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Letzte Aktualisierung: 04.03.2021

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‚Ein Teil dieser Arbeitsformen wird Corona sicherlich überdauern‘

Wie eine Abteilung im Straßenverkehrsamt ihre Arbeit pandemiegerecht organisiert

von Ulf Baier

(23.02.2021)  Dorothee Allekotte leitet im Straßenverkehrsamt die Abteilung Verkehrsangelegenheiten. Wer in Frankfurt eine Baustelle einrichtet, kommt an dem Sachgebiet Verkehrsregelung nicht vorbei. Es ordnet an und kontrolliert, wo zusätzliche Schilder und geänderte Fahrbahnmarkierungen nötig sind.

Dorothee Allekotte
Foto: Stadt Frankfurt / Salome Roessler
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Zu ihrer Abteilung gehören noch die Sachgebiete Verkehrsplanung und -konzeption, Lichtsignalanlagenplanung, Ausnahmegenehmigungen/Erlaubnisse/Abschleppungen und das Radfahrbüro. Ein Gespräch mit der Diplom-Geographin über Home-Office in der Verwaltung und Arbeitsorganisation unter Corona-Bedingungen.

Frau Allekotte, beschreiben Sie bitte die Entwicklung seit dem ersten Shutdown im Frühjahr 2020.
ALLEKOTTE: Ab März hatten wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter großzügig freigestellt und nach Hause geschickt. Ein Teil verfügte über Telearbeitsplätze und konnte problemlos weiterarbeiten. Wir ordnen im Jahr etwa 7000 Baustellen an. Vieles davon ist zeitkritisch, weshalb klar war, dass es weitergehen muss. Schrittweise holten wir die Mitarbeiter zurück, als sich die Lage im Frühjahr entspannte. Seit Oktober arbeiten wieder mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zu Hause aus, weshalb wir auf eine Home-Office-Quote von 61 Prozent kommen. Ein Teil greift mit bereits seit einiger Zeit eingerichteten Rechnern von der Wohnung auf unsere Systeme zu. Andere nutzen die kürzlich beschafften Laptops, die mehrere Kolleginnen und Kollegen abwechselnd mitnehmen. Hier ist der Markt der limitierende Faktor, da die Geräte aktuell sehr schwer zu beschaffen sind.

Verwaltungen gelten auch als lernende Organisationen. Wie hat sich das bei Ihnen bemerkbar gemacht?
ALLEKOTTE: Wenn unsere Mitarbeiteinnen und Mitarbeiter Beschilderungen oder Fahrbahnmarkierungen anordnen, dann benötigt die Verfügung eine Original-Unterschrift. Zuerst hatten wir probiert, das per E-Mail zu organisieren. Die Mitarbeiter schickten ihre Vorgänge ins Amt, die Kollegen dort druckten diese aus und unterschrieben vertretungshalber. Doch das war mengenmäßig von den Kolleginnen und Kollegen im Büro nicht zu leisten. Daher haben wir die Abläufe umorganisiert. Zu den Aufgaben meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehört es auch, die Baustellen zu kontrollieren und zu überprüfen, ob und wie die Firmen unsere Anordnungen umsetzen. Jetzt kommen sie nach diesen Außenterminen kurz ins Amt und drucken die Vorgänge aus, die sie unterschreiben müssen. So lässt sich auch steuern, dass nicht zu viel Personen zeitgleich im Haus sind.
Persönliche Vorsprachen gibt es bei uns nur noch nach Terminvereinbarung. Vieles lässt sich per E-Mail, Telefon- oder Videokonferenz erledigen. Durch die Möglichkeit, den Bildschirminhalt mit anderen zu teilen, lassen sich während solcher Besprechungen - extern und intern - Karten und Pläne gemeinsam betrachten. Damit ist dann klar, welche Fahrspur gemeint ist, wenn wir darüber sprechen, dass eine Fahrspur für die Zeit der Bauarbeiten weggenommen werden soll. Auch können wir auf 360-Grad-Rundumaufnahmen zurückgreifen. Das erspart so manche gemeinsame Ortsbegehung und reduziert die Zahl der persönlichen Kontakte. Ein Teil dieser Arbeitsformen wird sicherlich Corona überdauern.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit der Arbeit von zu Hause?
ALLEKOTTE: Sie sind sehr gut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man besser und bewusster miteinander redet. Auch lassen sich Wege vermeiden. Sicherlich fehlt die Spontaneität über die Distanz und die Gemeinsamkeit, etwa beim Essen. Allerdings kommt es bei den Mitarbeitern auf die Situation zu Hause an. Wenn der Partner auch noch im Home-Office ist und es Kinder mit Home-Schooling gibt, verstehe ich, dass man das nicht als Dauerlösung haben will. Oder wenn sich in einer kleinen Wohnung zwei Leute den Küchentisch als Arbeitsplatz teilen. Durch die Nutzung von Homeoffice bekommen wir bei uns pandemiegerechte Lösungen hin, mit einem kleinen Anteil von Leuten, der im Gebäude ist. Die räumliche Situation ist entsprechend großzügig, dass Abstände gewahrt werden können. Und gemeinsames Zusammensitzen in der Kaffeeküche muss leider ausfallen.
Wichtig ist, dass die Kolleginnen und Kollegen, die im Homeoffice sind, das Gefühl haben, „mitgenommen zu werden“. Um auch in der Adventszeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice in Kontakt zu bleiben, haben wir einen virtuellen Adventskalender erstellt. Das funktionierte so: An jedem Tag gab es eine Mail mit einem Rezept, einem Weihnachtsrätsel oder anderen Nettigkeiten. Das kam sehr gut bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an. Es ist aktuell einfach viel Kreativität gefordert, um den Verlust an Nähe auszugleichen.

Wie hat sich die Arbeitslast bei Ihnen während der Pandemie entwickelt?
ALLEKOTTE: Der Arbeitsanfall ist auf keinen Fall weniger geworden, denn gebaut wird weiterhin. Wenn es bei Arbeiten mal zu Pausen kommt, die den Bürgern auffallen, liegt es eher daran, dass vielleicht Material fehlt und es nicht weitergehen kann. Ein anderer Teil meines Teams kümmert sich um die Ampelanlagen. In Frankfurt haben wir davon 850. Auch die wollen weiter gewartet und betreut werden.
Im Radfahrbüro haben wir aufgrund der Vereinbarung mit dem Radentscheid das Team verdoppelt. Es hat genug zu tun, gerade auch aufgrund der Erwartungen der Politik. Hinzu kommt, dass in Corona-Zeiten mehr Leute auf das Fahrrad umgestiegen sind. Dann bereiten wir die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung in den bereits ausgewiesenen Gebieten vor, die sukzessive erfolgt. Hier handelt es sich um eine Konsequenz aus den Klagen gegen die Stickstoffdioxid-Belastung, die erfolgen muss und daher nicht warten kann.

Wenn Sie einen Wunsch angesichts der aktuellen Situation frei hätten, wie würde er lauten?
ALLEKOTTE: Das ist schwer zu sagen, schließlich sind alle in der aktuellen Situation Getriebene. Man hätte sicherlich in bestimmten Situationen gerne etwas mehr Vorlauf. ‚Mach doch mal‘ geht aktuell nicht so einfach, gerade wenn man auf weitere Partner angewiesen ist. (ffm)