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Letzte Aktualisierung: 11.12.2018

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Sörmland, das Land der Schlösser und Herrenhäuser

von Gesine Unverzagt

(30.05.2017) Es hat sich herumgesprochen, dass Stockholm eine sehr schöne Stadt ist, aber wer kennt schon Sörmland, die Gegend südwestlich von Stockholm mit seinen zahlreichen Schlössern und Seen. Fernsehzuschauern könnte diese schwedische Bilderbuchlandschaft bekannt vorkommen, denn zahlreiche Folgen der Fernsehserie „Inga Lindström“ wurden hier gedreht.

Bildergalerie
Schloss Gripsholm
Foto: Gesine Unverzagt
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Gutshof Julita
Foto: Gesine Unverzagt
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Trosa
Foto: Gesine Unverzagt
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Dufweholms Herrenhaus mit eigenem See
Foto: Gesine Unverzagt
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Nebenhäuser vom Dufweholm Herrenhaus
Foto: Gesine Unverzagt
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Herrenhaus Dufweholm
Foto: Gesine Unverzagt
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Mariefred ll
Foto: Gesine Unverzagt
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Die Reise beginnt im idyllischen Ort Trosa, südlich von Stockholm am Meer gelegen. Unterwegs besuchen wir im dichten Wald das Öster Malma Schloss mit seinem Wildlife Park, beliebtes Ausflugsziel, um in die Tierwelt Schwedens eingeführt zu werden. In ihrer natürlichen Umgebung gibt es dort Elche,  Mufflon, Hirsche, Rehe und diverse Vögel zu sehen. Im Schloss kann der Gast anschließend genüsslich lunchen.

In Trosa übernachte ich im Trosa Stadshotell & Spa, ein historisches Haus, liebevoll und stilvoll restauriert und mit Antiquitäten eingerichtet von den heutigen Besitzern, Agneta und Anders Scharp.

Das Hotel entstand 1872 und wurde schon früh Treffpunkt illustrer Sommergäste aus Stockholm.

Mit einem Hotelfahrrad erkundige ich den Ort. Auf dem kleinen Marktplatz befindet sich das ehemalige Rathaus aus rotem Holz mit Türmchen, heute Sitz der Touristinformation. An dem kleinen Fluss kleben dicht aneinander Holzhäuser der Jahrhundertwende in Pastellfarben, an deren Anleger kleine Holzboote im Wasser dümpeln. Im Hafen liegen nostalgische Fischkutter  neben schnittigen Motorbooten und Segelyachten. Die lange Hafenmole führt weit ins Meer und endet mit einem Steinrondell. „Diesen Platz nennt man das Ende der Welt“, erklärt mir eine junge Frau, mit der ich ins Gespräch komme. Es herrscht eine völlig entspannte Stimmung in schwedischer Idylle.

Nicht weit entfernt besuche ich Schloss Sparreholm aus dem Jahr 1630, ein Privatbesitz auf einer Halbinsel. Nur im Juli und August ist das historische Schloss zu besichtigen, das sonst Veranstaltungsort für Feste ist. Es lohnt ein Spaziergang im herrlichen Schlossgarten und eine Führung in die Nebengebäude , die von dem heutigen Schlossherren, Helge Karinen,  zu einem der größten Technologiemuseen Europas umfunktioniert wurde. Über 250 Oldtimer, historische Motorräder, Fahrräder, Flugzeuge, Radios, uralte Plattenspieler und blinkende Wurlitzer Musikboxen und vieles mehr werden hier ausgestellt. Es ist fantastisch, stundenlang die Fundstücke einer lebenslangen Sammelleidenschaft in den mehrstöckigen Häusern bewundern zu können.

Gutshof Julita ist eine riesige Herrenhausanlage am See Öljaren. In dem heutigen Open-Air-Museum  zeigt sich, wie ein Großgrundbesitz Anfang des 20.Jh. aussah. Auf 2200 Hektar Land ist Julita ein Gutshof mit Herrenhaus, Ställe, Molkerei, Ziegelei, Sägewerk, Katen und Landarbeiterwohnungen. Begleitet von Maria Ingras, eine engagierte Archäologin, schlendere ich durch die weitläufige Parkanlage, inhalieren den Duft der  290 Apfelbäume, besichtige das Herrenhaus und die Gesindehäuser und tauchen ein in die Historie dieser wunderbaren Anlage. Besonders hübsch ist die kleine Kirche aus rotem Holz, in der Romantiker gern heiraten, wie Maria erzählt.

Ebenfalls historisch ist das Hotel Dufweholms Herrgård, ein Herrenhaus in gelb aus  dem Jahr 1485 am Dufweholm See gelegen. Nach einem erfrischenden Bad im See werde ich im Restaurant mit Köstlichkeiten aus ökologischem Anbau verwöhnt.

Highlight einer Reise zu den Schlössern Sörmlands ist zweifellos Schloss Gripsholm in Mariefred am Mälarsee. Das Schloss, das eher einer Burg ähnelt, wurde 1537 von Gustaf  Wasa erbaut und besitzt Möbel und Kunsthandwerk aus vier Jahrhunderten. Das Schloss ist berühmt für eine umfangreiche Gemäldegalerie und für sein Theater aus dem 18. Jh. Den besten Blick auf die Burg hat man von dem ältesten Gästehaus Schwedens Gripsholms Värdshaus & Hotell, ein ehemaliges Kloster aus dem 17.Jh., heute beliebt wegen der guten Küche.

In Mariefred mit seinen engen Gassen, gesäumt von historischen Holzhäusern, fühlte sich Kurt Tucholsky besonders wohl und verewigte Schloss Gripsholm in seinem gleichnamigen Roman. Nach seinem Tod wurde die Asche 1936 auf dem Friedhof von Mariefred beigesetzt.

Vor meiner Abreise wird mir empfohlen, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees Mälaren das Schloss Taxinge zu besuchen. Es ist Samstag und ich wundere mich über den Andrang zahlreicher Besucher. Anne-Marie Flimmerstad, die Eigentümerin, erwartet mich und führt mich ins Schloss. In langen Schlangen warten Besucher an einem langen Kuchenbüffet auf ihren Einsatz. Die Schweden lieben Kuchen - dies ist das Paradies. Anne-Marie erzählt mir ihre Geschichte, wie sie und ihr Mann diese Schloss kauften, es restaurierten bis ihnen das Geld ausging. Dann hatte sie die Idee mit dem Kuchen, womit sie Besucher zu einem Ausflug in die wunderschöne Landschaft  zum „Kuchenschloss“ einlud. „Im Sommer kommen am Wochenende 1000 bis 1200 Besucher, im Winter ist nur am Wochenende geöffnet.“ Sie beschäftigt vier Bäcker für 65 unterschiedliche Kuchen, Weihnachten sogar 80 Sorten.

Zum Abschied übergibt Anne-Marie mir ein kleines Päckchen mit der berühmten Prinzessinentorte und einer schwedischen Zimtschnecke. „Damit du die Zugfahrt nach Stockholm ein bisschen genießen kannst,“ verabschiedet sie sich.

Infos über: www.visitsweden.com und www.visitsormland.com