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Letzte Aktualisierung: 25.06.2019

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Viel Geld contra Schinken-Sandwich

„Funny Money“ in der Frankfurter Komödie

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(25.03.2019) Das Publikum dankte zum Schluss der Aufführung mit tosendem Applaus und Bravorufen. Das allerdings war erstaunlich, denn die Komödie von Ray Cooney unter der Regie von Theaterdirektor Claus Helmer war überdreht, hatte teilweise Längen, die sich quälend hinzogen und Teilen der Handlung konnte man kaum mehr folgen.

Francesco Russo, Steffen Wilhelm, Dirk Waanders, Iris Atzwanger, Stefan Schneider, Madeleine Nische
Foto: Helmut Seuffert
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Dass der kleine Buchhalter Henry Perkins (sehr überzeugend Stefan Schneider) in der U-Bahn aus Versehen seine schwarze Aktentasche vertauscht und beim Öffnen nicht das gewohnte Schinken-Sandwich mit Remoulade, sondern 735.000 Pfund in kleinen Scheinen findet, ließ zunächst auf einen unterhaltsamen Abend hoffen.

Henry kommt nach Hause und eröffnet seiner Ehefrau Jean, dass sie einen kleinen Koffer nur mit dem Nötigsten packen soll und bestellt Flugtickets one way nach Barcelona. Er möchte sich mit dem unverhofften Reichtum endlich einmal nichts versagen müssen. Jean ist nicht begeistert. Auch als er ihr das Geld im Aktenkoffer zeigt, möchte sie, dass er es zurück gibt. Schließlich hat ihr Ehemann just an diesem Tag Geburtstag, Freunde sind zum Feiern und Essen eingeladen, und das Brathähnchen brutzelt schon in der Röhre.

Das Bühnenbild (Tom Grasshoff) – ein nett eingerichtetes Wohnzimmer mit Bar-Tisch - wird beherrscht von einem großen geblümten Sofa in der Mitte und eben diesem schwarzen Aktenkoffer, der die große Rolle spielt. Denn neben den eingeladenen Freunden Betty und Vic Johnson (Iris Atzwanger und Dirk Waanders) tauchen nacheinander noch zwei Polizisten auf. Der eine, Davenport (Francesco Russo) versucht, Henry zu erpressen und ist bestechlich. Der andere, Slater (Steffen Wilhelm), hat eine Leiche aus der Themse gefischt, die einen schwarzen Aktenkoffer umklammert hielt. Anhand der Papiere in diesem Koffer wurde die Leiche als Henry Perkins identifiziert. Und diesen zweiten Aktenkoffer mit Papieren und dem Schinken-Sandwich hat er dabei. Zwei Koffer also befinden sich auf der Bühne. Man war gespannt, wann sie aus Versehen ausgetauscht würden. Doch das dauerte!    

Slater will Jean dazu bewegen, im Leichenschauhaus ihren Gatten zu erkennen. Die Handlung wird verwirrender, denn Henry darf ja nicht Henry sein. Der wurde ja – so denkt Slater – in der Themse gefunden. Also erfindet der Hausherr Gründe, warum ein gepackter Koffer dasteht, warum der bestellte Taxifahrer (David Spagna) ständig jemanden zum Flughafen fahren will. Die Freunde werden zu Schwager, Schwester aus Australien, die nach Sidney fliegen wollen, und er erfindet noch andere verwirrende Verwandtschaftsverhältnisse, bei denen der Theaterbesucher  die Übersicht verliert. Und die Erklärungen dazu ziehen sich noch lang hin.

Vergnüglich wird es dann für das Publikum zeitweise, wenn  die völlig überforderte Jean einen Gin nach dem anderen in sich hinein schüttet und betrunken im Pyjama durchs Wohnzimmer torkelt. Aber auch diese Szenen werden viel zu lange bemüht. Während die Perkins` immer wieder von einem mysteriösen Anrufer belästigt  werden, der nach einem „Oktekoff“ fragt, werden die schwarzen Koffer dann endlich  immer mal wieder vertauscht, aus Versehen oder mit Absicht, was Henry zur Verzweiflung treibt.

Nach fast drei Stunden endet „Funny Money“ dann mit einem  Schluss-Gag, der zwar völlig überraschend ist, aber die Frage offen lässt, wie Henry, Jean und Freunde aus dem Schlamassel herauskommen könnten. Die Schauspieler zeigten jedoch alle ihr famoses schauspielerisches Können und hatten sich den Schluss-Applaus redlich verdient.

Die Komödie wird noch bis 12. Mai aufgeführt. (Di-Sa um 20 Uhr, So 18 Uhr, montags spielfrei). Theaterkasse (069)284580 oder www.diekomoedie.de oder auf www.eventim.de