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Letzte Aktualisierung: 22.01.2019

Neujahrsgrußwort von Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler und Oberbürgermeister Peter Feldmann

von Ilse Romahn

(02.01.2019) Liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, in diesem Jahr hat sich Frankfurt von seiner schillerndsten, seiner bewegendsten und seiner emotionalsten Seite gezeigt: Die Eröffnung der neuen Altstadt und der DFB-Pokalgewinn der Frankfurter Eintracht wurden jeweils von Zehntausenden mit einem rauschenden Fest auf dem Römerberg gefeiert.

Peter Feldmann und Stephan Siegler
Foto: Stadt Frankfurt
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Selten hat die Stadt solche Gänsehaut-Momente und ein solches Wir-Gefühl erlebt. Darin zeigt sich auch, wie einig sich ganz Frankfurt ist, wenn es drauf ankommt: Beim Altstadtfest und dem Pokalempfang feierten alle gemeinsam, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer sozialen Stellung und ihrem Einkommen.

Frankfurt ist eins: Ob auf dem Weihnachtsmarkt, beim Mainuferfest, den diversen Straßenfesten, beim Wäldchestag oder auf der Dippemess: Die Frankfurter finden stets einen Anlass, um ihren gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zelebrieren. Das ist auch einer der Gründe, weshalb für Spalter und Demagogen, die an den rechten Rändern fischen, in dieser bunten und vielfältigen Stadt kein Platz ist. Es ist ebenfalls kein Zufall, dass eine Bewegung wie Pulse of Europe in Frankfurt ihren Ursprung hat. Mit der spektakulären Beleuchtung der Paulskirche zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember hat die Stadt ein weithin beachtetes Zeichen gesetzt, dass die Würde des Einzelnen unantastbar ist.

Die originalgetreu rekonstruierte Altstadt ist seit ihrer Eröffnung im Sommer 2018 binnen kürzester Zeit zu einem wahren Publikumsmagneten avanciert. Das historische Herz auf dem Domhügel, die KAISERPFALZ franconofurd, meldete im Dezember nach nur wenigen Monaten ihren 300.000 Besucher. Im kommenden Jahr werden nach den Touristen und Anwohnern auch die ersten Geschäfte sowie das Struwwelpeter-Museum das neue Quartier im Herzen der Innenstadt mit Leben füllen.

Doch 2018 wurde nicht nur gefeiert, sondern auch getrauert: Durch den Tod von Hilmar Hoffmann und Max Weinberg hat die Stadt Frankfurt zwei Kulturpioniere verloren, deren immense Schaffenskraft sich auch aus den verheerenden Ereignissen des Zweiten Weltkrieges gespeist hat. Hilmar Hoffmann hat der Stadt in seinem Streben nach Kultur das Museumsufer geschenkt und Frankfurt zur Kulturmetropole ersten Ranges geformt. Max Weinberg, der kürzlich posthum mit der Goetheplakette geehrt wurde, war der lebende Beweis, dass es Kreativität und Phantasie braucht, um schreckliche Erfahrungen auf positive Weise zu verarbeiten und in Kunst zu verwandeln. Ohne herausragende Persönlichkeiten wie Hoffman und Weinberg wäre Frankfurt heute nicht jene spannende und lebenswerte Stadt, wie wir sie kennen. Doch auch der tragische Tod des erst 17-jährigen Mustafa Alptuğ Sözen, der sein Leben ließ, um einem anderen Menschen aus dem Gleisbett der S-Bahn-Station Ostendstraße zu helfen, bewegte viele Frankfurter. Der Magistrat der Stadt Frankfurt wird sich dafür einsetzen, dass Mustafa Alptuğ Sözen ein angemessenes Denkmal gesetzt wird.

Ob die Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt, die Schaffung des dringend benötigten bezahlbaren Wohnraumes, die Investition in die Bildungslandschaft und in den öffentlichen Nahverkehr: Im Jahr 2018 dominierten allerorten die Baukräne und Großbaustellen das Stadtbild: Dank ihrer Attraktivität und Wirtschaftskraft ist Frankfurts eine rasch wachsende Metropole, deren infrastruktureller Ausbau mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten muss. Schon bald wird die Stadt offiziell ihren 750.000 Bewohner begrüßen.

