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Letzte Aktualisierung: 23.08.2019

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100 Jahre ziviler Luftverkehr in Deutschland

von Ilse Romahn

(28.01.2019) Anfang Februar 1919 startete die Deutsche Luftreederei (DLR) den zivilen Flugverkehr mit Flugzeugen in Deutschland auf der Strecke Berlin – Weimar. Im ersten Monat beförderte die Deutsche Luftreederei 206,5 kg Post, 5559 kg Zeitungen und 19 Passagiere.

Der erste Flug mit Passagieren dauert knapp zwei Stunden. Es gibt kein Essen, keine Getränke, keine Flugbegleiter, keine Bildschirme und auch keine Sicherheitshinweise. Dafür allerdings leihweise Pelzkleidung. Gegen die Kälte. Denn ein Dach hat das Flugzeug auch nicht. Trotzdem wagen sich im ersten Monat 19 Fluggäste in das neue Verkehrsmittel. Einer der ersten Passagiere beschreibt seine Gedanken kurz nach dem Start: „Warum fliege ich nicht schon seit Jahren, warum gibt es überhaupt noch Menschen, die immer noch nicht fliegen!“

Aber der Reihe nach…
Es war im Jahr 1919, zwei Jahre nachdem die Deutsche Luftreederei AG in Berlin gegründet wurde, um die „Fragen des Luftverkehrs zu studieren“ - wie es damals hieß. 1919 also erhielt die Deutsche Luftreederei AG vom damaligen Reichsluftamt die Genehmigung, von Berlin aus Tagesflüge zu unternehmen.

Und so starteten am 5. Februar 1919 die Piloten Degener und Könnecke nicht nur die Motoren ihrer Doppeldecker – sie starteten eine Revolution. Gegen 13 Uhr gaben sie auf dem Flugplatz Johannisthal Vollgas und schon nach wenigen Metern hoben sie ab in den bewölkten Himmel. An Bord dieses ersten Fluges waren noch keine Passagiere. Geladen waren im Auftrag des Ullstein Verlags 4000 Exemplaren der Zeitung „B.Z. am Mittag“. Ziel der Reise: Weimar. Beide Flugzeuge landeten dort ohne Probleme nach einem zweistündigen Flug.

Am 6. Februar 1919, einen Tag später, gab es die ersten planmäßigen Flüge. Wieder von Berlin nach Weimar. Wieder mit Zeitungen und Post beladen. Allerdings wurde diesmal auch Leipzig aus der Luft versorgt – und das ist wörtlich zu nehmen, denn eine Landung sparten sich die Piloten. Sie warfen einfach die Zeitungspakete und Postsendungen aus dem offenen Cockpit.

Und so begann zunächst der Posttransport über den Köpfen der Deutschen. Besonders zwischen Berlin und Weimar war der Austausch eng und wichtig. Berlin war Hauptstadt – in Weimar trat die Nationalversammlung zusammen. Der reibungslose Informationsfluss zwischen beiden Städten sollte garantiert sein. Briefe, die per Luftpost verschickt wurden, erreichten noch am selben Tag den Empfänger, damals eine Sensation. Eilbotenbriefe, die zweitschnellste Variante des Transports, brauchten gerne mehrere Tage. Denn mal war die Reichsbahn unpünktlich, mal fehlte es an Kohle und mal gab es Streiks.

Die Begeisterung für das neue Verkehrsmittel war groß – die Zeitungen voll davon. Und so dauerte es nur wenige Tage, bis die ersten Passagiere mit diesem schnellen und faszinierenden Verkehrsmittel reisen wollten. Am 10. Februar machten zwei Flugzeuge aus Weimar kommend eine Zwischenlandung in Leipzig. Dort am Flughafen wartete erstmals ein angemeldeter Passagier. Wieder ein Meilenstein für den Luftverkehr.

Der Flug Berlin – Weimar kostete damals die unvorstellbare Summe von 450 Mark für die einfache Strecke. 700 Mark kostete der Hin- und Rückflug. Dafür bekam man weder Service noch Unterhaltungsprogramm, lediglich leihweise warme Kleidung – einen Pelzanzug, Schal, Pelzstiefel und Pelzhandschuhe - gegen die Kälte, Schutzhelm und Schutzbrille dienten der Sicherheit. Dies war auch nötig, denn Pilot und Passagier saßen im Freien.

Bald eröffnete die Deutsche Luftreederei weitere Strecken, beispielsweise Berlin-Hamburg, Berlin-Braunschweig-Hannover-Gelsenkirchen/Rotthausen oder Berlin-Warnemünde. Bereits Anfang der 1920er Jahre gründeten sich zahlreiche Luftverkehrsunternehmen, zeitweise waren es mehr als 30 Gesellschaften in Deutschland. Ein wirtschaftlicher Luftverkehr konnte auf diese Weise nicht aufgebaut werden. Daher kam es zu ersten Konsolidierungen, die am 6. Januar 1926 zur Gründung der Deutschen Luft Hansa AG führten.

Insgesamt zählte die Deutsche Luftreederei in ihrem ersten Jahr 2921 Passagiere. Der Traum vom Fliegen ging für immer mehr Menschen in Erfüllung.

Der Kranich als Markenzeichen
In der ersten Zeit trugen die Flugzeuge der DLR neben dem Firmennamen die Postflagge am Rumpf. Das änderte sich jedoch bald. Der Graphiker und Architekt Otto Firle hatte bereits 1918 einen langestreckten, aufsteigenden Vogel als Markenzeichen für die DLR entworfen. Der später als Kranich bezeichnete Vogel zierte bald nicht nur die Flugzeuge der DLR, sondern auch die ihrer Nachfolgerin Luft Hansa.

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