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Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

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"Schaufenster-Krankheit" optimal behandeln

Neue Studie gibt Entwarnung für den Einsatz von beschichteten Kathetern

von Norbert Dörholt

(19.05.2022) Rund fünf Millionen Menschen leiden hierzulande unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz pAVK, die volkstümlich „Schaufenster-Krankheit“ genannt wird. Zu den typischen Symptomen zählen eine Einschränkung der Gehfähigkeit mit Schmerzen in den Beinen. Hauptsächlicher Verursacher ist eine Durchblutungsstörung, bei der die Muskeln aufgrund einer Verengung der Blutgefäße nicht mehr genügend Nährstoffe und Sauerstoff erhalten. Darauf weist die Deutsche Gefäßliga e.V. (DGL) hin.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung der DGL dazu: Wird die Durchblutungsstörung ausgeprägter oder verschließt eine Arterie vollständig, können die Schmerzen sogar in Ruhe auftreten und Wunden schlechter heilen. Eine Behandlung der pAVK erfolgt immer mehrgleisig: Zunächst werden die Risikofaktoren behandelt, dazu gehören insbesondere das Rauchen, der Diabetes, Bluthochdruck und eine Fettstoffwechselstörung. Gleichzeitig gehören mehr körperliche Bewegung und eine Verbesserung des Ernährungsstils dazu.

Erst bei fortschreitender Minderung der Lebensqualität wird zu sog. invasiven Maßnahmen gegriffen, die darauf abzielen, die Durchblutung des betroffenen Beines zu verbessern, wie z.B. ein Kathetereingriff. Bei diesem Verfahren nutzt man über mehr als ein Jahrzehnt die sehr positiven Ergebnisse, die mit einer Medikamentenbeschichtung mit dem Wirkstoff Paclitaxel der gefäßaufweitenden Ballonsysteme erzielt wurden.

Eine im Dezember 2018 veröffentlichte Meta-Analyse zur Verlaufsbeobachtung nach Verwendung der beschichteten Ballons sorgte aber für Beunruhigung und große Diskussion. Die Wirkung der beschichteten Systeme sei laut Studie zwar auch nach mehreren Jahren besser als die der unbeschichteten, allerdings starben Patienten, die mit Paclitaxel behandelt worden waren eher, als die Vergleichsgruppe. Die Konsequenzen: eine „kritische Indikationsstellung“ der Therapie sowie eine erweiterte Aufklärungspflicht der Patienten.

Nun aber geben Forscher aus Münster Entwarnung. Sie konnten die erhöhte Sterblichkeitsrate widerlegen und keine erhöhte Langzeit-Sterblichkeit über 7,6 Jahre feststellen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt aber weiterhin eine genaue und individuelle Beratung  eines jeden einzelnen Patienten.