Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 23.05.2019

Werbung

Zum 140. Geburtstag des Chemikers: Denkmal für Otto Hahn erstrahlt in neuem Glanz

von Ilse Romahn

(08.03.2019) Aus Anlass des diesjährigen 140. Geburtstages des Nobelpreisträgers für Chemie Prof. Otto Hahn (8. März 1879) wird dieser Tage das Denkmal, das in Frankfurt an ihn erinnert, saniert. Das Denkmal steht an der Kleinmarkthalle in der Ziegelgasse. Dort befand sich ehemals das Geburtshaus Otto Hahns. Die Arbeiten wurden am Donnerstag, 7. März, abgeschlossen.

Denkmal Otto Hahn
Foto: Stadt Frankfurt
***

Zum Denkmal gehören eine überlebensgroße Bronzebüste und zwei Schrifttafeln, die in eine minimalistische Architektur aus Granitplatten eingebaut sind. Die Büste schuf der Bildhauer Knud Knudsen (1916 bis 1998). Auf einer der Tafeln steht: „92 Uran + Neutron = 56 Barium + 36 Krypton. Otto Hahn“.

„Die Formel von Prof. Otto Hahn steht für eine der bedeutendsten Entdeckungen der Naturwissenschaft: die Kernspaltung“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig. „Mit seiner Entdeckung zählt er zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts.“ Lange dachte man, dass Atome die kleinsten, unteilbaren Bestandteile der Materie sind. Im Jahr 1939 wurde erstmals veröffentlicht, dass eine Spaltung von Atomkernen möglich ist, wenn sie mit Neutronen bestrahlt werden. Dabei wird eine enorm starke Energie, die Kernenergie, freigesetzt. Ein Uran-Kern mit 92 Ladungen spaltet sich in einen Bariumkern mit 56 Ladungen und das radioaktive Isotop Krypton mit 36 Ladungen. Weil dieses Edelgas messbar ist, konnte es als Indikator genutzt werden, um die Kernspaltung nachzuweisen.

Prof. Otto Hahn und sein Assistent Fritz Straßmann machten diese Entdeckung im Dezember 1938 und fanden dann mit der zuvor nach Schweden geflohenen jüdischen Forscherin Lise Meitner und ihrem Neffen Otto Frisch eine physikalische Deutung, die sie im Februar des Folgejahres veröffentlichen konnten. Sie ermöglichte die bis heute umstrittene Nutzung von Kernenergie nicht nur in Kernkraftwerken, sondern auch als machtvolle Technik zur Entwicklung von Atomwaffen. Otto Hahn trug zeitlebens schwer an der gesellschaftlichen Verantwortung, die aus seiner Entdeckung erwuchs. Als 1945 die ersten Atombomben der Menschheit auf Hiroshima und dann auf Nagasaki fielen, war Otto Hahn fassungslos und wurde zum engagierten Gegner einer militärischen Nutzung der Kernenergie.

Otto Hahn war Ehrenbürger der Stadt Frankfurt und wurde 1944 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Anlässlich seines zehnten Todestages am 28. Juli 1978 wurde in Frankfurt das Denkmal enthüllt. Im Zuge der Überarbeitung wurden nicht nur die Granitplatten und die Bronzebüste gereinigt, sondern auch die große Schrifttafel aus Bronze vom Boden entfernt und unterhalb der Büste befestigt. Sie erhält damit einen würdigen, vor Verunreinigungen geschützten Platz. Die leere Stelle am Boden wurde durch eine Granitplatte geschlossen.

Die Stadt fühlt sich dem gebürtigen Frankfurter und Ehrenbürger Prof. Otto Hahn besonders verpflichtet. Alle zwei Jahre verleiht sie gemeinsam mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft den mit 50.000 Euro dotierten Otto Hahn-Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Chemie, der Physik und der angewandten Ingenieurwissenschaften. In diesem Jahr soll durch den Preis vorzugsweise eine herausragende wissenschaftliche Leistung auf dem Gebiet der Chemie gewürdigt werden. Die Preisverleihung findet am 11. November 2019 in der Paulskirche statt. (ffm)