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Letzte Aktualisierung: 06.12.2019

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75 Jahre nach den Ereignissen des 20. Juli 1944

Bürger erinnern sich an die Frauen und Männer des Deutschen Widerstandes von 1933 bis 1945

von Ilse Romahn

(22.07.2019) „Jedem der Widerstandskämpfer des 20. Juli gebührt unser Respekt: Für ihre Entschlossenheit, ihre Opferbereitschaft und ihren Willen, den Krieg zu beenden, der nach dem gescheiterten Attentat noch viele Opfer forderte“, resümierte Oberbürgermeister Peter Feldmann am Samstag, 20. Juli, bei einer Gedenkveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche.

Bildergalerie
Oberbürgermeister Feldmann bei der Gedenkveranstaltung zum 20. Juli in der Paulskirche
Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß
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Auf dem Weg zur Kranzniederlegung
Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß
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75 Jahre nach dem Stauffenberg-Attentat hob er die Bedeutung des Widerstandes aller Frauen und Männer von 1933 bis 1945 hervor.

Der bedeutendste Umsturzversuch des militärischen Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus ereignete sich am 20. Juli 1944. Dort hinterließ Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Aktentasche mit Sprengstoff und verließ die Lagebesprechung vorzeitig. Um 12.42 Uhr detonierte der Sprengsatz. Vier Personen kamen dabei ums Leben, neun weitere wurden schwer verletzt, doch das eigentliche Ziel des Anschlags, Adolf Hitler, überlebte.

Stauffenberg flog im Glauben, dass sein Anschlag geglückt sei, zurück nach Berlin. Erst nach seiner Ankunft erfuhr er, dass Hitler überlebt hatte. Noch in der Nacht wurde Stauffenberg erschossen. Die Verfolgung durch die Gestapo zog hunderte weitere Verhaftungen und Hinrichtungen mutmaßlicher Attentäter oder vermeintlicher Mitwisser nach sich. Familienangehörige wurden in sogenannte „Sippenhaft“ genommen.

Heute gilt das Stauffenberg-Attentat als Inbegriff des Widerstandes zur Zeit des Nationalsozialismus. In seiner Rede bei der Gedenkveranstaltung wies Thomas Karlauf, Autor des Buches „Stauffenberg: Porträt eines Attentäters", darauf hin, dass es sich ursprünglich nicht um einen Aufstand des Gewissens handelte. Im Nachhinein hätten sich die militärisch-politischen Motive der Verschwörer aber als moralisch richtig erwiesen, und deshalb sei der 20. Juli mit Recht zum zentralen Gedenkort geworden. „Wie auch immer wir das Attentat historisch bewerten: Stauffenbergs Konsequenz, sein Mut und seine Entschlossenheit sind in höchstem Maße bewundernswert“, führte Karlauf aus.

Abseits des 20. Juli war der Widerstand gegen das NS-Regime vielfältiger als viele annehmen: „Widerstand begann damals im Kleinen mit der Verweigerung des Hitlergrußes, mit der Produktion oder Verteilung von Flugblättern und setzte sich im Großen mit dem Verstecken von Verfolgten oder dem Planen eines demokratischen Deutschlands fort“, blickt Frankfurts Stadtoberhaupt zurück. Egal ob die Motive religiöser, politischer oder militärischer Natur gewesen seien – die damit verbundene Gefahr, gefoltert zu werden, in Gefangenschaft zu enden oder mit dem Leben zu bezahlen, sei ein ständiger Begleiter gewesen. „Allein das ist Grund genug, all denjenigen dankbar und aufrichtig zu gedenken, die sich tapfer erhoben und der Unfreiheit, der Diktatur und dem Hass entgegengestellt haben“, sagte Feldmann.

Für Gegenwart und Zukunft liege es in unser aller Hand, den rechten Tendenzen und hetzerischen Parolen zu trotzen: „Zu intervenieren und aufzustehen für unsere Demokratie – das fängt im Alltag an. Unsere Demokratie ist Verpflichtung. Bewahren und verteidigen wir sie!“ (ffm)