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Letzte Aktualisierung: 21.11.2019

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150 Jahre: Der Palmengarten feiert sein Palmenhaus

von Ilse Romahn

(25.10.2019) Ihren Palmengarten verdanken die Frankfurter den (damals unter ihnen nicht sehr beliebten) Preußen.

Bildergalerie
150JahrePalmenhaus_Ausstellung
Foto: Stadt Frankfurt / Palmengarten
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Ausstellung 150JahrePalmenhaus
Foto: Stadt Frankfurt / Palmengarten
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Als nämlich 1866 das Herzogtum Nassau von Preußen annektiert wurde, musste der finanziell klamme Adolph von Nassau einige seiner Besitztümer veräußern – darunter auch die Biebricher Wintergärten mitsamt der Sammlung exotischer Pflanzen. Der Herzog beauftragte den international bekannten Gartengestalter Heinrich Siesmayer mit der Suche nach einem Käufer. Siesmayer wiederum wollte die Exoten nach Frankfurt holen, um mit ihnen einen Garten aufzubauen. Mit seiner Idee rannte Siesmayer beim wohlhabenden Frankfurter Bürgertum offene Türen ein. Bankiers, Verleger, Rechtsanwälte und allerhand Vermögende unterstützen Siesmayers Initiative. Und sorgten damit dafür, dass vor 150 Jahren das Herzstück des Palmengartens eröffnen konnte: das Palmenhaus.

„Das Palmenhaus, eine bahnbrechende Konstruktion aus Eisen und Glas, entworfen nach einem Patent der Pariser Weltausstellung von 1867, beherbergte fortan exotische Pflanzen und wurde zum Treffpunkt der Frankfurter Gesellschaft“, sagt Palmengartendirektorin Katja Heubach. „Mit einer Gesamtfläche von rund 1600 Quadratmetern ist das Palmenhaus bis heute eines der größten seiner Art in ganz Europa – und hat auch 150 Jahre nach seiner Eröffnung nichts von seiner Anziehungskraft verloren.“

Das Jubiläum feiert der Palmengarten ab, Montag, 28. Oktober, bis Sonntag, 3. November, mit einer Festwoche. Auf dem Programm stehen ein Jazzkonzert auf der Palmenhaus-Terrasse, Führungen und Vorträge, Mitmach-Aktionen für Klein und Groß, Blicke hinter die Kulissen des Gesellschaftshauses (Anmeldung erforderlich per E-Mail an palmengarten.kultur@stadt-frankfurt.de) und Einblicke in die Arbeitswelt der Gärtnerinnen und Gärtner des Palmenhauses.

„Zwei Formate werden während der gesamtem Festwoche zu jeder Zeit zu sehen und zu hören sein: eine Ausstellung mit historischen Postkarten und eine Klanginstallation“, erläutert Heubach. Erstere ist inspiriert vom ebenfalls 150-jährigen Jubiläum der Postkarte und erzählt die Geschichte(n) des Palmengartens anhand von Ansichtskarten aus drei Jahrhunderten. So schrieb ein Vater 1898 „Wenn 50-Pfennig-Tag ist, gehen wir aus in dieses Palmenhaus!“. Und ein anderer Gast sendete 1907 seiner lieben Marianne „umstehend einen kleinen Text vom berühmtesten und größten Palmengarten der Welt“. Insgesamt rund 100 Postkarten im Original, vergrößert auf Leuchtkästen oder als Teil eines Karten-Mobiles und durch Fakten aus dem Entstehungsjahr des Palmenhauses ergänzt, bilden die Ausstellung in der kleinen Galerie. Die Besucher sind zudem eingeladen, eine eigene Karte zu entwerfen und dem Palmengarten für sein großes Jubiläum 2021 etwas zu wünschen, beziehungsweise zu verraten, was sie sich von ihm wünschen.

Die Klanginstallation „Sound Dialogues – Klangwald im Palmenhaus“ lädt die Besucher ein, die Ohren zu spitzen und ganz genau hinzuhören. Brüllt hinten links ein Affe? Rennt gerade ein Nilpferd durch das Dickicht? Und was ist das für ein Knacken? Der Klangkünstler Lasse-Marc Riek hat exklusiv für das Palmenhaus eine mehrkanalige Installation aus natürlichen Umgebungslauten verschiedener Landschaften und Kontinente komponiert, die das Haus in einen zirpenden, zwitschernden und manchmal auch brüllenden und knackenden Klangwald verwandeln. „Sound Dialogues“ ist über die Festwoche hinaus bis 12. Januar 2020 täglich ab 9 Uhr zu hören. Die Ausstellung der historischen Postkarten wird bis zum 31. Dezember gezeigt.

Das Jazzkonzert auf der Palmenhausterrasse – eine Kooperation mit der Jazz-Initiative Frankfurt – findet am Samstag, 2. November, um 19 Uhr statt, Einlass ab 18 Uhr. Karten sind zu 25 Euro, ermäßigt 20 Euro, an der Kasse Siesmayerstraße erhältlich.

Anlässlich der Festwoche verlängert der Palmengarten seine Sommeröffnungszeiten über den 31. Oktober hinaus und öffnet bis einschließlich 3. November täglich von 9 bis 18 Uhr. (ffm)