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Letzte Aktualisierung: 30.09.2020

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Anstieg der Arbeitslosenzahl setzt sich im 2. Halbjahr fort

von Ilse Romahn

(31.07.2020) Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die damit verbundenen wirtschaftlichen Einschnitte die Entwicklung auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt geprägt.

Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit entspricht zwar dem saisonalen Verlauf der Vorjahre, fällt aber durch den anhaltenden Einfluss der Pandemie stärker aus als zuvor. 

Im Juli 2020 waren 31.563 Menschen in der Stadt Frankfurt von Arbeitslosigkeit betroffen. Das waren 1.215 Menschen mehr als im Juni und entspricht einem Anstieg um 4,0 Prozent. Damit ist der erneute Anstieg zu Beginn des dritten Jahresquartals nicht wesentlich höher ausgefallen als im Juni (+ 1.147 Personen oder + 3,9 Prozent). Zu Beginn der Pandemie hatte es im April mit einem Plus von 20,4 Prozent die stärkste Zunahme gegeben, im Folgemonat Mai lag die Erhöhung noch bei 12,5 Prozent. 

Das Ausmaß der Corona-bedingten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich auch in diesem Monat wieder im Vorjahresvergleich: Im Juli 2020 waren 10.641 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Juli 2019. Dies ist ein Anstieg um 50,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Juli auf aktuell 7,5 Prozent. Das waren 0,3 Prozentpunkte mehr als im Juni und 2,4 mehr als vor einem Jahr. Bedingt durch den in einem Juli üblichen saisonalen Anstieg der Arbeitslosigkeit hatte die Arbeitslosenquote im Juli 2019 knapp oberhalb der 5-Prozent-Marke bei 5,1 Prozent gelegen.   

Sebastian Kleist, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main: „Die saisonal übliche Erhöhung der Arbeitslosigkeit zum Quartalsbeginn im Juli ist in diesem Jahr erwartungsgemäß von den Auswirkungen der Corona-Pandemie verstärkt worden. Mit einem Plus von fast 1.100 Menschen betrifft dies zum weitaus größeren Teil den Bereich der Arbeitslosenversicherung. Allerdings hat sich der Anstieg insgesamt auch in diesem Monat nicht weiter beschleunigt, sondern ist in etwa auf dem Niveau des Vormonats ausgefallen. Der Einsatz des Kurzarbeitergeldes sorgt weiterhin in großen Teilen der Unternehmen dafür, dass Arbeitskräfte gehalten werden können und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Auch mit Blick auf den Ausbildungsmarkt hoffen wir, dass die wirtschaftliche Entwicklung wieder an Fahrt aufnimmt und junge Menschen sich durch die aktuell erschwerten Rahmenbedingungen nicht entmutigen lassen. Noch sind knapp 1.600 offene Ausbildungsstellen bei uns gemeldet und die Berufsberaterinnen und Berater stehen allen Jugendlichen gerne mit Rat und Tat zur Seite.“  

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat- und dem Vorjahr zeigte sich auch im Juli in beiden Rechtskreisen, betraf aber in deutlich größerem Maße den Bereich der Arbeitslosenversicherung. Keine Personengruppe - Frauen, Männer, unter 25-Jährige, Ältere ab 50 Jahren und Menschen ohne deutschen Pass – war von diesem Anstieg ausgenommen.

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), für den die Agentur für Arbeit Frankfurt in der Stadt zuständig ist, stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 13.899 Menschen an. Das waren 1.099 Personen mehr als im Juni (+8,6 Prozent) und 6.212 Menschen mehr als im Juli 2019 (+80,8 Prozent). Wieder spiegelt sich in diesem prägnanten Anstieg gegenüber dem Vorjahr, dass viele Menschen, die zuvor einer Beschäftigung nachgingen, von einem Jobverlust betroffen waren oder eine Neuanstellung nicht wie ursprünglich geplant antreten konnten. Für die Grundsicherung (SGB II), für die das Jobcenter Frankfurt am Main verantwortlich ist, waren mit 17.664 Personen 116 mehr gemeldet als im Vormonat (+0,7 Prozent) und 4.429 Menschen mehr (+33,5 Prozent) als im Juli 2019.

