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Letzte Aktualisierung: 23.08.2019

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Die Bundesnetzagentur stellt Jahresbericht für das Jahr 2018 vor

von Helmut Poppe

(17.05.2019) Erstmals wurde mehr mobil telefoniert als im Festnetz. Rund 119 Milliarden abgehende Gesprächsminuten mobil standen nur noch 107 Milliarden Gesprächsminuten im Festnetz gegenüber. Weitere Zahlen zu Verbraucherfragen, Stromnetzausbau, Verbraucherservice Post, Marktentwicklung Eisenbahn.

Festnetz gegen mobil
Foto: Bundesnetzagentur
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Marktentwicklung Telekommunikation

Die Digitalisierung hat zur Folge, dass das Datenvolumen in Fest- und Mobilfunknetzen erneut rasant gestiegen ist.

Bis Ende 2017 betrug das im Festnetz erzeugte Datenvolumen rund 39.000 Mio. GB. Vorläufige Berechnungen prognostizieren bis Ende 2018 ein Gesamtvolumen von etwa 45.000 Mio. GB.

Über die Mobilfunknetze wurden 2018 rund 1.993 Mio. GB Daten übertragen. Im Vorjahr waren es noch 1.388 Mio. GB. Das entspricht einer Steigerung um 44 Prozent.

Seit Verbraucher ihren inländischen Tarif zu gleichen Konditionen auch im EU-Ausland nutzen können, hat die Nutzung mobiler Dienste im Ausland deutlich zugenommen. Der im Ausland generierte Datenverkehr hat sich im letzten Jahr annähernd verdoppelt von 33,8 Mio. GB im Jahr 2017 auf 66,4 Mio. GB im Jahr 2018.


Verbraucheranfragen Telekommunikation

Die Zahl der Verbraucheranfragen und -beschwerden bei der Bundesnetzagentur zum Telekommunikationsbereich war im Jahr 2018 mit 250.000 weiter sehr hoch (2017: 290.000; 2016: 220.000).

Mit 62.000 erreichte die Zahl der Beschwerden zu unerlaubter Telefonwerbung einen neuen Höchststand. 2017 waren es 57.000. Die Bundesnetzagentur hat daher ihr Hauptaugenmerk 2018 auf die Verfolgung von Intensivtätern gelegt, die entweder durch ein besonders belästigendes Verhalten oder eine besonders hohe Zahl an geschädigten Verbrauchern auffielen. Insgesamt haben wir in diesem Bereich Bußgelder von 1,1 Mio € Euro verhängt, in zwei Großverfahren wurde das höchstmögliche Bußgeld von 300.000 Euro verhängt.

Auch das Beschwerdeaufkommen im Bereich Rufnummernmissbrauch steigt kontinuierlich weiter an. Im Bereich der sog. Ping-Anrufe zeigt die Arbeit der Bundesnetzagentur Wirkung. Hier war angeordnet worden, dass für bestimmte internationale Vorwahlen im Mobilfunk kostenlose Preisansagen geschaltet werden müssen, um Verbraucher vor teuren Rückrufen zu schützen. In der Folge ist das Beschwerdeaufkommen deutlich gesunken.

Fortschritte beim Stromnetzausbau

2018 gab es beim Ausbau des Stromnetzes deutliche Fortschritte in den Genehmigungsverfahren. Die Bundesfachplanung, das Verfahren zur Festlegung eines Trassenkorridors, konnte in vielen Projekten vorangetrieben werden. Insbesondere in den Planungsverfahren für die großen HGÜ-Leitungen Ultranet, SuedLink und SuedOstLink ist die Budnesnetzagentur im letzten Jahr substanziell vorangekommen.

Aktuell sind rund 7.700 km Ausbau im deutschen Stromnetz geplant (BBPlG und EnLAG). Mit rund 4.600 km befindet sich der Großteil davon in unterschiedlichen Phasen der Planungsverfahren. Weitere 1.800 km sind genehmigt oder realisiert.

