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Letzte Aktualisierung: 23.04.2019

Von Senioren bis Solar – Stadt Hofheim zeichnet Ehrenamtliche aus

von Adolf Albus

(11.04.2019) Ehrenamtliches Engagement kann ganz unterschiedliche Gesichter haben – so wie bei den sieben Hofheimer Bürgerinnen und Bürgern, die am Dienstag von Bürgermeisterin Gisela Stang und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler mit Ehrennadeln der Stadt Hofheim in Bronze oder Silber ausgezeichnet wurden. Sie setzen oder setzten sich für Kinder, Senioren, ehemals Suchtmittelabhängige sowie nachhaltige Energieerzeugung ein.

Stadtverordnetenvorsteher Hegeler (li.) und Bürgermeisterin Stang (2. v. re.) haben am Dienstag sieben Bürgerinnen und Bürger mit Ehrennadeln ausgezeichnet (v. li.): Michael Schirdewan, Ruth Trippel, Günter Bouffier, Barbara Thielen, Gisela Wolf, Ursula Schröer und Marianne Panke.
Foto: Stadt Hofheim
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Die Ehrennadel in Silber erhielten Marianne Panke für ihr Wirken im Arbeitskreis für tschernobylgeschädigte weißrussische Kinder und Günter Bouffier für seine Tätigkeit im Vorstand des Förderkreises Selbsthilfe im Taunus und der SolarInvest Main-Taunus eG.

Ruth Trippel, Michael Schirdewan, Barbara Thielen, Ursula Schröer und Gisela Wolf wurden für ihren Einsatz im SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. mit der Ehrennadel in Bronze ausgezeichnet.

Die „Hürde“ für eine Auszeichnung mit einer Ehrennadel der Stadt Hofheim liegt hoch.

Für die Ehrennadel in Silber fordert die städtische Ehrungsordnung: 20 Jahre Vorsitz in einem Verein oder 10 Jahre Vorstandsmitglied mehrerer Vereine oder 40 Jahre aktive Tätigkeit in einem Verein.

Die Ehrennadel in Bronze können Bürgerinnen und Bürger erhalten, die sich mindestens 10 Jahre in besonderem Maße ehrenamtlich in sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereichen um das Wohl der Kreisstadt Hofheim am Taunus und seiner Bürgerinnen und Bürger verdient gemacht haben.

Günter Bouffier war insgesamt 24 Jahre ehrenamtlich als Vorstandsmitglied für mehrere Vereine tätig.

Im Förderkreis Selbsthilfe im Taunus engagierte er sich rund 16 Jahre lang, von 1996 bis 2006 im Vorstand und von 2007 bis zur Insolvenz des Vereins „SiT e.V. Selbsthilfe im Taunus“ im Jahr 2012 als Vorstandsvorsitzender.

Der „Förderkreis Selbsthilfe im Taunus“ war der Trägerverein des „SiT e.V.“, der 1984 gegründet wurde, um ehemals Suchtmittelabhängigen dabei zu helfen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und sich wieder in die Gesellschaft – vor allem in das Berufsleben – zu integrieren. Der Verein entwickelte sich über die Jahre hinweg zu einem sozialen Dienstleistungsbetrieb mittelständischer Größe, der sich neben der Integration schwer vermittelbarer Menschen in den Arbeitsmarkt unter anderem auf Schuldner- und

Insolvenzberatung, Schulsozialarbeit zur Sucht- und Gewaltprävention mit dem Theater RequiSiT, betreutes Wohnen sowie die betriebliche Ausbildung Alleinerziehender konzentrierte.

Darüber hinaus gehört Günter Bouffier seit der Gründung im Jahr 2011 dem Vorstand der „SolarInvest Main-Taunus eG“ mit Sitz in Hofheim an. Hier setzt er sich für eine umweltfreundliche, nachhaltige Erzeugung von Energie in der Region ein.