Nach zuvor rückläufigen Zahlen, waren seit Beginn der Corona-Krise zunehmend mehr Familien oder Haushalte auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen oder konnten ihren Lebensunterhalt nicht allein mit ihrem Einkommen bestreiten. Im Juli 2020 gab es 37.671 sogenannte Bedarfsgemeinschaften in der Stadt Frankfurt, etwa 3.300 mehr als im Juli 2019. 

Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenter Frankfurt am Main, zur aktuellen Entwicklung: „Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die wir als Jobcenter Frankfurt unterstützen, hat sich auch in diesem Monat um rund 280 erhöht. In den Vormonaten April und Mai, in denen die Krise ihren bisherigen Höhepunkt hatte, waren es mehr als doppelt so viele. Viele Menschen wurden von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie hart getroffen und sind auf unsere Hilfe angewiesen.“     

Entwicklung auf dem Stellenmarkt
Der Vorjahresentwicklung entsprechend, ist der Zugang offener gemeldeter Stellen von Juni auf Juli etwas zurückgegangen. Insgesamt meldeten die Unternehmen 1.360 neue Stellen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt, 125 Stellen weniger (-8,4 Prozent) als im Vormonat. Die meisten Stellenzugänge kamen dabei aus den Bereichen Verwaltung, Informatik und der Berufsgruppe Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege. Im Vorjahresvergleich zeigt sich aber auch in diesem Monat ein stärkeres Gefälle (-385 Stellen oder -22,1 Prozent), für das der Ausbruch der Corona-Pandemie verantwortlich ist.  Der Stellenbestand belief sich im Juli auf 7.128 Stellen, 3.956 Stellen weniger (-35,7 Prozent) als im Juli 2019. 

Aktueller Stand zu Anzeigen von Kurzarbeit in Frankfurt am Main 
Auch im Juli zeigten Betriebe im Bezirk der Agentur für Arbeit Frankfurt Kurzarbeit an. Nach vorläufigen Erhebungen gingen Kurzarbeitsanzeigen von 163 Unternehmen ein. Das waren weniger als die Hälfte des Vormonats. Bereits im Juni war die Anzahl der Unternehmen, die neu Kurzarbeit anzeigten, deutlich zurückgegangen. Insgesamt prüfte die Arbeitsagentur Frankfurt seit Beginn der Corona-Pandemie von Mitte März bis Juni 10.256 Unternehmensanzeigen. Die größten Anteile der geprüften Anzeigen kamen aus dem Gastgewerbe, der Gastronomie, dem Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen sowie dem Bereich Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen.

Wie viele Betriebe tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann erst nach drei Monaten ausgewiesen werden, da die Betriebe so lange Zeit haben, ihre Abrechnungslisten einzureichen. Eine erste Hochrechnung für tatsächlich realisierte Kurzarbeit liegt jetzt für den Monat März vor. Demnach waren im ersten Monat der Corona-Krise im Bezirk der Arbeitsagentur Frankfurt am Main in 3.695 Betrieben insgesamt 53.290 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tatsächlich von Kurzarbeit betroffen. 

Aktuelle Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt
Das Ausbildungsjahr 2019/2020 hat am 1. Oktober 2019 begonnen und endet am 30. September 2020. Seit Beginn des Berichtsjahres meldeten sich 3.544 junge Menschen bei der Agentur für Arbeit Frankfurt, die auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind. Das waren 290 weniger (-7,6 Prozent) als im Vorjahreszeitraum. 1.469 junge Menschen sind noch auf der Suche, 128 mehr (+9,5 Prozent) als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum meldeten die Unternehmen 3.581 freie Ausbildungsstellen, 383 weniger (-9,7 Prozent) als im Ausbildungsjahr 2018/2019. 1.593 dieser Stellen sind noch nicht besetzt, 32 Stellen mehr (+2,0 Prozent) als im Vorjahr. Rein rechnerisch sind dies 1,08 unbesetzte Ausbildungsstellen je unversorgtem Bewerber.

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