Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

Werbung
Werbung

Fritz-Boehle-Ausstellung in der Frankfurter Paulskirche

von Ilse Romahn

(18.04.2017) Das Wirken des Künstlers Fritz Boehle (1873 – 1916) steht im Mittelpunkt einer Retrospektive in der Frankfurter Paulskirche, die am Mittwoch, 19. April, um 18 Uhr von Bürgermeister Uwe Becker eröffnet wird. Dr. Robert Bock, Kunsthistoriker und Leiter der AusstellungsHalle 1A in Sachsenhausen wird in das Werk von Fritz Boehle einführen.

In der Ausstellung wird Fritz Boehle, der als Künstler in der Mainmetropole sichtbar seine Spuren hinterlassen hat und eng mit Sachsenhausen verbunden war, als Maler, Zeichner, Radierer und Bildhauer gewürdigt. Anlass ist der 100. Todestag des Künstlers in 2016. Die Retrospektive zeigt rund 50 Werke von Fritz Boehle. Der langjährige Boehle-Sammler Karl Günther, Pfarrer i.R. aus Emmendingen, dem Geburtsort des Künstlers, stellt mit 35 Exponaten einen Großteil der ausgestellten Werke zur Verfügung. Außerdem werden fünf Leihgaben der Stadt Emmendingen gezeigt. Auch Werke von Zeitgenossen, denen Boehle begegnete - wie dem Frankfurter Maler und Karikaturisten Lino Salini (1889 – 1944), der ihn porträtierte - ergänzen die Präsentation. Initiator der Retrospektive ist die Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei, die 2018 ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Boehle, der als Karl Friedrich Boehle im badischen Emmendingen geboren wurde, zog schon früh mit seiner Familie nach Frankfurt, wo er von 1886 bis 1892 Malen, Zeichnen und Bildhauerei am Städelschen Kunstinstitut (heute Städelschule) studierte. Im Anschluss zog es ihn zunächst für mehrere Jahre nach München. Dort setzte er seine Studien fort und kam mit Künstlern und Architekten der bayerischen Hauptstadt in Kontakt, mit denen er sich austauschte. 1897 kehrte Boehle endgültig nach Frankfurt zurück und wählte die Stadt als seinen ständigen Wohnsitz. In Conrad Binding, dem Gründer der Binding-Brauerei, fand er einen Mäzen und Freund. Oftmals, so heißt es, lieh sich Boehle Pferde der Brauerei aus, die er zeichnet und malte. Diese Pferde sind häufig wiederkehrendes Motiv in seinen Arbeiten. Seine Werke erfreuten sich zu seinen Lebzeiten großer Beliebtheit, die Stadt kaufte ihm mehrere Gemälde ab, um sie in der Städelschen Galerie zu zeigen. In vielen gutbürgerlichen Haushalten fand sich zu jener Zeit mindestens ein Boehle an der Wand.

Der Künstler hatte sein Atelier zunächst im Deutschordenshaus in Sachsenhausen, wo er unter anderem an einem Reiterstandbild Karls des Großen arbeitete, das als Denkmal auf der Alten Brücke aufgestellt werden sollte. Dieses Vorhaben wurde jedoch nie verwirklicht, da die Alte Brücke 1914 abgerissen wurde. Die Binding-Brauerei erwarb ein noch erhaltenes Plastilinmodell des Entwurfes des Reiterstandbildes und ließ hiervon 1965 eine Statue anfertigen – den „Carolus-Reiter“. Mitte der 1970er Jahre stiftete das Unternehmen die Statue, um sie der Frankfurter Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es ist heute das Reiterstandbild des Carolus-Brunnens am Sachsenhäuser Wendelsplatz. Neben dem „Carolus-Reiter“ steht eine weitere bildhauerische Arbeit des Künstlers im öffentlichen Raum: Der „Schreitende Stier“ im Güntherburgpark.

Boehle liebte Sachsenhausen und genoss das Flair der alten Apfelweinkneipen, in die er sich häufig nach getaner Arbeit begab. Er gilt als „Ur-Frankfurter im Herzen“ und sprach grundsätzlich nur frankforderisch. Aufgrund einer Erkrankung starb Boehle mit nur 48 Jahren im Jahr 1916. Er hinterließ über 100 Gemälde und über 200 druckgrafische Blätter, die kurz nach seinem Tod zu Höchstpreisen versteigert wurden. Heute erinnern der Frankfurter Boehlepark am Sachsenhäuser Berg, dem Gelände, auf dem der Künstler einst wohnte und auch arbeitete, sowie eine nach ihm benannte Straße in Sachsenhausen an ihn.

Die Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei hat sich zum Ziel gesetzt, das Wirken bildender Künstler für die Stadt, unabhängig davon, ob in der Vergangenheit oder gegenwärtig, zu bewahren und auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu ermöglichen. In diesen Prozess möchte die Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei bereits die Jüngsten mit einbeziehen. So gab es im Vorfeld zur Retrospektive das Pilotprojekt „Kinder treffen Künstler“ mit Schülern der beiden nach Fritz-Boehle benannten Grundschulen in Frankfurt-Griesheim und in Emmendingen in Baden. Unter der Anleitung von Pädagogen, haben die Mädchen und Jungen sich mit Boehle und seinem Werk über einen längeren Zeitraum beschäftigt. Die Auseinandersetzung mündete in eigenen Bildern, die die Perspektive der Kinder auf die Werke Boehles widerspiegeln. Die Arbeiten der jungen Nachwuchskünstler werden anlässlich der Retrospektive ebenfalls gezeigt.

Die Ausstellung in der Paulskirche am Paulsplatz läuft bis zum 28. April. Sie kann montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen gibt es am Samstag, 22., und Sonntag, 23. April, jeweils um 11.15 Uhr. Eine Kinderführung gibt es am Mittwoch, 26. April, um 10 Uhr.

Unterstützt wird die Ausstellung durch die Stadt Frankfurt und Binding. Zur Eröffnung wird es ein Fotomotiv geben, das an Boehle und seine Leidenschaft für die Pferde erinnert.