Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

Werbung
Werbung

Investoren präsentierten Bebauungskonzepte für das „Krifteler Wäldchen“

Offene Höfe und große Glasflächen - 200 Interessierte kamen in die Kleine Schwarzbachhalle

von Adolf Albus

(17.05.2019) Schon seit einigen Jahren möchte die Gemeinde Kriftel gerne die Voraussetzungen dafür schaffen, dass auf dem rund 14 Hektar großen Areal zwischen Bahngleisen und Autobahn Wohnraum und Gewerbe entwickelt werden kann.

Da der Gemeinde in diesem Gebiet (Krifteler Wäldchen) nur wenige Grundstücke gehören, steht sie beziehungsweise die mit dem Ankauf beauftragte Hessische Landgesellschaft (HLG) schon seit Jahren in Verhandlungen mit den rund 70 Eigentümern der Grundstücke. Etliche Eigentümergespräche und Versammlungen mit den Eigentümern wurden geführt, ein Bebauungsplan-Vorentwurf mit Gesamtkalkulation erstellt und auch die Fragen des Lärmschutzes zur Bahn hin mussten berücksichtigt werden. Geplant ist eine "Lärmschutz-Bebauung" entlang der Gleise, die Voraussetzung, um das Gebiet weiter entwickeln zu können.

Für das von der Gemeinde ausgelobte Investorenauswahlverfahren wurden nach einem vorgeschalteten Markterkundungsverfahren vier Investoren ausgewählt. Drei davon haben Ende März ihre Unterlagen bei der Gemeinde fristgemäß eingereicht - und nun vergangene Woche in der Kleinen Schwarzbachhalle ihre Bebauungskonzepte vorgestellt.

 

Lärmproblematik clever lösen

Dass die Gemeinde Kriftel „großen Wert auf die städtebauliche und architektonische Qualität der zukünftigen Bebauung mit ihrer gestalterischen Wirkung für das Gesamtgebiet ‚Am Krifteler Wäldchen‘ legt“, betonte Baudezernent Franz Jirasek in seiner Einführung. Vertreter der drei ausgewählten teilnehmenden Unternehmen am Investorenauswahlverfahren - die BPD Immobilienentwicklung, die Nassauische Heimstätte (mehrheitlich in Besitz des Landes Hessen) und die ARGE Orban, Weiss, Wilma und ABG – präsentierten dann ihre kreativen Ideen und Konzepte. In der mit etwa 200 Besuchern gut gefüllten Kleinen Schwarzbachhalle, darunter viele private Eigentümer, wurden so Ähnlichkeiten und Unterschiede der Ideen sichtbar.

Aufgrund der Gegebenheiten vor Ort mussten sich alle drei Entwürfe mit dem 400 Meter langen "Riegel", der das "Krifteler Wäldchen" vor der Lärmbelästigung von Bahn und Autobahn schützen und zusätzlich ästhetisch ansprechenden Wohnraum schaffen soll, auseinander setzen. Da es aus schallschutztechnischen Gründen erforderlich ist, den Riegel geschlossen zu halten, mussten die Präsentierenden in die architektonische Trickkiste greifen. Durch Vor- und Rücksprünge, offene Höfe und große Glasflächen ist in allen drei Entwürfen der Eindruck eines interessant strukturierten Baukörpers mit innen liegenden, grünen Freiflächen entstanden.

Der Entwurf der BPD Immobilienentwicklung sieht eine Gliederung in fünf Baukörper vor. Fünf Meter breite und zehn Meter hohe Glaselemente dazwischen sollen für Transparenz  und Leichtigkeit stehen und ein „Heimatgefühl“ aufkommen lassen. Eine einladende Gebietszufahrt soll Besucher und Bewohner willkommen heißen. Die BPD fasste ihren Entwurf unter der Überschrift  „Spannung durch Abwechslung“  zusammen.

Das Konzept der Nassauischen Heimstätte versuchte dagegen als auffälligstes Merkmal mit zehn farblich unterschiedlich gestalteten „Obstgartenhöfen“ zwischen den Baukörpern zu punkten. Jeder Hof soll hier nach einer Obstsorte benannt (zum Beispiel „Birnenhof“), demensprechend farblich abgestimmt werden und so die Bewohner identitätsstiftend mit der Gemeinde Kriftel verbinden. Die Nordfassade soll hier begrünt werden.

Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Orban, Weiss, Wilma, ABG gliedert den Baukörper ähnlich wie in dem Vorschlag der BPD, nur dass hier Wert (auch von der Höhe der Gebäude) auf die Eingliederung in die örtliche Struktur gelegt wurde. Die Balkone haben hier zwei Sichtachsen: nach vorne zu den unterschiedlich gestalteten Innenhöfen und nach hinten mit großen Glaswänden, durchlässig für Sonne und Licht.

 

Grüne Höfe, Mobilität und soziale Räume

Unterschiedlich gestaltete und angelegte Innenhöfe gab es in allen drei Entwürfen.

In der Theorie soll man sich dort treffen, spielen, sich unterhalten - kurz soziale Erlebnisräume sollen entstehen, in denen sich die Bewohner interaktiv begegnen. Das Parkproblem wurde einheitlich gelöst: Tiefgaragen lassen Autos unsichtbar werden. An 400 Stellplätze für die etwa 200 Wohneinheiten ist gedacht. Auch auf E-Mobiltät und Fahrradservice wurde Wert gelegt, ebenso auf Park&Ride, book’n’drive und Strombetankungs-Stationen.

Für den Platz, der an der Westseite des „Riegels“ zum Krifteler Bahnhof liegt, gab es unterschiedliche Konzepte: Von einem markanten Bürohaus, das mit seinem geschwungenen runden Fensterbändern an das in den 20er Jahren in Frankfurt praktizierte „Neue Bauen“ erinnert, bis hin zu einem kleineren Platz mit Pavillon, Café und Bäckerei war die Bandbreite der Ideen groß.

 

Nachbesserungen möglich

Zwei Tage nach der Präsentation war dann ein Bewertungsgremium zusammenkommen, dem Diplom-Ingenieur Stefan Kornmann vom Planungsbüro Speer + Partner aus Frankfurt, Professor Michael Spies von der Hochschule Mainz, der Erste Beigeordnete und Baudezernent Franz Jirasek, der Leiter des Fachbereichs Bauen im Rathaus, Christof Brandis, der Vorsitzende des Planungsausschusses, Alexander Feist, zwei Mitglieder des Gemeindevorstandes sowie Vertreter der vier Fraktionen angehörten. Nach intensiven Gesprächen hat es eine Empfehlung erarbeitet, die nun Grundlage eines Beschlussvorschlags ist. Dieser wird den Gemeindevertretern in der nächsten Ausschussrunde Anfang Juni vorgelegt. Es besteht dann auch die Möglichkeit einer Nachbesserung der Entwürfe.

Die Entscheidung der Gemeindevertretung wird dann dazu führen, dass der Bebauungsplan weiterentwickelt und die Kostenkalkulation für das Gebiet „Am Krifteler Wäldchen“ überarbeitet werden kann. „Dann  kann den Grundstückseigentümern ein gutes, verbessertes Angebot für den Ankauf der Grundstücke gemacht werden“, betont der Erste Beigeordnete Franz Jirasek. Die nächste Eigentümerversammlung wird voraussichtlich nach den Sommerferien im Herbst stattfinden. Alexander van de Loo