Ein Ziel von „SolarInvest“ ist es, den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Kommunen zu zeigen, dass es sich lohnt, im privaten und kommunalen Sektor nachhaltig und umweltschonend zu agieren. Sie finanziert und betreibt Fotovoltaik-Anlagen und plant und finanziert die Umrüstung von Objekten auf LED-Beleuchtungs-Technik. Aktuell betreibt die Energiegenossenschaft elf Fotovoltaik Anlagen. Mit dem produzierten Strom von 350.000 kWh pro Jahr können rund 100 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden, klimaneutral und regional.

Die Energiegenossenschaft hat aktuell rund 190 Mitglieder. Dazu zählen sechs Kommunen aus dem Main-Taunus-Kreis, der Main-Taunus-Kreis selbst, drei Hofheimer Unternehmen, eine Schule, eine Stiftung und ein Frankfurter Verein. Im Jahr 2016 erhielt die „SolarInvest“ den „Deutschen Solarpreis“, der von „Eurosolar e.V.“ und der Energieagentur NRW verliehen wird.

Für sein kommunalpolitisches Engagement als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung erhielt Günter Bouffier am 21. August 2001 bereits den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Die persönliche Laudatio hielt Dr. Dieter Reuschling.

 

Ruth Trippel, Michael Schirdewan, Barbara Thielen, Ursula Schröer und Gisela Wolf sind seit jeweils mehr als zehn Jahren im SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. aktiv.

Alle engagieren sich insbesondere oder unter anderem für das Angebot „Essen auf Rädern“. In der Organisation oder als aufmerksame und helfende Besucherin oder Besucher sorgen sie dafür, dass Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht selbst kochen können, ein frisch zubereitetes Mittagessen erhalten. Das Essen wird täglich bei der EVIM Service GmbH (Schlockerstiftung) gekocht, die unter anderen Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen beschäftigt.

Zu den Kundinnen und Kunden gehören Menschen, die beispielsweise nach einem Unfall oder Krankenhausaufenthalt vorübergehend selbst nicht kochen können. Sie profitieren von diesem Service genauso wie Menschen, die dies altersbedingt nicht mehr können. Die Ehrenamtlichen von „Essen auf Rädern“ bringen nicht nur eine Mahlzeit, sondern auch Aufmerksamkeit und Neuigkeiten mit. Sie sind oft die ersten, die bemerken, dass die Kundin oder der Kunde den Haushalt alleine nicht mehr bewältigen kann und weitere Hilfe benötigt.

Bürgermeisterin Stang berichtete über die Verdienste von Ruth Trippel, verbunden mit einer persönlichen Laudatio. Ruth Trippel hat sich mehr als 15 Jahre ehrenamtlich für die Belange der Seniorinnen und Senioren in Hofheim eingesetzt. Seit dem 30. August 2003 war sie Mitglied im SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. (SNH) und unterstützte den hauptamtlichen Mitarbeiter Michael Breitenbach.

So brachte sie sich beim Menüservice „Essen auf Rädern“ organisatorisch, kreativ und mit persönlichem Einsatz ein. Ruth Trippel trug dazu bei, dass dieser mobile Dienst erweitert und qualitativ verbessert werden konnte. Ihre Kreativität bewies sie mit originellen Einladungen und Dankschreiben an die Fahrerinnen und Fahrer und mit ihren regelmäßigen Beiträgen in der SNH-Mitgliederzeitung. Sie beriet Seniorinnen und Senioren zu Tagesfahrten und mehrtägigen Reisen, buchte diese und brachte sich mit großem Elan bei der Planung und Durchführung des jährlichen Sommerfestes mit Flohmarkt ein.

Von 2006 bis 2008 war Ruth Trippel Mitglied im SNH-Vorstand und von 2004 bis 2010 Mitglied im Seniorenbeirat. Hier befasste sie sich vor allem damit, wie sich der öffentliche Personennahverkehr für ältere Menschen verbessern lässt.

Die Verdienste der vier weiteren SNH-Mitglieder stellte Stadtverordnetenvorsteher Hegeler dar, und die persönliche Laudatio hielt der Vorsitzende des Vereins, Volkhard Kiesel.

