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Letzte Aktualisierung: 17.08.2018

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Als Mozart seine Melodien auf kostbaren Clavier-Instrumenten spielte

von: Ilse Romahn

(13.02.2018) Es war eine Sensation in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts: das Musikinstrument, dessen wohlklingende Töne erzeugt wurden, indem Hämmerchen gegen die Saiten schlugen. Clavier nannte man es, Tafelclavier Pianoforte. Mozart war ganz begeistert, andere Komponisten ebenso, die heute zu den ganz Großen zählen.

Wer aber waren die frühen Clavier-Bauer?  Welchen Einfluss hatte der sich wandelnde Zeitgeist auf den Instrumentenbau? Von wem wurden die Instrumente gespielt, wie hat Clavier-Musik damals geklungen? Und für welchen Klang wurde damals komponiert? Wie sah das musikalische Leben in der frühen Zeit des Claviers aus? Fragen, mit denen sich die erste Ausstellung des neuen Jahres im Museum im Gotischen Haus Bad Homburg beschäftigt. Sie trägt den Titel „Ein kostbahr Clavier Instrument von einem der besten Meister … - Historische Tasteninstrumente der mittleren Rhein-Main-Region im 18. Jahrhundert“ und wird vom 18. Februar bis 27. Mai gezeigt.

Das Städtische historische Museum Bad Homburg verfügt selbst über eine kleine, aber feine Sammlung historischer Musikinstrument. Darunter findet sich ein 1799 von den Wiesbadener Gebrüdern Mahr gebautes Tafelklavier. Eine Rarität, denn von dieser Familie, die über drei Generationen Klaviere baute, existieren nur noch wenige Instrumente und die befinden sich in bedeutenden deutschen Museen und Privatsammlungen. Teile des Bad Homburger Exemplars wurden erst 2013 im Museumsdepot wiederentdeckt. Die Herkunft konnte nachgewiesen und das Instrument restauriert werden. Zusammen mit dem Mahr-Klavier präsentiert die Ausstellung kostbare Originalinstrumente aus der privaten Sammlung des Gastkurators Michael Günther. Er hat in vier Räumen von Schloss Homburg am Main ein eigenes Museum mit Tasteninstrumenten und Musikalien aufgebaut. Schon mehrfach stellte er Exponate  als Leihgaben zur Verfügung, zuletzt dem „vorarlberg-museum“ in Bregenz. Diese Schau wurde nun dem Museum Gotisches Haus angepasst, wobei sowohl die die Bad Homburger Sammlung als auch die besondere Situation der Region berücksichtigt wurde.

Denn nicht nur in Würzburg oder Bamberg spielten Instrumentenbauer um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Claviers, sondern auch in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Homburg vor der Höhe. Dies wird in der Ausstellung an zahlreichen musealen Cembali, Fortepianos und Pantaleons deutlich. Ohne die entsprechenden Kompositionen würde ihr Klangunterschied nicht deutlich. Also sollen Musikalien und zeitgenössische Bilder und Grafiken das damalige Musikleben erfahrbar machen. Und natürlich möchten die Besucher auch wissen, wie diese wunderschönen Instrumente ihren einstigen Glanz wiedererhielten. Und wie sie klingen!

Das Museum Gotisches Haus fügt der Ausstellung deshalb eine Reihe von Begleitveranstaltungen bei. Bis Ende Mai gibt es Konzerte mit Erläuterungen oder Vorträge mit Musikbegleitung im Gartensaal des Museums:

 Sonntag, 18. Februar, 11 Uhr Eröffnung der Ausstellung durch Oberbürgermeister Alexander W. Hetjes. Einführung in die Ausstellung: Michael Günther.

Mittwoch, 21. Februar, 19 Uhr Konzert „Wolfgang Amadé und seine Claviere“. Die Claviermusik Mozarts und besondere Tasteninstrumente seiner Zeit mit Michael Günther.

Mittwoch, 7. März, 19 Uhr Vortrag „Musik am Homburger Hof im ausgehenden 18. Jahrhundert“ von Ismene Deter, mit Musikbegleitung von Michael Günther.

Mittwoch, 21. März, 19 Uhr Konzert „Der neue Stil der Empfindsamkeit“ Eine musikalische Revolution: Die Musik und die Gedanken des am schwedischen Hof wirkenden Komponisten und Musikschriftstellers Joseph Martin Kraus von Dr. Franz Stephan Pelgen von der Universität Mainz.

Sonntag, 22. April, 15 Uhr Konzert „Kammermusik am Main im 18. Jahrhundert“. Kompositionen von Georg Philipp Telemann, Joseph Anton Bauer und Johann Franz Xaver Sterkel, vorgetragen auf originalen Instrumenten.

Sonntag, 6. Mai, 15 Uhr Konzert „Vom Barock zur Romantik – Jede Zeit hat ihren Ton“. Gesprächskonzert mit Michael Günther.

Sonntag, 27. Mai, 15 Uhr Finissage mit Vortrag „Freimaurerei und Musik – Die Dalbergs geben sich die Ehre …Darinn einige mekrwürdige Winke“. Es sprechen Thomas Forwe und Edwin Brum, es spielen Michael Günther und Julian Zalla.

Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei, zu den Konzerten kostet er 10,00 Euro, zur Ausstellung 2,00 Euro.

Museum Gotisches Haus, Tannenwaldweg 106, 61352 Bad Homburg: Ausstellung „Ein kostbahr Clavier Instrument von einem der besten Meister … - Historische Tasteninstrumente der mittleren Rhein-Main-Region im 18. Jahrhundert“. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 2,00 Euro.