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Letzte Aktualisierung: 22.11.2017

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Wo der Blues die Rakete des Rock ’n’ Roll zündete

Jetzt 200 Stopps am Mississippi Blues Trail

von: Elke Backert

(14.11.2017) Der Mississippi Blues Trail führt zu wichtigen Orten des Blues in dem Bundesstaat, der diese uramerikanische Musik hervorgebracht hat. Jetzt wurde im kleinen Ort Lyons die zweihundertste blaue Infotafel des Trails eingeweiht.

Bildergalerie
Der Mississippi Blues Trail folgt der Inspiration, der Kreativität und dem Wirken der Blues-Musik in ganz Mississippi und darüber hinaus
Foto: Daniel Vassel
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Ein Südstaaten-Fan spielt die amerikanische Dobro-Gitarre
Foto: Elke Backert
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Eine typische Südstaaten-Villa (Plakat)
Foto: Elke Backert
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Plakat
Foto: Elke Backert
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Das Grammy-Museum
Foto: Mississippi Tourismus
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Mit „Rocket 88“ spielten Jackie Brenston and his Delta Cats den Titel ein, den viele für den ersten Song des Rock ‘n‘ Roll überhaupt halten. Das war 1951 in Memphis, Tennessee. Am Mischpult saß der spätere Eigentümer des Sun Studio, Sam Phillips, der erst noch zum legendären Entdecker von Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und Johnny Cash werden sollte. Und hinter den „Delta Cats“ verbarg sich der erst 19jährige Ike Turner mit seiner Band „Kings of Rhythms“, später zeitweise der Duo-Partner und Ehemann von Tina Turner. Geprobt hatten die Rhythm & Blues-Musiker in einem Zimmer des Riverside Hotel in Clarksdale, der Heimatstadt Turners und Brenstons im benachbarten Bundesstaat Mississippi. „Rocket 88“ schaffte es sofort zur Nummer eins der „Billboard“-Charts des Rhythm & Blues 1951.

Brenston und das Bandmitglied Raymond Hill, der das wilde Saxophon-Solo in Rocket 88 spielte, liegen auf dem Heavenly Rest Cemetery am „Blues Highway“ 61 bei der winzigen Stadt Lyons nahe Clarksdale begraben. Und vor dem Rathaus von Lyons erinnert seit dem 10. November ein blaues Schild an den Moment, an dem der Rhythm & Blues den Rock ‘n‘ Roll mit einer Rakete in den Orbit der Populärmusik schoss.

Beim Mississippi Blues Trail handelt es sich nicht um eine Reisestraße im europäischen Sinne, die viele Orte in einer Linie miteinander verbindet. Vielmehr geht es darum, den Weg zu wichtigen Orten aus der Geschichte und Gegenwart der Blues-Musik zu weisen, die über den ganzen Staat verstreut liegen: zum Beispiel zur Dockery Plantation, bekannt als der Geburtsort des Blues – oder zum Grab des sagenumwobenen Robert Johnson bei Greenwood, der seine Seele für den Blues dem Teufel verkauft haben soll und anno 1938 wahrscheinlich dem Giftanschlag eines von ihm gehörnten Ehemanns zum Opfer fiel. Eine gedruckte Karte und die App des Mississippi Blues Trail führen zu all diesen Orten, an denen die blauen Info-Tafeln, die „Marker“, Hintergründe erklären. Auf der App und einer Website geht es noch weiter in die Tiefe des Blues mit vielen Hörbeispielen.

Im Jahr 2006 gestartet, kamen zum Mississippi Blues Trail laufend neue Markers hinzu, einige wenige auch außerhalb Mississippis wie an der Beale Street in Memphis, mit ihren vielen Clubs die Blues-Meile der USA. Dass gerade jetzt die 200. Stätte eingeweiht wurde, ist kein Zufall: Der Staat Mississippi wird in diesem Dezember 200 Jahre alt.

Der Tourismusdirektor des Staates Mississippi, Craig Ray, sagte bei der Enthüllung des 200. Marker: „Der Mississippi Blues Trail folgt der Inspiration, der Kreativität und dem Wirken der Bluesmusik in ganz Mississippi und darüber hinaus.“ Zum neuen Info-Schild sagte er: „Unser 200. Marker zeigt nicht nur, wie die Blues-Musik zum Rock ‘n‘ Roll geführt hat, sondern er untermauert auch die Bedeutung Mississippis als ein Geburtsort der Musik Amerikas, während wir den 200. Geburtstag unseres Staates feiern.“

Reiseinfo: Verkehrsbüro Memphis & Mississippi, Tel. 0521-986-0420, www.memphis-mississippi.de, www.msbluestrail.org