Michael Schirdewan ist seit dem 16. Mai 2007 Mitglied im SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. und engagiert sich seitdem für ältere Vereinsmitglieder. So übernimmt er beispielsweise Fahrdienste, begleitet hilfsbedürftige Menschen zum Arzt oder beim Einkaufen. Von seinem handwerklichen Können und seiner großen Hilfsbereitschaft profitiert der Verein insbesondere in Notfällen und bei Veranstaltungen, die der Verein in den Bereichen Bildung, Sport und Kultur anbietet.

Dem Team „Essen auf Rädern“ gehört Michael Schirdewan seit April 2008 an. Im Jahr 2010 hat er das SNH-Projekt „Schülercoach – Wegbegleiter für Kinder und Jugendliche“ mitgegründet und hat sechs Jahre als ehrenamtliches Teammitglied Schülerinnen und Schüler der Rosenbergschule betreut. Seit Januar 2014 ist Michael Schirdewan stellvertretender Vorstandsvorsitzender des SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V.

Barbara Thielen wurde am 21. April 2004 Mitglied im SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. und setzt sich seitdem ehrenamtlich für ältere Mitmenschen ein. Seit Oktober 2008 ist Barbara Thielen im Team „Essen auf Rädern“ aktiv.

Ursula Schröer engagiert sich seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich für das soziale Netzwerk in Hofheim am Taunus. Seit sie am 17. September 2008 Mitglied im SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. wurde, gehört sie zum Team „Essen auf Rädern“.

Gisela Wolf ist ebenfalls seit dem 17. September 2008 Mitglied im SeniorenNachbarschaftsHilfe e.V. Hier engagiert sie sich vom ersten Tag an ehrenamtlich im Team „Essen auf Rädern“.

 

Über Marianne Panke berichtete Bürgermeisterin Stang. Sie war von 1991 bis 2018 im Arbeitskreis für tschernobylgeschädigte weißrussische Kinder tätig und leitete ihn seit 1998.

Der Arbeitskreis geht auf eine Privatinitiative zurück und entstand unter dem Dach der evangelischen Johannesgemeinde Hofheim. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, jährlich Kindern aus Weißrussland, die durch die Folgen des Reaktorunfalls 1986 gesundheitlich geschwächt sind, drei Wochen Sommerferien in Hofheim zu ermöglichen. Im Jahr 2018 geschah dies bereits zum 26. Mal.

Marianne Panke setzte sich sehr engagiert dafür ein, jedes Jahr Gasteltern für die acht- bis zwölfjährigen Kinder und Sponsoren zur Finanzierung des Aufenthaltes zu finden. Zudem nahm sie selbst jedes Jahr Kinder bei sich auf.

Gemeinsam mit der evangelischen Johannesgemeinde organisierte sie in jedem Jahr ein Ferienprogramm, das von vielen Unternehmen aus Hofheim und dem Main-Taunus-Kreis gesponsert wurde. Sie sammelte Spenden und gewann auch Ärzte und Zahnärzte dafür, die Kinder kostenlos zu behandeln.

Als Leiterin des Arbeitskreises war Marianne Panke unzählige Stunden aktiv, appellierte an die Mitmenschlichkeit ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger und ermutigte sie, Kinder aufzunehmen und den Arbeitskreis zu unterstützen. Über die vielen Jahre hinweg hat sie ein gut funktionierendes Netzwerk mit Firmen, Institutionen und Kirchengemeinden aufgebaut. Sie hielt den Kontakt zu den zwei kleinen Dorfschulen in Lyschtscha und Putschiny, um immer wieder anderen Kindern unbeschwerte Ferienwochen in Hofheim zu ermöglichen, in denen sie ihren Alltag und ihre Krankheiten vergessen und neue Kraft tanken können.

Für ihr ehrenamtliches Engagement im Arbeitskreis für tschernobylgeschädigte weißrussische Kinder erhielt Marianne Panke bereits am 19. Juni 2007 den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Nach 20 Jahren hat Marianne Panke im Dezember 2018 die Leitung des Arbeitskreises an Galina und Eric Roth übergeben, die auch die persönliche Laudatio hielten.