Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 24.09.2021

Werbung
Werbung

„Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“

Das Jüdische Museum Frankfurt eröffnet seine zweite Wechselausstellung

von Ilse Romahn

(31.08.2021) Von Białystok über Frankfurt nach Amsterdam, von Berlin über Budapest nach Bari: „Unser Mut“ ist die erste Ausstellung, die die jüdische Nachkriegserfahrung von Flucht, Vertreibung, Selbstvergewisserung und Wiederaufbau in einer gesamteuropäischen, transnationalen Perspektive darstellt.

Die Ausstellung präsentiert Filme und Fotografien, Gemälde und Grafiken, Gegenstände aus Privatbesitz und Audioaufnahmen von autobiographischen Texten, die einen Einblick in das Leben von Jüdinnen und Juden unmittelbar nach der Schoa geben. Sie unterstreicht damit sowohl den europäischen Bezug und den zeithistorischen Schwerpunkt wie auch den personenbezogenen Ansatz in der Arbeit des Jüdischen Museums am Bertha-Pappenheim-Platz 1. Die Ausstellung läuft von Dienstag, 31. August, bis zum 18. Januar.
 
1933 lebten etwa zehn Millionen Jüdinnen und Juden in Europa und der Sowjetunion. Etwa 3,5 Millionen überlebten die Jahre der nationalsozialistischen Entrechtung, Verfolgung und Ermordung. Was ihnen unmittelbar nach Kriegsende widerfuhr und wie sie ihr Leben nach dem Überleben gestalteten, wurde jahrzehntelang weder erforscht noch öffentlich thematisiert.

Die Ausstellung „Unser Mut“ möchte das ändern. Sie basiert auf einem mehrjährigen Forschungsprojekt zur Lebenssituation von Jüdinnen und Juden an ausgewählten Orten in Mitteleuropa, welches das Jüdische Museum in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow durchgeführt hat. Aufbauend auf diesen Forschungsergebnissen unterstreicht die Ausstellung, dass jüdische Überlebende nicht etwa eine homogene Gruppe von passiven Opfern bildeten, sondern ihr Leben in der unmittelbaren Nachkriegszeit in großem Maße selbst organisierten und aktiv gestalteten. Der Ausstellungstitel „Unser Mut“ unterstreicht diesen Gestaltungswillen; er bezieht sich auf ein jiddisches Partisanenlied aus dem Jahr 1943 wie auch auf den Namen der ersten Zeitung im DP-Camp Zeilsheim in Frankfurt. (ffm)