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Letzte Aktualisierung: 23.08.2019

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Verantwortung für das historische Erbe

Bürgermeister Becker und Baudezernent Schneider zeigen Kirchenbaustellen

von Ilse Romahn

(07.08.2019) Zum Unterhalt der acht Innenstadtkirchen hat sich die Stadt Frankfurt am Main bereits im Dotationsvertrag von 1830 verpflichtet. In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Summen in Sanierungsmaßnahmen investiert.

Bildergalerie
Innenansicht der Leonhardskirche
Foto: Stadt Frankfurt / Salome Rössler
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Baudezernent Jan Schneider, Kirchendezernent Uwe Becker, Bruder Paulus Terwitte aus dem Liebfrauenkloster und Christiane Hammel (ABI) in der Liebfrauenkirche
Foto: Stadt Frankfurt / Salome Rössler
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Jetzt wurden wesentliche Arbeiten in der Liebfrauenkirche, in St. Leonhard und am Dom beendet beziehungsweise stehen kurz vor dem Abschluss. „Die Kirchen sind ein bedeutender Teil der Tradition unserer Stadt. Jede ist einzigartig und prägt Frankfurts Stadtbild“, sagte Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker bei einem Rundgang durch die Innenstadtkirchen. „Wir nehmen unsere Verantwortung wahr und pflegen dieses Erbe.“ Baudezernent Jan Schneider betonte, dass denkmalgeschützte Gebäude wie Kirchen im Amt für Bau und Immobilien einen besonderen Stellenwert hätten: „Wir haben erfahrene Expertinnen und Experten, die wissen, wie man sorgfältig mit historischer Bausubstanz umgeht.“

Bereits abgeschlossen ist die Innenrenovierung der Liebfrauenkirche. Seit 2017 wurden in zwei Bauabschnitten unter anderem der Altarraum umgestaltet, Decken restauriert, Beichtstühle modernisiert sowie Beleuchtung und Elektrik erneuert. Außerdem wurde ein Notdach aus der Nachkriegszeit durch ein Glasdach und im klassizistischen Vorbau des Südportals die Betonverglasung von 1968 durch eine Tür nach historischem Vorbild ersetzt. Während der Arbeiten kamen sehr überraschend Mosaike aus der Zeit des Wiederaufbaus in den 50er Jahren mit Darstellung des Leidensweges Christi zum Vorschein. Diese sind nun gereinigt der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde die renovierte Kirche am 16. Juni 2019 eingeweiht. Seitdem werden noch kleinere Restarbeiten erledigt. Insgesamt kostete die Sanierung rund 1,9 Millionen Euro.

Die seit 2011 laufende aufwendige Innenrenovierung der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kirche St. Leonhard steht kurz vor dem Abschluss. Wegen archäologischer Grabungen, die herausragende Ergebnisse brachten, hatte sich das Projekt erheblich verzögert. So wurden die im 15. Jahrhundert entstandene lebensgroße Steinfigur eines Pultträgers und Grabplatten unterschiedlicher Epochen gefunden.

Nach Abschluss der Grabungen wurde das Fußbodenniveau des 16. Jahrhunderts wiederhergestellt und dadurch die gotischen Basen der Pfeiler und Wandsockel freigelegt. Risse in Putz und Wänden wurden beseitigt, die Farbfassung des frühen 16. Jahrhunderts wurde wiederhergestellt. Sämtliche Natursteinteile, die historischen Malereien an Wänden und Gewölbe, die mittelalterlichen Glasfenster im Chor sowie sämtliche Ausstattungsgegenstände wurden restauriert. Der neue Altar ist nach einem künstlerischen Entwurf entstanden. Erneuert wurden Heizung, Elektrik und Beleuchtung. Die aus den 50er Jahren stammende Orgel wurde zerlegt und nach einer technischen Überarbeitung wieder aufgebaut. Nach der feierlichen Einweihung am 18. August sind noch einige Restarbeiten zu erledigen. Ab dem 8. September wird die Kirche vorerst donnerstags bis sonntags für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Gesamtkosten liegen voraussichtlich bei rund 11,5 Millionen Euro. Noch ausstehend ist die statische Ertüchtigung der nördlichen Vorhalle.

Am Dom St. Bartholomäus werden Dach und Fassaden in drei Teilabschnitten saniert. Derzeit läuft der zweite Bauabschnitt, die Sanierung des Langhauses. Dabei werden die Dächer in altdeutscher Schieferdeckung erneuert, die Holzschalung aus den 50er Jahren teilweise ausgetauscht und der Dachstuhl verstärkt. Die Natursteinfassade wird restauriert, der Putz wird erneuert, die aus der Zeit des Wiederaufbaus stammende Verglasung erneuert. Die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts ist für Oktober 2019 vorgesehen. Nach derzeitigem Stand liegen die Kosten bei rund 9,7 Millionen Euro und damit um rund eine Million Euro unter dem bewilligten Budget. Als dritter und letzter Bauabschnitt schließt sich die Sanierung des südlichen Querhauses an. Die niedrigen Baukörper wie die Domvorhalle folgen später. (ffm)