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Letzte Aktualisierung: 22.05.2019

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Barockes Drama um Macht und Thron

Premiere von Händels „Rodelinda“ in Frankfurt

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(15.05.2019) Unheimliche Maskenfiguren und Kinderzeichnungen, riesenhaft an die Wand einer weißen Villa aus dem 19. Jahrhundert projektiert, stimmen das Publikum auf Friedrich Händels musikalisches Familiendrama um Macht, Mord, Thron und ein stummes Kind – Flavio – ein. Es spielt in der Zeit um 500 nach Chr., der Zeit der Langobarden, wird aber von Regisseur Claus Guth mit Kulisse und Kleidung in die Zeit des 19. Jahrhunderts versetzt.

Bildergalerie
Fabian Augusto Gomez Bohorquez spielt den Flavio
Foto: Monika Rittershaus
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Unten v.l.n.r Bozidar Smiljanic (Garibaldo), Katharina Magiera (Eduige) und Fabian Gomez Bohorquez (Flavio) sowie oben Lucy Crowe /Rodelinda
Foto: Monika Rittershaus
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Es  sei vorab gesagt: das Publikum war überwältigt von der Barockmusik, den Leistungen der Sängerinnen und Sängern und der Inszenierung, die allerdings schon in Madrid, Barcelona und London so ein riesiger Erfolg war und demnächst im dem Niederlanden zu sehen ist. 

Schlüsselfigur ist die Rolle des kleinwüchsigen Tänzers und Schauspielers Fabián Augusto Gómez Bohórquez als Flavio, der als verstörter Sohn der Longobarden-Königin Rodelinda (Lucy Crowe) stumm die Szenen beherrscht.

Die selten gespielte Händel-Oper in dem frühmittelalterlichen Drama um Rodelinda, deren tot geglaubter Gatte Bertarido (Andreas Scholl) nach Mailand zurückkehrt, lässt Funken schlagen. Guth, der gute Verbindungen zur Frankfurter Oper hat, gelingt das effektvoll und auf sehr moderne Art.

In der weißen Villa mit ihren verschiedenen Ebenen, Wänden, Treppen als Drehbühne mit immer neuen An- und Einsichten (Bühnenbild und Kostüme Christian Schmidt), dreht sich alles um Macht, Thron, Hass, aber auch unverbrüchliche Treue.

Zurückgekehrt muss Bertarido seinen Namen auf einer Grabtafel lesen und beobachtet die Trauer seiner Frau und seines Sohnes. Scholls Auftritt dann (Countertenor) mit der Arie „Dove Sei, amato bene“ ist früh einer der Höhepunkte.

Grimoaldo (Martin Mitterrutzner), der Rivale Bertaridos, will auf den Langobarden-Thron und die vermeintliche Witwe heiraten. Zum Schein geht sie darauf ein, ja sie bietet sogar die Ermordung des eigenen Kindes an. Beeindruckend ist es, wie der Tänzer Bohórquez pantomimisch den tief betroffenen Knaben Fabio spielt.

Wenn Hass und Wut zwischen Rodelinda und ihrer Schwägerin Eduige (Katharina Magiera) ausbricht, beim Liebesduett mit ihrem Gatten, der in den Kerker geführt wird am Ende des 2. Aktes, Lucy Crowe ist hervorragend. Sie hat in ihrer Rolle 8 Arien zu singen und leistet diese Herausforderung mit Bravour.

Ein zweiter Countertenor ist Jakub Jozef Orlinski als Königstreuer Unolfo. Das Premierenpublikum feierte beide Künstler mit Bravorufen. Bozidar Smiljanic, der mit prächtiger Bass-Stimme den Garibaldo singt, komplettierte die Protagonisten auf der Bühne als Getreuer seines Herrn Grimoaldo. Doch er will  diesen ermorden - was schwer nachzuvollziehen ist. Bertarido hindert ihn daran. Es wird dann alles gut oder nur scheinbar gut. Die kleine Familie ist vereint, der Knabe Flavio jedoch - tief traumatisiert - geistert noch lange in unserer Erinnerung.

Die musikalische Leitung hat Andrea Marcon, der das Opern- und Museumorchester straff, aber mit den nötigen Ruhepunkten dirigierte. An der begeistert aufgenommenen Inszenierung an der Frankfurter Oper hat er neben den Sängerinnen und Sängern, die höchstes Niveau zeigten, einen sehr großen Anteil.

Das Premierenpublikum - überzeugte Barockmusik-Liebhaber - war erfüllt und gefangen von dem Klängen und dem Geschehen im Opernhaus und dankte es mit anhaltendem Applaus.

Weitere Vorstellungen: 17., 19. (18 Uhr), 23., 25., (18 Uhr), 30. (18 Uhr) Mai, 1., 8. Juni 2019

Falls nicht anderes angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19 Uhr .

Telefonischer Vorverkauf (069)21249494   www.oper-frankfurt.de und den üblichen Vorverkaufsstellen.