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Letzte Aktualisierung: 25.01.2021

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Auf dem Teller: Mammut und viel Rohkost

Fruhe moderne Menschen aßen mehr Pflanzen als Neandertaler, aber kaum Fisch

von Ilse Romahn

(24.08.2017) Senckenberg-Wissenschaftler haben die Ernährung des anatomisch modernen Menschen untersucht. Sie konnten in ihrer im Fachjournal „Scientific Reports“ erschienenen Studie widerlegen, dass sich der frühe Homo sapiens-Vertreter flexibler ernährte, als die Neandertaler.

Auf den Tellern unserer Vorfahren landeten, wie bei den Neandertalern, überwiegend Mammutfleisch und Pflanzen – eine Ernährung mit Fisch konnte nicht nachgewiesen werden. Das internationale Team vermutet daher, dass die Verdrängung der Neandertaler durch eine direkte Konkurrenzsituation erfolgte.

Die ersten Vertreter von Homo sapiens besiedelten vor etwa 43000 Jahren Europa und ersetzten dort nach etwa 3000 Jahren die Neandertaler. „Viele Studien beschaftigen sich mit der Frage wie es zu dieser Verdrangung kam – eine Hypothese besagt, dass die anatomisch modernen Menschen vielfaltiger und flexibler gegessen haben und auch haufig Fisch zu sich nahmen“, erklart Prof. Dr. Herve Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) an der Universitat Tubingen Dieser Hypothese ist der Tubinger Biogeologe gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Dorothee Drucker nun auf den Grund gegangen: Mit einem internationalen Team untersuchten sie die Ernahrungsgewohnheiten des fruhen modernen Menschen anhand deren altesten bekannten Fossilienfunde in den Buran-Kaya-Hohlen auf der ukrainischen Halbinsel Krim. „abei haben wir die Fruhmenschen-Funde im Kontext mit der dort lebenden Fauna betrachtet“, erlautert Drucker und fahrt fort: „Bisher stammen alle Analysen bezuglich der Ernahrung der fruhen modernen Menschen von isolierten Funden und sind daher schwer zu interpretieren.“

Um die Speisekarte unserer fruhen Vorfahren –trotz fehlender fossiler Uberlieferung der Nahrung –nachzuvollziehen, hat das Team rund um die Tubinger Wissenschaftler den Gehalt stabiler Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotope in den Knochen der fruhen Menschen und der dort lebenden potentiellen Beutetiere, wie Saigas, Pferde oder Hirsche gemessen. Daruber hinaus wurde auch der Stickstoff-15-Gehalt einzelner Aminosauren analysiert, so dass nicht nur Aussagen uber die Herkunft, sondern auch den Anteil des Stickstoffes getroffen werden konnten. „Unsere Ergebnisse zeigen fur die anatomisch modernen Menschen einen sehr hohen Anteil des Stickstoffisotops 15N“, erganzt Bocherens und fahrt fort: „Diese stammen aber nicht –wie bisher vermutet –von der Aufnahme von Fischprodukten, sondern uberwiegend von Mammuts.“

Und noch ein Resultat uberraschte die Wissenschaftler: Der Anteil von pflanzlicher Nahrung bei den anatomisch modernen Menschen war deutlich hoher als bei vergleichbaren Neandertaler-Funden – Mammuts schienen dagegen bei beiden Arten eine der wichtigsten Fleischquellen gewesen zu sein. „Neandertaler und die fruhen modernen Menschen standen laut unseren Ergebnissen also auch bezuglich ihrer Nahrung in direkter Konkurrenz – der Neandertaler hat bei diesen Wettkampf wohl den Kurzeren gezogen“, resumiert Drucker.

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.