Gleichwohl bleibt festzustellen: Der Netzausbau kommt nicht so schnell voran wie es nötig wäre. Dies schlägt sich in hohen Kosten für den Erhalt der Systemsicherheit nieder. Diese sind zwar im Vergleich zum Vorjahr (1,5 Mrd. Euro) gesunken, befinden sich mit 1,4 Mrd. Euro aber weiterhin auf hohem Niveau.
Bedarfsermittlung für Netzausbau

Parallel prüft die Bundesnetzagentur regelmäßig, welcher zusätzliche Ausbau im Stromnetz für die Energiewende erforderlich sein wird.

Die Übertragungsnetzbetreiber haben im April einen zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans 2019-2030 vorgelegt. Sie schlagen neben anderen Ausbaumaßnahmen auch einen vierten HGÜ-Korridor von Schleswig-Holstein über Wilhelmshaven mit Zwischenpunkten in NRW (Polsum und Üntrop) nach Baden-Württemberg (Großraum Stuttgart) vor.

Die Bundesnetzagentur prüft die Vorschläge der Übertragungsnetzbetreiber derzeit. Erst nach Abschluss dieser Prüfungen können die einzelnen Projekte beurteilt werden. Klar ist aber schon heute, dass selbst bei optimaler Ausnutzung des Bestandsnetzes und Einsatz innovativer Technologien zusätzlicher Netzausbau erforderlich sein wird.

Marktentwicklung Post

Wesentlicher Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung der Postmärkte ist weiterhin der Online-Handel. Obwohl die Digitalisierung zu vermehrter Nutzung von elektronischer Kommunikation im Privat- und Geschäftsleben führt, blieb der Briefmarkt in Deutschland weitgehend stabil. Die Sendungsmengen und Umsätze in diesem Bereich sanken nur leicht. Bei den Kurier-, Express- und Paketdienstleistungen hingegen sind steigende Sendungsmengen und Umsätze zu verzeichnen.

Verbraucherservice Post

Im Jahr 2018 erreichte die Zahl der Beschwerden zum Postbereich einen neuen Höchststand. Es gingen 12.615 Beschwerden ein, was im Vergleich zum Vorjahr mehr als einer Verdopplung entspricht. Das Beschwerdeaufkommen ist auch Anfang 2019 weiter hoch. Bis Ende April gingen rund 4.750 Beschwerden ein.

Die Beschwerden richteten sich in den meisten Fällen gegen wiederkehrende, spürbare regional auftretende Zustellmängel. Die Postdienstleister, insbesondere die Deutsche Post AG, schienen nicht in der Lage zu sein, versprochene Leistungen kontinuierlich sicherzustellen. Hier erwartet die Bundesnetzagentur nach den Ankündigungen der Deutschen Post AG nun deutliche Verbesserungen.

Marktentwicklung Eisenbahn

Der Wettbewerb im Eisenbahnbereich entwickelt sich weiter langsam.
Am besten sieht das Bild im Schienengüterverkehr aus: 2013 wurden 67 Prozent der Verkehrsleistung durch die bundeseigenen Eisenbahnverkehrsunternehmen erbracht. Ihr Anteil ist im Jahr 2017 auf rund 53 Prozent gefallen.

Im Schienenpersonennahverkehr wurden im Jahr 2013 etwa 81 Prozent der Verkehrsleistung durch die Unternehmen der Deutsche Bahn AG erbracht. 2017 waren es rund 74 Prozent.

Im Schienenpersonenfernverkehr steigt die Verkehrsleistung seit 2014 kontinuierlich an. Im Jahr 2017 wurde mit 41 Mrd. Personenkilometern ein neuer Höchstwert erreicht. Die Verkehrsleistung wurde mit mehr als 99 Prozent Marktanteil allerdings erneut fast ausschließlich durch die Unternehmen der Deutschen Bahn AG erbracht.