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Letzte Aktualisierung: 15.11.2019

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„Dinner für Spinner“ in der Komödie Frankfurt

Liebenswerter Tölpel will nur helfen

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(04.11.2019) Es ist perfide! Peter Küsenberg (Moritz Lindbergh), erfolgreicher Verleger mit Schwarzkonten im Ausland, trifft sich einmal in der Woche mit seiner Clique zum Essen und einer speziellen Unterhaltung am Abend:

Bildergalerie
Stephan Schleberger, Steffen Laube, Tom Gerhardt (hinter Sofa), Moritz Lindbergh, Tina Seydel (auf Sofa)
Foto: Helmut Seuffert
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Tom Gerhardt, Moritz Lindbergh
Foto: Helmut Seuffert
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Es wird immer jemand zum Dinner eingeladen, der ein spleeniges Hobby hat, der ein Tölpel, ja Tollpatsch ist und über den man sich köstlich amüsieren und lustig machen kann, ohne dass das „arme Opfer“ es merkt.

Diesmal will Küsenberg den „Gast“ mitbringen, den wunderlichen Finanzbeamten Matthias Bommes (Tom Gerhardt), der aus Streichhölzern Eiffelturm, Atomium, das Tadsch Mahal und sogar die Autobahnausfahrt Frankfurt/ Höchst gestaltet hat und gern in Reimen spricht. Der bösartige Verleger erwartet Bommes bei sich zu Hause, um gemeinsam mit ihm zum „Dinner für Spinner“ zu gehen. 

Küsenbergs Frau  Christine (Tina Seydel) findet diese schlimme Vergnügung ihres Mannes und seinen Freunden widerwärtig.  Sie  versucht, auch weil der Gatte plötzlich einen Hexenschuss erleidet, ihn zu überzeugen, dass er daheim bleiben soll. Vergeblich! Wütend geht sie weg. 

Dann trifft Bommes ein, tollpatschig, gutmütig, bemüht dem Lumbago-Geplagten zu helfen. Damit nimmt die Komödie des französischen Erfolgsautors Francis Veber nach einem etwas schleppenden Beginn zum Vergnügen des Publikums  an Fahrt auf. Pointe auf Pointe sorgt für herzhafte Lacher und Zwischenbeifall. 

In kürzester Zeit schafft es der Streichholzmodell-Bastler, das Leben von Küsenberg zu chaotisieren. Christine kommt nicht zurück, Bommes verwechselt  die heimliche Geliebte Marlene (ebenfalls Tina Seydel in einer Doppelrolle) mit der Ehefrau und vertreibt damit beide endgültig. Auch ein früherer Freund (Steffen Laube), dem er einst Christine ausgespannt hat,  taucht auf, der sich über die Malaisen des einstigen Kumpels mehr als freut.  Ungewollt holt  Bommes sogar seinen Kollegen und Steuerfahnder Pusch (Stephan Schieberger) ins Haus, der sofort auf  eine Steuerhinterziehung aufmerksam wird.

Während Küsenberg von Schmerzen geplagt durch seinen Salon  humpelt, jagt eine Katastrophe die andere. Das Bühnenbild hat wieder Tom Grasshof gestaltet: Wohnzimmer mit gut bestückter Bar, Bilder an der Wand, edle Couch-Garnitur, niedriger Couchtisch und verschiedene Türen, also das Übliche. Aber es ist der ideale Hintergrund für das Stück.  

Bommes ficht das derweil überhaupt nicht an. Er ist nett, merkt gar nicht, was er anrichtet und macht unverdrossen alles immer noch schlimmer – bis – ja bis zum bitteren Ende? 

Tom Gerhardt als Bommes beherrscht jede Szene, seine Mimik, seine Körperhaltung, seine Gestik, alles ist ein perfekter, netter Tölpel, der aufrichtig ist und alles falsch macht. Wie viel Freude ihm die Rolle des Matthias Bommes bereitet merkt man ihm während der Aufführung immer wieder an. Das gesamte  Ensemble allerdings ist neben ihm auch ohne Fehl und Tadel.

Es war ein schöner Abend zum Freuen, zum herzhaften Lachen und zum etwas Schadenfreude empfinden.

Regie führt René Heinersdorff. 

Gespielt wird noch bis zum 15.Dezember 2019 jeweils DI – Sa um 20 Uhr, So 18 Uhr, montags spielfrei.

Karten ab 22.50 Euro unter Tel.. 069 – 284580, auf www.diekomoedie.de oder auf www.eventim.de