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Letzte Aktualisierung: 17.08.2018

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"Little Kuba“ am Rhein.Südpfalz statt Karibik – 400 Jahre Tabakanbau

von: Ilse Romahn

(14.06.2018) Weite Tabakplantagen, die in der warmen Mittagssonne ihren markanten herben Duft verströmen und dazwischen die unverwechselbaren Trockenschuppen mit den Holzlamellen – überraschend anders präsentiert sich die Südpfalz in den Verbandsgemeinden Jockgrim und Kandel.

Rund um den Tabakanbau in der Südpfalz
Foto: Südpfalz-Tourismus Landkreis Germersheim e.V.
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Dort fühlt sich so mancher Urlaubsgast wie im karibischen Kuba. Mit ihrer 400 Jahre alten Geschichte ist Hatzenbühl die älteste Tabakgemeinde Deutschlands. Egal, ob unterwegs auf dem Tabakrundweg, entlang der 40 kilometerlangen Tabaktour oder beim Tabakeinlesewettbewerb auf dem Sommernachtsfest – in der Südpfalz wandeln Interessierte ganzjährig auf den geschichtsreichen Pfaden der Tabakpflanze. 

Dem Tabak auf der Spur
Vier Jahrhunderte lang prägte der Tabakanbau die Familien in der Gemeinde Hatzenbühl und hatte eine große soziale und wirtschaftliche Bedeutung für die Menschen in der Südpfalz. Auch heute identifiziert sich die Region noch stark mit dem Tabak und bietet interessierten Besuchern zahlreiche Möglichkeiten, die Tradition mit allen Sinnen zu erleben: Mehr über den Anbau erfahren Gäste etwa auf dem zwei kilometerlangen Tabakrundweg in Hatzenbühl. Informationstafeln entlang des Weges führen von der Einsaat bis zur Ernte durch das Tabakjahr und geben jede Menge Wissenswertes über die exotische Pflanze preis. Führungen auf dem Tabakrundweg können unter (07275)9181007 oder per Mail an tabakrundweg@hatzenbuehl.de vereinbart werden.

Für Radler empfiehlt sich die 40 Kilometer lange Südpfalz-Tabaktour. Entlang der Tabakfelder mit ihrem intensiven Duft geht es von Ottersheim und Bellheim über Rülzheim bis nach Hatzenbühl und weiter nach Herxheim/Hayna. Dabei entdecken die Aktivurlauber alte Fachwerkhäuser, malerische Bauerndörfer und machen unterwegs bei den Direktvermarktern einen Zwischenstopp. Zudem veranstaltet die Gemeinde Hatzenbühl jährlich im August ein Sommernachtsfest, auf dem sich alles rund um das Nachtschattengewächs dreht. Bei einem Tabakeinlesewettbewerb messen sich Teilnehmer in ihrer Geschicklichkeit, wenn sie möglichst flink die großen Blätter auf traditionelle Weise mit einer 30 zentimeterlangen Nadel zu einem Bandelier auffädeln. Alle zwei Jahre wird dort außerdem die neue Tabakkönigin der Südpfalz als deutschlandweite Repräsentantin gewählt. Ein Stückchen duftendes „Südpfalz-Feeling“ nehmen sich Pflanzenfreunde in Form von Tabaksamen als Andenken mit nach Hause. Diese sind in der Verbandsgemeindeverwaltung Jockgrim kostenlos erhältlich.

Wie der Tabak in die Südpfalz kam
Nach der Einführung der Tabakpflanze nach Europa Ende des 15. Jahrhunderts wurde der südpfälzische Pfarrer Anselm Anselmann knapp hundert Jahre später auf das exotische Nachtschattengewächs aufmerksam. Der markanten Pflanze mit ihren lichtgrünen ledrigen Blättern, den rosafarbenen Blütenkronen und dem herben Duft wurden bereits damals heilende Kräfte zugesprochen. 1573 baute der Geistliche erstmals Tabak im heimischen Pfarrgarten an. Dank des mediterranen Klimas mit 1.800 Sonnenstunden im Jahr und den besonderen Bodenverhältnissen, bietet die Südpfalz sehr gute Bedingungen für den Tabakanbau und so mauserte sich die kleine Gemeinde bis zum späten 20. Jahrhundert mit 265 Hektar Anbaufläche zur größten Tabakgemeinde der Nation. Bis heute bauen einige wenige Betriebe die Nutzpflanze an und aufmerksame Beobachter entdecken die mehr als 300 typischen Tabakschuppen der Region, in denen einst die Blätter nach der Ernte zum Trocknen gelagert wurden. Heute bilden die Orte Neupotz und Kandel das Zentrum des modernen Tabakanbaus. Die hochwertigen Erzeugnisse aus der aufwändigen Landwirtschaft sind etwa in Form von Pfalzzigarillos und der Pfalz-Zigarre im Pfalzshop, in regionalen Tabakläden und im Einzelhandel erhältlich.
 
 www.suedpfalz-tourismus.de