Diesen Prozess ohne Wachstumsschmerzen zu meistern, war in den vergangenen Jahren die zentrale Herausforderung für uns und wird es auch im nächsten Jahr bleiben. Frankfurts Politiker wissen um die Nöte der Frankfurterinnen und Frankfurter. Die Stadtregierung hat sich deshalb jüngst auf ein umfassendes Maßnahmenpaket verständigt, das den Zugang zu Kultur für Kinder und Jugendliche, den kostenlosen Eintritt in Schwimmbäder für Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr und den Bau sowie die Förderung bezahlbarer Wohnungen umfasst.

Auch finanziell kann Frankfurt trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf ein solides Haushaltsjahr 2018 zurückblicken. Zum Stichtag am 10. Dezember 2018 lagen die Gewerbesteuereinnahmen bei 1,9 Milliarden Euro. Trotz eines Defizits in dreistelliger Millionenhöhe kann die Stadt noch von ihren Rücklagen zehren und in dringend erforderliche Infrastrukturprojekte investieren, die auch künftig ein gedeihliches Stadtwachstum sicherstellen werden. Gleichwohl ist klar, dass Stadtverordnetenversammlung und Magistrat auch im kommenden Jahr mit vereinten Kräften daran arbeiten müssen, soziale Härten abzufedern und den sozialen Zusammenhalt innerhalb Frankfurts weiter zu fördern. Frankfurts Ehrenamtler, ob im Sportverein, im Jugendverband oder mit städtischem Mandat, machen einen herausragenden Job. Ihnen gebührt großer Dank für das Geleistete und ein ermutigendes „Weiter so“, damit sie auch im kommenden Jahr ihre wertvolle Arbeit fortsetzen.

Wir leben in einer Zeit der radikalen Umbrüche und schwindenden Gewissheiten. Europa steht nicht nur mit dem bevorstehenden Brexit vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte. Auch in Deutschland werden die Stimmen vom rechten Rand laut. Frankfurt ist aufgrund seiner speziellen Mischung aus wirtschaftlicher Stärke, kultureller Vielfalt und bürgerlichem Engagement ein besonderer Ort, an dem gesellschaftliche Spannungen weitaus weniger deutlich zutage treten als anderenorts. Doch die Verantwortlichen unserer Stadt wissen, dass sie das besondere Klima dieser Stadtgesellschaft hegen und pflegen müssen, damit sich Frankfurt auch in Zukunft auf positive Weise in Sachen Vielfalt und Toleranz von anderen Städten unterscheidet.

2019 bringt für die Stadtverwaltung eine Vielzahl an Großprojekten mit sich, die es zu bewältigen gilt: Neben der Entscheidung über Form und Umfang der anstehenden Sanierung der Paulskirche gilt es, die sinnvolle Arrondierung des Grüngürtels voranzutreiben. Nicht zu vergessen sind der Klinikneubau in Höchst und die fortschreitende Sanierung des Bolongaropalastes. All das werden Aufgaben sein, die es auf pragmatische und kreative Weise anzupacken gilt. Es gilt, sich hierbei nicht von parteipolitischen Dogmen treiben zu lassen, sondern im Interesse aller Frankfurterinnen und Frankfurter kluge und zukunftsfähige Konzepte zu erarbeiten.

Auch feiern die Stadt und die Ernst-May-Gesellschaft im Jahr 2019 das 100-jährige Bestehen des Neuen Frankfurts. Dieses Jubiläum ist umso besser erlebbar, als viele von Ernst May ersonnene Siedlungen noch heute für den avantgardistischen Planungsansatz stehen, mit denen Frankfurt bereits vor einem Jahrhundert für Furore sorgte.

Liebe Frankfurterinnen und Frankfurter, wir wünschen Ihnen einen guten Start ins Jahr 2019, Glück, Erfolg, Gesundheit und Frieden.

Stephan Siegler, Stadtverordnetenvorsteher und  Peter Feldmann, Oberbürgermeister