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Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

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Angélica Liddell in Liebestod. Histoire(s) du Théâtre III

Am 28. Juni im Hessischen Staatstheater Wiesbaden

von Ilse Romahn

(21.06.2022) Für den legendären Torero Juan Belmonte war Stierkampf eine spirituelle, rituelle Übung. Aufrecht und fast bewegungslos kämpfte er gefährlich nahe am Stierkörper. An Lungenkrebs erkrankt, nahm sich Belmonte als größter Matador seiner Zeit 1962 das Leben. Die spanische Autorin, Regisseurin und Performance-Künstlerin Angélica Liddell vereint in ihrem neuen Werk Belmontes Suche nach tragischer Schönheit und Heiligkeit mit Richard Wagners tragische Vollendung der Liebe im Tod, wie er sie in „Tristan und Isolde" zum Ausdruck brachte.

"Liebestod"
Foto: Christophe Raynaud de Lage
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In ihrer Inszenierung "Liebestod" beschwört Liddell die Figuren des Stiers und des Stierkämpfers herauf und spiegelt sich in beiden wider. Sie ist gleichzeitig Liebende und Geliebte, konfrontiert sich mit den eigenen Abgründen, ihrer rasenden Leidenschaft und Todessehnsucht, beleidigt ihr Publikum und die zeitgenössische Kulturschickeria, die, so Liddell, ihren Bezug zum Mythos und zur Transzendenz verloren hat: "Es ist die Geschichte meiner Wurzeln, meiner Tiefen." Inmitten einer Bühnenwelt, die einer spanischen Stierkampfarena gleicht, schreit, stottert, flüstert und singt Angélica Liddell ihre Texte über Liebe und Tod wie in einem finalen Beschwörungsritus, der sie zu den Ursprüngen ihres Theaters führt.

Angélica Liddell zählt als Autorin, Regisseurin und Performance-Künstlerin zu den prägendsten und wichtigsten Figuren des spanischen Performance-Theaters. Mit „The Scarlet Letter“ feierte Angélica Liddell bei den Internationalen Maifestspielen 2019 Premiere und sorgte hier für einen Skandal beim Publikum. „The Scarlet Letter“ und „Liebestod“ wurden beim Festival d'Avignon, den Wiener Festwochen oder dem Théâtre de l'Odéon in Paris uraufgeführt. Als Erstaufführung im deutschsprachigen Raum zeigte der Mousonturm 2015 „Primera carta de San Pablo a los Corintios. Cantata BWV 4, Christ lag in Todesbanden. Oh, Charles!“ 2012 erhielt sie für „La casa de la fuerza“ den Nationalen Preis für Theaterliteratur, verliehen vom spanischen Kulturministerium, 2013 den Silbernen Löwen der Biennale di Venezia. 2017 wurde Angélica Liddell vom französischen Kulturministerium mit dem Orden Chevalier der Art et Lettres ausgezeichnet.

Aufführung am 28. Juni, 19.30 Uhr, im Hessischen Staatstheater Wiesbaden mit Angélica Liddell, Gumersindo Puche, Patrice Le Rouzic und Palestina de los Reyes.

Eine Produktion des NTGent und Atra Bilis. Koproduktion Festival d’Avignon, Tandem Scène Nationale Arras-Douai, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt.