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Letzte Aktualisierung: 18.07.2019

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Kriftels Weingartenschüler für Nachhaltigkeit

Ehemaliger Weingartenschüler startet Projekt „Bäume zu Kartons, Kartons zu Bäumen“

von Adolf Albus

(11.04.2019) Was braucht es eigentlich, um unsere Welt ein bisschen besser werden zu lassen? Lärmende Demos, auf denen handgemalte Plakate in die Luft gestemmt werden? Schulferne Freitage? Nicht unbedingt.

O.Prusko setzt Ahorne
Foto: Gemeinde Kriftel
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Manchmal reichen 12 x 25 x 12 Zentimeter. Das ist in etwa die Größe eines der recyclebaren Kartons von der in Kriftel ansässigen Firma A&R Karton, in der sich am Ende kleine Setzlinge des japanischen Fächerahorns  befinden. Die Krifteler Gärtnerei Tropica hat sie gestiftet, und die Pflanzen werden in der Weingartenschule künftig als anschauliche Beispiele für einen ökologischen Kreislauf dienen. Ganz nebenbei sollen auch die Bienen profitieren.

 

Bäume zu Kartons, Kartons zu Bäumen

Etwa 26 Schüler einer  5. Realschulklasse sitzen am Dienstag, den 2. April, in der 5. Stunde erwartungsfroh im Biologieraum der Weingartenschule (WGS). Nach der Begrüßung durch Realschulzweigleiter und Biologielehrer Dr. Christoph Richter haben die Profis das Wort: Gekommen sind der ehemalige Weingartenschüler Melvyn Irmer, mittlerweile Logistics Manager der Firma A&R Carton, der das Projekt TICCIT an diesem Tag als Premiere für Deutschland ins Leben gerufen hat. TICCIT (ausgesprochen „tick-it“)  ist eine englische Abkürzung und steht  für „Trees in Carton - Carton in Trees“, wie Irmer in seiner Einführung ausführt.

In dem pädagogischen Projekt „Bäume zu Kartons, Kartons zu Bäumen“ geht es um Bäume, Nachhaltigkeit und die Umwelt. Es wurde vom Paperboard Packaging Council in Amerika eingeführt. „Mittlerweile haben schon über 100.000 Kinder an dem Programm teilgenommen, und es hat sich als großer Erfolg erwiesen“, so Irmer. Nach einem Probelauf in Großbritannien und den Niederlanden wird das TICCIT-Programm nun erstmals auch in Deutschland eingeführt. Und zwar im ersten Stock der Weingartenschule, in Raum 132.

Melvyn Irmer erzählt den gespannten Kindern vom  „Lebenszyklus eines Kartons“ und vermittelt dabei Wissen über Bäume, Recycling und Papier. „Wir machen Karton aus Bäumen, ihr macht Bäume aus Karton“, ist das Motto. Ein faszinierender Kreislauf, bei dem jeder mitmachen kann. Die Schülerinnen und Schüler sind aufmerksam dabei, stellen Fragen, machen Vorschläge. Das Thema kommt an.

 

Brummer verstummen

Auch die Wichtigkeit der Bienen als Bestäuber von Obst wird schnell anschaulich in Irmers Einführung. Hier dient China den kleinen Forschern als abschreckendes Beispiel. „Stellt euch vor: In China müssen Menschen die Bäume von Hand bestäuben“,  erläutert Irmer. Tatsächlich sind dort durch den drastischen Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft die Bienen ausgerottet worden. „Unglaublich!“, raunt es durch den Raum. Spätestens jetzt wollen alle etwas tun, und so beginnt der schönste Teil des Projekts.

 

Was einen Namen hat, muss leben

Die Fünftklässler werden in zwei Gruppen eingeteilt und von der Tropica-Gärtnerin Jessica Dörr und dem Mitgeschäftsführer Oliver Prusko kundig angeleitet, ihren eigenen von Tropica gestifteten Baumsetzling in einem Karton anzupflanzen. Das macht sichtlich Spaß. Erfüllend und sinnstiftend ist es augenscheinlich, mit Schaufel, Erde und Gießkanne zu hantieren. Am Ende seiner Handarbeit hält jedes Kind stolz seinen Karton mit dem pinkfarbenen Fächerahorn in der Hand.

Den Mädchen gefällt schon mal die Farbe gut, und es werden erste Namen an die Pflanzen verteilt. So wird der „Acer palmatum“, wie der Fächerahorn auf Lateinisch heißt, schnell mal in „Eileen“ oder „Vera“ umbenannt. „Was einen Namen hat, muss leben“, wie eine aufgeweckte Fünftklässlerin bemerkt. Das passt gut ins Konzept. Denn die Kinder können ihren persönlichen „Robin“ später im Karton mit nach Hause nehmen und dort, weil Papier biologisch abbaubar ist, auch darin auspflanzen. Da werden die Freunde aus der Nachbarschaft Augen machen.

 

Hotel für die Bienen

Draußen, im Innenhofgarten, ist derweil Jessica Dörr mit der zweiten Schülergruppe damit beschäftigt, ein sogenanntes Bienenhotel einzurichten. Da werden Samen in einen mehrstöckigen Pflanzenbaum mit Gefäßen ausgesät, die Bienen und andere Nützlinge anlocken sollen. „Besser als jedes Computerspiel“, sagt einer der kleinen Naturschützer, und nicht nur diese Bemerkung gibt Anlass zur Hoffnung.

„Erfreulicherweise ist das Interesse an Natur und Leben schon in jungem Alter sehr groß“, bemerkt Sarah Brase, die als Biologielehrerin die Aktion unterstützt. Seit Januar haben sie und ihre Schüler sich auf das TICCIT-Projekt vorbereitet, seit 2016 ist die „Weingärtchen-AG“ ein gerne besuchter Teil des Nachmittagsprogramms der Weingartenschule.

„Gestern erst haben wir in dem Innenhofgarten unserer Schule das Gartenhaus fertiggebaut“, freut sich Tim Loewe aus der R5a. Man merkt, wie gut es den Kindern tut, sich mit der Natur zu beschäftigen. Das ist ein erwünschter Nebeneffekt des Projekts. So besteht eine gute Chance, dass diese Kinder zu jungen Menschen mit einem Umweltgewissen heranwachsen. Zwei Schulstunden haben den Schülern gezeigt, wie sie durch Recycling und umweltfreundliches Handeln etwas auf der Welt verändern können. Alexander van de Loo