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Letzte Aktualisierung: 15.07.2019

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ISG-Syndrom: Kreuzschmerzen auf der Spur

Anzeichen, Ursachen und Therapien im Überblick

von Ilse Romahn

(04.07.2019) Als Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken dient das Iliosakralgelenk, kurz ISG, als eine Art Pufferzone und übernimmt belastungsausgleichende als auch stabilisierende Funktionen. Fallen Betroffene jedoch unglücklich auf das Gesäß, sei es beim Sport oder durch eine Unachtsamkeit, genügt dies oftmals, das ISG schmerzhaft zu blockieren.

IGS-Symdrom i-Fuse-Implantat
Foto: SI-BONE, Inc.
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Wie sich ein sogenanntes ISG-Syndrom äußert und wann Behandlungsformen wie Physiotherapie oder gar ein operativer Eingriff mit kleinen Dreiecksimplantaten zum Einsatz kommen, erklärt Dr. med. Abdi Afsah, Facharzt für Neurochirurgie, aus der Neurochirurgischen Gemeinschaftspraxis Wiesbaden.

Was sind typische Schmerzauslöser?
„Zu den häufigen Ursachen eines ISG-Syndroms zählen ein Sturz, meist auf das Gesäß, oder ein unerwarteter Tritt ins Leere – etwa beim Übersehen von Treppenstufen. Langwierige Beckenfehlstellungen können ebenfalls zu einer Überbelastung mit anschließender Instabilität des Iliosakralgelenks führen. Auch während und nach Schwangerschaften kann es durch die hormonell bedingte Lockerung der Bänder und Sehnen zu einer schmerzhaften Blockierung des Gelenks kommen. In manchen Fällen lassen sich zudem entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder eine Arthrose als Auslöser der Beschwerden diagnostizieren. Diese Krankheitsbilder lassen sich unter dem Oberbegriff der ISG-Arthropathie, also der ‚Erkrankung des Gelenks‘ zusammenfassen.“

Woran erkennen Betroffene ein ISG-Syndrom?
„Bei einem ISG-Syndrom empfinden Patienten meist einseitige, ziehende Schmerzen im unteren Rücken, die häufig auch in Bein oder Leiste ausstrahlen. Diese treten verstärkt beim Anziehen des Beines, beispielsweise beim Treppensteigen, auf und verschlimmern sich in sitzender oder liegender Position. Aufgrund vergleichbarer Symptomatik werden die Beschwerden oftmals mit denen eines Bandscheibenvorfalls verwechselt.“

Wann ist es Zeit, einen Arzt aufzusuchen?
„Lassen sich Schmerzen durch Bewegung oder Wärme nicht innerhalb weniger Tage dauerhaft lindern, sollten Patienten einen Termin bei einem Fachmediziner vereinbaren. Mithilfe von CT-gesteuerten Injektionen direkt in das Iliosakralgelenk oder sogenannten Provokationstests, die über bestimmte Bewegungsabläufe Schmerzen im ISG provozieren, lässt sich der wahre Auslöser schnell identifizieren.“

Welche Therapiemöglichkeiten können Abhilfe schaffen?
„Bei leichten Beschwerden können Betroffene bereits mit körperlicher Bewegung wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren für Abhilfe sorgen. Zudem empfehlen sich physiotherapeutische, manualtherapeutische und insbesondere muskelaufbauende Maßnahmen, um die gestörte Gelenkfunktion zu stabilisieren und eine normale Beweglichkeit wiederherzustellen. Auch die CT-gesteuerte Infiltrationstherapie oder Denervation des Gelenks, bei der die schmerzleitenden Nervenbahnen mittels Hitze unterbrochen werden, verschaffen kurzeitig Linderung. Sollten diese konservativen Therapiebausteine jedoch nicht ausreichen, kommt für bestimmte Patienten eine minimalinvasive Behandlung infrage, die das Gelenk mit sogenannten iFuse-Implantaten langfristig stabilisiert. Aufgrund der dreieckigen Form und porösen Oberflächenbeschaffenheit wachsen die Titanstäbchen schnell ein. Die Kosten des Eingriffs werden von den Krankenkassen übernommen.“

Welche Folgen kann ein ISG-Syndrom mit sich bringen?
„Langwierige Beschwerden im Iliosakralgelenk münden häufig in chronische Schmerzen. Diese entstehen vermehrt durch eine Instabilität des Gelenks oder eine einseitige Fehlbelastung, die wiederum die gesamte Körperhaltung beeinträchtigen. Bleibt das ISG unbehandelt, schränkt sich die Beweglichkeit der Betroffenen zunehmend ein, was ihre Lebensqualität oft stark verschlechtert.“

Weitere Informationen unter www.si-bone.de oder www.neurochirurgie-rheinmain.de