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Letzte Aktualisierung: 06.12.2019

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Vor 6000 Jahren: Nachfahren Mesopotamiens bringen Landwirtschaft nach Frankfurt

Oberbürgermeister Feldmann und Stadtrat Josef präsentieren Funde des Denkmalamts in Harheim

von Ilse Romahn

(17.07.2019) Oberbürgermeister Peter Feldmann und Planungsdezernent Mike Josef haben am Dienstag, 16. Juli, gemeinsam mit der Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes, Andrea Hampel, rund 6000 Jahre alte archäologische Funde bei einem Pressetermin vor Ort in Harheim präsentiert.

Oberbürgermeister Feldmann und Stadtrat Mike Josef enthüllen den Schädelfund in Harheim
Foto: Stadt Frankfurt / Bernd Kammerer
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Dort hat das Frankfurter Denkmalamt neben einer keltischen Siedlung auch mehrere steinzeitliche Siedlungen erfasst. In einer der Gruben lag unter anderem ein menschlicher Schädel. Gefunden wurde ein Oberschädel ohne Unterkiefer. Die Fachleute gehen davon aus, dass der Kopf vom Körper abgetrennt, der Unterkiefer entfernt und der Schädel aus unbekannten, wahrscheinlich „kultischen“ Gründen absichtlich deponiert wurde.

„Ich bin immer wieder überrascht, welche bemerkenswerten Funde unser Denkmalamt bei seinen Grabungen im Stadtgebiet macht. Nun wurden Teile des mutmaßlich ersten Frankfurter Landwirts gefunden“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann. „Solche Grabungsfunde helfen uns weiter, unsere Ursprünge und unsere eigene Geschichte besser zu verstehen.“

Planungsdezernent Josef unterstrich, dass es sich um einen außerordentlich seltenen Befund in Frankfurt handelt: „Das zeigt erneut, dass noch viele Schätze im Frankfurter Boden schlummern. Dabei ist es in erster Linie die bauliche Weiterentwicklung, die es uns erlaubt, in den Boden vorzudringen und neue Erkenntnisse über unsere Geschichte zu Tage zu fördern.“ Da auf dem Areal Wohnungen errichtet werden sollen, finden derzeit die gesetzlich vorgeschriebenen archäologischen Grabungen statt. Auf dem Grundstück sollen drei Reihenhäuser und acht Doppelhaushälften errichtet werden.

„Grundsätzlich wurden auch in der Steinzeit Tote auf Friedhöfen beerdigt – allerdings gibt es Ausnahmen“, erläuterte Amtsleiterin Hampel. „In Frankfurt kennen wir zwar über 100 Siedlungen aus diesem Zeitraum, aber bisher keinen nachgewiesenen Friedhof. Etwa zehn Fundstellen mit menschlichen Überresten aus der Jungsteinzeit haben wir im Stadtgebiet bislang entdeckt. Ein einzelner Schädel wirft allerdings viele Fragen auf, die wir noch nicht alle beantworten können. Nach der Bergung werden zahlreiche Untersuchungen folgen, die Alter, Geschlecht und Herkunft der Person klären sollen – und natürlich auch die Frage, wie der Kopf abgetrennt wurde.“ Anhand der Keramikfunde in der Grube gehört der Schädel in die Zeit um 4800 vor Christus. In Frankfurt ist bisher kein Skelett aus dieser Zeit bekannt.

An der Fundstelle befindet sich auch eine ältere Siedlung der sogenannten Linienbandkeramischen Kultur aus der Zeit um 5500 vor Christus als sich in Europa aus Mesopotamien kommend das Konzept und nach neuesten Erkenntnissen auch durch Zuwanderung die sesshafte Lebensweise verbreitete. Die Menschen ließen sich dauerhaft nieder und lösen die Lebensweise der Jäger und Sammler ab. Dabei handelt es sich um einen der bedeutendsten Entwicklungsschritte in der Geschichte der Menschheit, der zu Recht als „neolithischen Revolution“ bezeichnet wird. (ffm)