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Letzte Aktualisierung: 13.12.2019

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„DIE BLAUE MAUS“ als Theater- Premiere

von Karl-Heinz Stier und Ingeborg Fischer

(14.11.2019) 30 Jahre besteht heuer die Theatergruppe „Die Mühlengeister“ in Merkenfritz im Vogelsberg. Als 11 Theaterfreunde sich 1989 trafen und die Laienschauspielgruppe gründeten, konnte keiner so recht ahnen, welche Entwicklung der Verein weiterhin nehmen würde.

Doch von Jahr zu Jahr wurden die Vereinsbande enger, der Zusammenhalt größer, die Mitgliederzahlen stiegen, die Akteure wurden stärker in ihrer Darstellungskraft und im jeweils eigenen Rollenverständnis.

1993 wurde die Jugendgruppe „die klaane Esel“ (12 bis 18 Jahre alt) aus der Taufe gehoben, 2004 die „ganz klaane Esel“ (7 bis 12 Jahre) und 2009 die „Minnis“ (4 bis 7 Jahre). Über den Drei thronten  die erwachsenen Mühlengeister, die bis dato in 34 Inszenierungen das kulturelle Leben in der Großgemeinde Hirzenhain und darüber hinaus begeistern. Mit Spannung wurde nun deren Jubiläumsvorstellung erwartet. Was würde der seit 11 Jahren amtierende Regisseur Markus Karger für seine Akteure ins Programm heben?

Nun, er hat weder sein eigenes Ensemble noch das Publikum enttäuscht. Ausgesucht hat er den Klassiker „Die Blaue Maus“, ein Dreiakter nach einem Schwank aus der Feder von Carl Laufs und Curt Kraatz,  pointiert bearbeitet von Hugo Wiener, eine der schönsten und witzigsten Komödien, die um die 19. Jahrhundertwende spielt. Und er traf - das sei vorweg gesagt - damit voll ins Schwarze!

Die 14 Akteure, die auf der Bühne die Geschichte um eine Nachtbar „Die Blaue Maus“ und einen Logenbrüder-Bund „Die Artusritter“ vorführten, strapazierten von Anfang an die Lachmuskeln des Publikums. 

Schwiegersohn Martin wird von den Eltern seiner Frau Brigitte  gedrängt, dem Artusritterbund beizutreten, denn der Schwiegervater, Unternehmer Bamberger,  ist – so wird  behauptet – der Anführer der Vereinigung. Man nennt ihn dort „der große Drache“ und Tochter und Ehefrau sind sehr stolz auf ihn. Während Brigitte und Schwiegereltern in der Sommerfrische weilen, soll er sich um Aufnahme bemühen, denn  Artusritter sind ehrenwerte Männer, die   in jeder Beziehung  anständig und moralisch hochstehend sind. Martin hingegen lässt sich von Freund Gustl verführen, Nacht für Nacht die anrüchige Bar „Die Blaue Maus“ zu besuchen. Und stark alkoholisiert kehrt er ständig frühmorgens erst zurück. Die Artusritter hat er vergessen. 

Als seine Frau mit ihren Eltern von der Reise zurückkehrt, beginnen die Turbulenzen und Wirrungen um wirkliche Artusritter und solche, die nur als Vorwand angeblich Mitglieder dieser Loge sind. Der „große Drache“ jedenfalls – so zeigt sich – ist keiner, kennt aber die „Blaue Maus“ sehr gut. 

Neben einer kleinen Liebesgeschichte der Schwester von Brigitte mit einem Architekten, einer angeblich unehelichen Tochter von Leo Bamberger, die aber vom Freund Gustl in Verkleidung gespielt wird und einem Großbauer mit Ehegesponst, der auch gerne Artusritter werden will, dreht sich die Handlung furios im Kreis. Witzige Dialoge und auch zornige Wortgefechte, Ausreden und schließlich erwischt werden, alles wird geboten zum Vergnügen der Zuschauer. Zu erwähnen sind hier auch die beiden Hausgehilfinnen Kathi und Franzi, die schnippisch ihrer Arbeit nachkommen, überzeugend gespielt von Lilly May Jahn und  Janine Hippel. 

Das Ensemble sei hier aufgeführt: Angelique Wagner, Dominik Herche, Bernd Herche, Harald Meiß, Stefan Dinges, Karl-Heinz Dinges,  Roswitha Herd,  Markus Karger, Simone Weißbrod, Judith Klehm, Ann-Kathrin Wächter und Marcel Weber. 

Alle Laienschauspieler waren in bester Verfassung, Gestik, Mimik, Körperhaltung, alles stimmte und die Souffleurin Astrid Schorge-Reis wurde kaum benötigt. 

Das Geschehen spielt sich im Salon von Martin und Brigitte ab, und das Bühnenbild ist dieses Mal ganz besonders sorgfältig und augenfällig gestaltet. 

Dass die Premiere-Besucher vielfach bei der Aufführung Zwischenapplaus spendeten und Tränen  gelacht haben - auch uns ging das so – zeigt am Ende, dass der Regisseur bei der Auswahl des Stückes ein außerordentlich gutes Händchen hatte. Es zeigt aber auch, dass sogar Gründungsmitglieder wie Roswitha Herd (bisher bei 29 Aufführungen dabei) und Karlheinz Dinges (bisher 26 Aufführungen) weiterhin zu den eindrucksvollen Aktiven zählen.

Und noch etwas ist bemerkenswert: der Slogan „Gemeinsam sind wir stark“ durchzieht das Leben des Vereins über drei Jahrzehnte. Bis heute gab es gerade mal 3 Vorsitzende: Karlheinz Oberheim (1989 – 1995), Bernd Herche (1995 bis 2018) und ab 2018 Sarah Otremba.

Und schließlich war es eine kluge Entscheidung des Vereins, den Regisseur und gelegentlichen Mitakteur Markus Karger an den Verein zu binden. Es gibt nicht viele Personen wie er, der leidenschaftlich gerne selbst Theater spielt oder spielen lässt. Er möge den „Mühlengeister“ noch lange erhalten bleiben. Aber auch dem Verein ist die Fortdauer seiner Begeisterungsfähigkeit für das Laientheater zu wünschen. Seit der Vereinsgründung vor 30 Jahren hat das Schauspielerensemble - gleich welchen Alters – das Publikum mit 1 400 Bühneneinsätzen erfreut. Wenn das nicht anspornt und den Verein mit seinen 127 Mitgliedern zu neuen Aktivitäten reizt?!