklärt Barbara Deppert-Lippitz, Vorstandsvorsitzende des Vereins Freunde Frankfurts.

Zuletzt wurden die Arbeiten an den Stufen des Brunnens abgeschlossen und in Abstimmung mit dem Denkmalamt der Stadt 16 quadratische Poller aus Sandstein um den Brunnen angebracht. Sie sollen den Brunnen vor rangierendem Lieferverkehr schützen und dienen gleichzeitig als Sitzmöglichkeit für die Besucherinnen und Besucher des Römerbergs. Sie können ab sofort der Justitia wieder beim Wasserspeien zuschauen. „Nach und nach werden nun die übrigen Brunnen im Stadtgebiet wieder angestellt“, kündigten Oberbürgermeister Feldmann und Kulturdezernentin Hartwig an.

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen musste der Start der Brunnensaison von April in den Mai verschoben werden. Für die Inbetriebnahme gab es grünes Licht vom zuständigen Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt, da das Virus nicht über das Wasser übertragbar ist und die Brunnen gechlort werden. Zur Sicherheit sollten aber auch an den Brunnen die Abstandsregelung eingehalten und ein Mundschutz getragen werden. Baden ist grundsätzlich untersagt, auch schon bevor die Pandemie das öffentliche Leben auf den Kopf gestellt hat.

Zum Hintergrund: Die Frankfurter Justitia blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im Jahr 1543 wurde auf dem Römerberg der erste Röhr-/Springbrunnen Frankfurts errichtet. Die Sandsteinbrüstung entstammt bis heute teilweise noch dem Erbauungsjahr 1542.

1610 wurde der Brunnen neugestaltet und erhielt sein heutiges Aussehen: ein steinerner Brunnenstock mit einer Justitia. Zwei Jahre später flossen zur Krönung Kaiser Matthias‘ aus extra angebrachten Adler- und Löwenköpfen Rot- und Weißwein. In ihrer Begeisterung über den Ausschank ramponierten die Frankfurter den Brunnen derart, dass der Magistrat der Stadt zur Krönung Kaiser Ferdinands II im Jahr 1619 einen zusätzlichen Brunnen als Weinspender aufstellen ließ.

1863 befand sich der Gerechtigkeitsbrunnen in einem derart desolaten Zustand, dass er zum Deutschen Fürstentag unter Blumenkaskaden verschwand, später wurde er unter einer Bretterbude versteckt. Der Justitia wurde mehr als einmal die Waage geraubt, 1874 war sie selbst so ramponiert, dass sie entfernt wurde. 1887 machte eine Spende des Weinhändlers Gustav Dominikus Manskopf die Erneuerung der Figur möglich. Das bis heute bestehende Ziergitter mit den vergoldeten Stadtadlern stammt von Alexander Linnemann aus dem Jahre der Erneuerung 1887.

Vom Bombardement des Zweiten Weltkriegs blieben Brunnen und Figur weitgehend verschont. Von 1945 bis 1947 stand die Justitia in den Räumen der Militärregierung, die im Gebäude der Metallgesellschaft am Reuterweg residierte. 1970 zog sie abermals um – wegen des Baus der U-Bahn und der Tiefgarage wurde das Ensemble abgetragen und nach Abschluss der Arbeiten nur wenige Meter versetzt von seiner ursprünglichen Stelle wiederaufgebaut. (ffm)